Mein Hund frisst Schnecken – eklig oder vitaminreich?

Hund frisst Schnecken
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Im Wald gibt es so allerhand zu entdecken. Manch ein Hund versteht ihn als gedeckten Tisch, an dem man sich nur bedienen muss.

Eicheln, Kaninchenköttel und alle möglichen Kleintiere, die nicht schnell genug sind, müssen als Snack herhalten. Die langsamen Schnecken erwischt es da besonders häufig.

Aber ist das überhaupt ein Problem? In anderen Ländern gelten die schleimigen Kriechtiere schließlich als Delikatesse.

Mein Hund frisst Schnecken – Ist das normal?

Schnecken sind ein einfach zu jagender Snack für deinen Hund. Sie enthalten Proteine, Fett, Natrium und Kalium. Erwischt er eine Schnecke mit Haus, bekommt er zusätzlich Magnesium und Kalzium.

Die beiden Mineralien sind essenziell für seinen Knochen- und Muskelaufbau. Es ist also gar nicht so unwahrscheinlich, dass dem einen oder anderen Vierbeiner das Wasser im Mund zusammenläuft, wenn er eine Schnecke sieht.

Dir wird es da sehr wahrscheinlich anders gehen. Beim Fressen von Schnecken handelt es sich um natürliches Verhalten. Die meisten Halter wollen aber lieber selbst darüber entscheiden, was ihr Hund zu sich nimmt.

Bei Schnecken hat das auch mehrere gute Gründe, wie du später noch erfahren wirst.

Warum Hunde Schnecken fressen

Hunde lassen sich die kleinen Schleimer aus unterschiedlichen Gründen schmecken.

  • Nährstoffmangel
  • Futterneid
  • Langeweile und Neugier
  • erlerntes Verhalten

Nährstoffmangel

Ein hungriger Labrador-Retriever frisst zu Hause.
Jaromir Chalabala/shutterstock

Leidet dein Hund an einem Nährstoffmangel, versucht er diesen vielleicht über die Schnecken auszugleichen.

Überprüfe daher die Zusammensetzung seines Futters. Enthält es ausreichend Eiweiß, Fett und Mineralien? Nimmt dein Hund zusätzlich ab, wirkt schlapp oder fällt dir ansonsten etwas an ihm auf?

Dann lasse sein Blut untersuchen.

Mit Glück hast du jetzt schon den Grund dafür gefunden, warum dein Hund sich über Schnecken hermacht. Wenn nicht, hast du zumindest Gewissheit, dass er ausreichend mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt ist.

Futterneid

Futterneid ist besonders für ehemalige Straßenhunde oder Hunde aus dem Tierheim ein Thema. Es kann auch passieren, dass zwei gemeinsam gehaltene Hunde sehr neidisch auf das Futter des anderen reagieren.

Das ist normal, Fressen ist schließlich ein Grundbedürfnis. Jeder Hund ist sich dabei selbst dabei der Nächste.

Futterneid kannst du bekämpfen, indem du deine Hunde getrennt voneinander fütterst. Verhindere, dass ein Hund an den Napf des anderen geht.

Behandle sie außerdem gleich, was Leckerlis, Kauartikel und andere Snacks angeht. Trainierst du mit einem Hund, lasse den anderen ruhig auch ein oder zwei Kommandos machen.

Auf diese Weise erhält er ebenfalls eine Belohnung und fühlt sich gerecht behandelt.

Langeweile und Neugier

Hund langweilt sich
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Von diesen beiden Gründen sind vor allem junge, unausgelastete Hunde betroffen.

Sie schnüffeln wild an allem herum, was ihnen unter die Nase kommt. Alles Unbekannte wollen sie zusätzlich schmecken.

Achte daher auf Spaziergängen auf deinen Hund. Lasse ihn nicht unbeaufsichtigt herumschnüffeln, halte die Leine kurz und kümmere dich immer wieder um seine Aufmerksamkeit.

Eine Schnecke im Unterholz vor deinem Hund zu entdecken, ist so gut wie unmöglich. Daher ist es besonders wichtig, dass du ihn im Auge behältst.

Erscheint ein Fleck neben dem Weg besonders verführerisch und verschwindet die Nase immer tiefer im Dreck, halte dich bereit.

Erlerntes Verhalten

Gerade Zweithunde orientieren sich stark an dem Ersthund.

Sie nehmen ihn sich als Vorbild und ahmen sein Verhalten nach. Hast du bereits einen Hund, dem Schnecken außerordentlich gut schmecken? Dann ist es möglich, dass es auch deinem Zweithund bald so geht.

Das zu verhindern, ist besonders schwierig. Im Grunde ist es nur dann sinnvoll, wenn du das Verhalten bei beiden Hunden abstellen möchtest.

Ist es gefährlich, wenn mein Hund Schnecken frisst?

Hund beobachtet Schnecke
TheoGrezes / Shutterstock

Die gute Nachricht zuerst: Schnecken und ihr Schleim sind nicht giftig für Hunde. Frisst dein Hund eine Schnecke, musst du also nicht auf direktem Wege in die Tierklinik fahren.

Allerdings handelt es sich bei Schnecken auch nicht gerade um gesunde Snacks. Sie können eine ganze Reihe an Beschwerden auslösen.

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall
  • Apathie
  • Infektion mit Lungenwürmer

Manchmal siegt die Gier, obwohl der Hund schon festgestellt hat, dass ihm die Schnecke nicht schmecken wird. Er schleckt an ihr, schüttelt sich angewidert und schleckt nochmal an ihr. Am Ende schluckt er sie trotzdem.

Manche Hunde scheinen sich so sehr vor dem schleimigen Etwas in ihrem Hals zu ekeln, dass sie anschließend erbrechen.

schwarzer Hund erbricht
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Die Schnecke kommt also schnell wieder zum Vorschein, ihr Schleim bleibt jedoch im Hals kleben. Das hat zur Folge, dass der Körper des Hundes reagiert, wie er es auf einen Fremdkörper tun würde. Er übergibt sich weiter, Durchfall kommt hinzu.

Hält beides zu lange an, verliert der Hund zu viel Flüssigkeit.

Eine so heftige Reaktion ist unwahrscheinlich, aber möglich. Viel wahrscheinlicher infiziert sich Bello mit Wurmlarven.

Wurmbefall durch Schnecken

zwei Schnecken auf einem Baumstamm
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Schnecken dienen einem lebensgefährlichen Parasiten als Zwischenwirt.

Bei Angiostrongylus vasorum handelt es sich um den Französischen Herzwurm. Wie sein Name vermuten lässt, kommt er aus Frankreich.

Außerdem ist er schon länger in Dänemark und Großbritannien verbreitet. Deutschland war bis vor wenigen Jahren kaum betroffen.

Seit den frühen 2010ern steigen aber auch hier die positiven Fälle.

2013 untersuchte D. Barutzki daher über 800 Hunde mit ungeklärten Lungenproblemen in Deutschland. Er stellte fest, dass 7,4 % von ihnen mit dem Herzwurm infiziert waren. Überwiegend kamen diese aus dem Süden (Quelle).

In den südlichen Bundesländern sind auch Wildtiere deutlich häufiger betroffen. In Rheinland-Pfalz konnte beispielsweise bei jedem vierten Fuchs Angiostrongylus vasorum nachgewiesen werden.

Das heißt jedoch nicht, dass eine Infektion im Norden ausgeschlossen ist.

Der Französische Herzwurm nutzt die Schnecken nur als Zwischenwirt. In ihr wächst die Larve bis zum Stadium 3. Anschließend wartet sie darauf, dass ihr Endwirt, also Hunde, Füchse, Marder oder Wölfe, die Schnecke fressen.

Es kommt auch vor, dass eine solche Larve die Schnecke verlässt. Ohne Wirt überlebt sie bei günstigen Bedingungen bis zu 15 Tage. Theoretisch muss dein Hund also nicht mal mit einer Schnecke in Kontakt kommen, um sich zu infizieren.

Nimmt ein Hund die Larven auf, gelangen diese in seinen Darm. Sie durchdringen die Darmwand und wachsen in den Lymphknoten weiter.

Von dort aus wandern sie über Blut- und Lymphbahn in die Lunge und das Herz. Sie werden daher häufig auch als Lungenwürmer bezeichnet.

Herzwurm - Filariose
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Die weiblichen Würmer legen ihrer Eier in der Lunge ab. Die dort schlüpfenden Larven klettern hoch in den Rachen, wo sie einen Hustenreiz auslösen. Der Hund hustet sie hoch und schluckt sie gleich darauf wieder ab. Über seinen Kot scheidet er sie aus.

Auf diese Weise kommen die Schnecken mit dem Wurm in Kontakt: Bei Feuchtigkeit werden sowohl die Wurmlarven als auch Schnecken aktiv.

Hundekot wirkt auf letztere zusätzlich besonders anziehend. Die Larven befallen die Schnecke, während diese sich von dem Kot ernährt.

Symptome durch Lungenwürmer

Die ersten Symptome treten häufig erst spät auf.

Bis ein Hund Larven aus seiner Lunge hochhustet, vergehen ab Infektion etwa zwei Monate. Ein direkter Zusammenhang mit dem Fressen von Schnecken fällt den wenigsten Haltern auf.

Zu den typischen Symptomen bei einem Herzwurmbefall gehören

  • Husten,
  • Gewichtsverlust,
  • Müdigkeit,
  • Atem-, Lungen- und Herzgeräusche und
  • Auffälligkeiten an der Leber.

Zusätzlich sind infizierte Hunde anfälliger gegenüber anderen Krankheiten und in ihrer Leistungsfähigkeit gemindert.

Bemerkst du diese Symptome bei deinem Vierbeiner, kannst du ihm prophylaktisch eine Entwurmungstablette geben. Die Tablette schadet deinem Hund nicht. Bessert sich sein Zustand danach nicht, gehe auch zum Tierarzt.

Wann du zum Tierarzt solltest

Der Französische Herzwurm ist ein potenziell tödlicher Parasit.

Bei starkem Befall kann er die Lungen- und Herzgefäße verstopfen, wodurch es zu Organversagen kommen kann. Das kann auch passieren, wenn ein Wurmpräparat zu spät verwendet wird und zu viele Würmer auf einmal absterben.

In dem Fall muss dein Hund eventuell operiert werden, um einen Teil der Würmer auf diese Weise zu entfernen.

Natürlich musst du nicht sofort zum Tierarzt, weil dein Hund einmal hustet oder Durchfall hat. Du kennst dein Tier. Du kannst einschätzen, ob sein Zustand ernst ist oder es sich nur um einen kleinen Infekt handelt.

Vergiftung durch Schneckenkorn

Wo es Schnecken gibt, gibt es vielleicht auch Schneckengift. Das sogenannte Schneckenkorn ist akut viel gefährlicher als die Schnecke selbst.

Schneckenkorn besteht aus blauen Körnchen und ist frei verkäuflich. Darin enthalten ist Metaldehyd, ein Nervengift. Für einen Hund sind schon winzige Mengen, etwa ein halbes Gramm pro Kilo Körpergewicht, tödlich.

Eine Vergiftung durch Schneckenkorn erkennst du durch

  • Herzrasen,
  • Erbrechen und Durchfall,
  • Gleichgewichtsstörungen,
  • Krämpfe und Zittern sowie
  • heftiges Fieber (bis zu 43 Grad).

Das Fieber führt zu Organversagen, an dem der Hund letztendlich stirbt. Die ersten Symptome treten bereits wenige Minuten bis eine Stunde nach der Aufnahme des Giftes auf.

Bei einer Schneckenkornvergiftung ist Eile geboten. Siehst du, wie dein Hund das Gift frisst, kannst du mit Kohletabletten gegensteuern.

Aktivkohle verhindert die Giftaufnahme im Darm. Sie hilft aber nur, wenn sie wirklich unmittelbar gegeben wird. Zeigt dein Hund bereits Symptome, musst du so schnell wie möglich zum Tierarzt.

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Dort wird dein Hund überwacht, erhält Flüssigkeit und Fiebersenker.

Ich habe selbst einmal einen Hund gesehen, der die typischen Symptome einer Schneckenkornvergiftung gezeigt hat. Ob es sich dabei tatsächlich um das Gift gehandelt hat, konnte man nicht feststellen.

Der Hund überlebte zum Glück, aber es waren ein paar wirklich nervenaufreibende Tage.

Wie du deinem Hund abgewöhnst, Schnecken zu fressen

Nicht nur Schnecken können zur Gefahr für deinen Hund werden.

Daher sollte dein Ziel lauten, dass dein Hund nichts frisst, was er auf Spaziergängen findet. Dafür musst du die Aufmerksamkeit deines Hundes auf dich lenken und selbst immer auf deine Umgebung achten.

Hunde sind nicht blöd. Sie wissen auch, dass du ihnen den Leckerbissen nicht mehr wegnehmen kannst, wenn sie ihn geschluckt haben. Es kann also passieren, dass dein Hund am Anfang einfach schneller sein möchte als du.

Wie das Training abläuft, erfährst du in diesem Video.

Wie Du deinem Hund beibringst nichts vom BODEN zu fressen

Fazit

Schnecken an sich sind nicht das Problem.

Eine gesunde Schnecke versorgt deinen Hund sogar mit wichtigen Nährstoffen und Mineralien. Die meisten Schnecken fungieren jedoch als Zwischenwirt für den Französischen Herzwurm. Daher solltest du vermeiden, dass dein Hund die schleimigen Tiere frisst.

Eine Infektion mit dem Herzwurm kann lebensgefährlich werden. Regelmäßige Entwurmungen, auch ohne Symptome, schützen vor einem massiven Befall.

Noch gefährlicher als die Parasiten in der Schnecke ist das Schneckengift. Dieses kann bereits in sehr geringen Dosen tödlich für deinen Hund enden.

Häufig gestellte Fragen

Sind Schnecken giftig?

Nein, Schnecken sind nicht giftig, übertragen jedoch Parasiten. Außerdem gibt es ein frei verkäufliches Schneckengift, das auch für Hunde sehr gefährlich ist.

Sind Schnecken gesund?

Schnecken enthalten Eiweiß, Fett und verschiedene Mineralien. Da sie allerdings häufig auch mit Parasiten befallen sind, handelt es sich bei ihnen nicht um einen gesunden Snack.

Kann ich mich durch meinen Hund mit Lungenwürmern infizieren?

Es besteht für dich keine Gefahr, dich mit Französischen Herzwürmern zu infizieren. Der Mensch ist kein Wirt dieser Wurmart.

Über Tilla 57 Artikel
Hallo! Ich bin Tilla und schreibe schon länger für diesen Blog. Schon mein ganzes Leben habe ich mit Hunden zu tun. Am Anfang waren sie „nur“ Haustiere, später Trainingspartner. Als es an die Wahl der richtigen Ausbildung ging, war für mich schnell klar, dass ich meine Leidenschaft für Medizin mit meiner Hundeliebe verbinden möchte. Neben ihrer irren Nase fasziniert mich vor allem die gemeinsame Arbeit mit dem Tier. Hunde wollen lernen, egal ob scheinbar sinnloser Trick oder potenziell lebensrettendes Kommando. Die dafür erforderliche enge Bindung zwischen Mensch und Hund ist einmalig.