Dein Rüde hebt das Bein nicht? Auch bei Hunden gibt es Sitz- und Stehpinkler

rüde hebt bein nicht

Auf der Hundewiese muss nur ein Rüde anfangen, zu pinkeln – schon machen alle anderen mit. Der eine Baum wird kurzzeitig der wichtigste Platz, jeder möchte seinen Geruch hinterlassen. Nur dein Vierbeiner pinkelt wie die Hündinnen in der Hocke?

Komisch, dabei scheinen sich die Rüden einig zu sein, dass es nichts Besseres gibt, als diesen Baum gießen. Warum machen Rüden das? Warum tut deiner es nicht? Solltest du etwas tun, damit er auch anfängt, sein Bein beim Pinkeln zu heben? All das erfährst du in diesem Artikel.

Warum heben Rüden überhaupt zum Pinkeln das Bein?

viele hund beim pinkeln

Bei diesem Verhalten geht es um Reviermarkierung. Rüden könnten auch einfach auf den Boden pinkeln. Aber dabei verteilen sie ihren Geruch nicht so schön.

Lieber sind ihnen Bäume, Straßenschilder oder Laternen, eben alles, was senkrecht steht.

Du kannst dir das Anpinkeln dieser Dinge mit dem Hissen der eigenen Flagge an einem Fahnenmast vorstellen. Dein Rüde beansprucht dieses Gebiet für sich.

Übrigens markieren auch Hündinnen. Allerdings weniger, um ihr Revier zu Markieren. Sie nutzen das Beinheben eher, wenn sie fruchtbar sind.

Hast du eine unkastrierte Hündin, deutet das Beinheben sehr wahrscheinlich auf einen bevorstehenden Eisprung hin.

Manche Hündinnen heben aber auch dauerhaft das Bein. Vermutlich handelt es sich um sehr dominante Tiere. Oder sie haben sich das Verhalten einfach bei ihren männlichen Artgenossen abgeguckt.

5 Gründe warum dein Rüde beim Pinkeln sein Bein nicht hebt

hund pinkelt im sitzen

Heißt das also, dein Rüde hebt das Bein nicht, weil er kein Revier hat, das er markieren kann? So einfach ist es nicht.

Es kann sein, dass dein Hund zu schüchtern ist, um ein Revier zu beanspruchen. Für das Sitzpinkeln bei Rüden kommen aber viele Gründe infrage.

Dies sind

  1. sein Alter,
  2. ein niedriger Testosteronspiegel,
  3. Schmerzen,
  4. ausgeprägte Unterwürfigkeit und
  5. anhaltender Stress.

1) Alter

Jeder Rüde weiß, wie markieren geht. Es ist ein Instinkt, den sich die Tiere nicht erst bei Artgenossen abschauen müssen. Trotzdem pinkeln Rüden vor der Geschlechtsreife in der Hocke, genau wie Hündinnen es normalerweise tun.

Ich habe mal einen Welpen gesehen, der sich zum Pieseln sogar fast auf den Bauch gelegt hat. Mit der Geschlechtsreife verändert sich das normalerweise. Selbst dieser eine Hund hob dann doch das Bein.

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Der Grund dafür sind Sexualhormone. Erst durch Testosteron hat ein Rüde überhaupt das Bedürfnis, sein Revier zu markieren. Weil Welpen noch kaum Testosteron produzieren, bleiben sie zum Pinkeln sitzen.

Die Pubertät beginnt bei Rüden mit etwa sechs bis acht Monaten. Mit ungefähr einem Jahr erreichen sie ihre höchste Fruchtbarkeit. Irgendwo in diesem Zeitraum fangen daher auch die meisten Rüden damit an, das Bein zu heben.



2) Niedriger Testosteronspiegel

Neben dem Alter können auch erwachsene Rüden an einem zu niedrigen Testosteronspiegel leiden. Auch dann pieseln sie weiter in der Hocke.

Ein Grund dafür kann eine zu frühe Kastration sein. Während Hündinnen häufig noch vor der ersten Läufigkeit kastriert werden, wartet man bei Rüden normalerweise länger ab.

Dieses Vorgehen hängt mit seinem Wachstum zusammen. Testosteron ist nämlich nicht nur ein Sexualhormon. Es beeinflusst auch die Knochendichte (Quelle).

Aus diesem Grund sind auch beim durchschnittlichen Menschen die Knochen eines Mannes dichter und stabiler als die einer Frau.

Unfair, ich weiß, aber dafür haben wir nicht mit Geheimratsecken mit Mitte 20 zu kämpfen. Dafür ist das Testosteron nämlich auch mitverantwortlich. 😁

Kastrierst du deinen Rüden also zu früh, leidet sein Knochenwachstum. Im schlimmsten Fall könnte er dadurch unter Osteoporose, also leicht brechenden Knochen, leiden.

Als Nebeneffekt hebt er durch den zu niedrigen Testosteronspiegel auch sein Bein nicht.

Es gibt aber noch weitere Ursachen, die zu zu wenig Testosteron führen. Manche Krebserkrankungen, etwa Hoden- oder Prostatakrebs, können dazu führen, dass der Hund sein Testosteron zu Östrogen weiterverarbeitet.

Östrogen ist quasi der weibliche Gegenpart zu Testosteron.

3) Schmerz

Manche Rüden machen beim Beinheben fast einen Spagat. Ich kannte mal einen Spitzmischling, der sogar im Handstand pieselte. Diese Verrenkungen sind nur möglich, wenn der Körper sie schmerzfrei mitmacht.

Zwickt es im Rücken oder machen die Knie die Belastung nicht mehr mit? Dann lässt dein Rüde seine Beine lieber auf dem Boden.

Pinkelt dein Rüde aus Schmerzen in der Hocke, erkennst du das an folgenden Symptomen:

  • steifer Gang
  • humpeln
  • Treppensteigen wird verweigert
  • Bewegungsunlust
  • plötzliches Fiepen oder Aufschreien bei bestimmten Bewegungen
  • verdickte Gelenke
  • Belecken oder Benagen der Gelenke
  • wärmeunabhängiges Hecheln
  • verändertes Verhalten (häufig plötzliche Aggressivität)

Schmerzen sollten immer tierärztlich abgeklärt werden. Es könnte eine ernste Erkrankung dahinterstecken, die behandelt gehört.

In den allermeisten Fällen ist es zumindest möglich, die Schmerzen medikamentös zu lindern.

4) Unterwürfigkeit

hund ist unterwürfig

Je höher der Testosteronspiegel, desto größer das Ego, könnte man wohl sagen. Und desto höher hebt der Rüde auch das Bein.

Deswegen bemühen sich gerade kleine Hunde, ihre Duftmarke so hoch wie möglich zu hinterlassen. Sie wissen um ihre geringe Größe und wollen deswegen so selbstbewusst wie möglich rüberkommen.

Zusätzlich markieren sie auch häufiger als ihre größeren Artgenossen (englische Quelle).

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Ist das Gegenteil der Fall, der Rüde also sehr zurückhaltend, stellt er das Markieren möglicherweise ganz ein. Das kann bei alten Rüden passieren, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, ihr beanspruchtes Revier zu verteidigen.

In dem Fall lassen sie es zur Sicherheit einfach sein, um Konflikten aus dem Weg zu gehen.
Ähnliches kommt auch bei jüngeren Rüden vor, wenn sie gemeinsam mit anderen Rüden gehalten werden.

Irgendeiner ist das Schlusslicht im Rudel, das sich das Markieren zweimal überlegt.

Übertriebene Unterwürfigkeit kann mit einem niedrigen Testosteronspiegel zusammenhängen, muss es aber nicht. Vielleicht ist dein Rüde auch einfach ein vorsichtiger, zurückhaltender Typ oder hat in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht.

5) Stress

hund ist krank und liegt auf dem boden

Stress kann der Auslöser vieler Krankheiten und Verhaltensänderungen sein. Anhaltender Stress kann daher auch dazu führen, dass dein Rüde nicht mehr markiert.

Sein Kopf ist einfach mit anderen Dingen beschäftigt. Er hat keinen Nerv übrig, sich auch noch mit Reviermarkierung und Verteidigung zu befassen.

Weitere Symptome von Stress sind

  • Grinsen (Hecheln mit hochgezogenen Lefzen),
  • Übersprungshandlungen (Kratzen, Schütteln, Gähnen),
  • ständige Unruhe, plötzliches Aufspringen aus eine Ruheposition,
  • Zittern,
  • anhaltendes Bellen,
  • Zerstören von Gegenständen,
  • Belecken oder Benagen der eigenen Pfoten,
  • plötzlich ängstliches oder aggressives Verhalten und
  • Bewegungsunlust oder Hyperaktivität.

Stress bei Hunden kann durch vieles ausgelöst werden. Sensiblen Tieren reichen möglicherweise neue Sofakissen aus.

Ein Umzug, der Tod eines Familienmitglieds (egal ob Hund oder Mensch) oder der Einzug eines neuen Familienmitglieds (auch die Geburt eines Babys) löst aber wohl bei den meisten Hunden viel Stress aus.

Wie bringe ich meinen Hund dazu, das Bein beim Pinkeln zu heben?

Zunächst: Dein Rüde muss sein Bein nicht heben!

Er kann auch prima im Hocken pinkeln. Ich verstehe aber das Bedürfnis. Ich habe mich andersherum auch lange gefragt, ob ich meiner Hündin das Beinheben nicht abgewöhnen kann. Diese Möglichkeiten hast du:

Tierarzt

Vermutest du Schmerz oder einen ungewöhnlich niedrigen Testosteronspiegel als Ursache des Verhaltens, ist dein Tierarzt dein Ansprechpartner.

Dein Rüde wird etwas Blut abgeben müssen und geröntgt, um eine Diagnose zu stellen. Steht die Diagnose, beginnt die Schmerz- oder Hormontherapie. Im Fall eines Tumors steht möglicherweise auch eine OP an.

Selbstbewusstsein stärken

Hebt dein Hund aus Unterwürfigkeit sein Bein nicht, hilf ihm, selbstbewusster zu werden.

Stelle ihm dafür beispielsweise Denkaufgaben, lasse ihn Gegenstände suchen (Nasenarbeit) oder übt neue Kommandos. In allen Fällen hat dein Hund immer wieder Erfolgserlebnisse. Die stärken sein Selbstbewusstsein.

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Auf der anderen Seite musst du dich nun besonders stark für deinen Vierbeiner einsetzen. Er sollte niemals das Gefühl haben, in einer für ihn bedrohlichen Situation allein zu sein.

Stelle dich also zwischen ihn und das gefährliche Fahrrad, das euch auf dem Spaziergang entgegenkommt.

Verteidige deinen Hund auch vor Artgenossen, wenn diese ihn bedrängen. Es kommt sicher immer wieder vor, dass dir unangeleinte Hunde begegnen.

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Die Besitzer sind viel zu weit weg, um ihre Vierbeiner zu kontrollieren. Es ist dann deine Aufgabe, deinen Hund zu schützen. Stampfe in Richtung des anderen Hundes auf dem Boden, sprich laut und mit fester Stimme.

Hilft das nicht, ist auch der Einsatz einer Wasserflasche erlaubt. Du musst nicht warten, bis die Hunde sich beißen. Wenn du das mit einer Dusche verhindern kannst, ist das völlig okay.

Auch wenn die anderen Besitzer das nicht so sehen.

Stress vermeiden

Stress gehört in Maßen zum Leben dazu. Merkst du aber, dass dein Hund in bestimmten Situationen leidet, vermeide diese.

Fühlt er sich in Menschenmassen nicht wohl, gehe nicht mehr mit ihm auf Stadtfeste. Sind lange Autofahrten nichts für ihn, vermeide diese, wo es geht.

Bei alltäglichen Situationen ist es meist besser, deinen Hund daran zu gewöhnen. Den Staubsauger möchtest du schließlich nicht monatelang ungenutzt lassen, nur weil dein Hund ihn nicht mag.

Ziehst du um, nimm deinen Vierbeiner am besten häufiger mit in dein neues Zuhause. Lasse ihn, soweit es geht, auch an kleineren Umbauarbeiten teilhaben.

Wie du deinen Hund auf ein Baby vorbereiten kannst, erfährst du in diesem Video.

Hund an Baby gewöhnen - so führst du Hund und Baby zusammen - TGH 371

Akzeptieren

Manchmal hilft alles nichts, der Rüde pinkelt trotzdem in der Hocke. Dann solltest du es einfach akzeptieren.

Wie gesagt, deinem Rüden geht es, sofern du gesundheitliche Ursachen ausschließen konntest, dadurch nicht schlechter. Manche Rüden pinkeln eben einfach so. Suche nicht nach einem Problem, wo keines ist.

Rüde hebt Bein nicht: Das Fazit

Die meisten Rüden jenseits der Pubertät heben das Bein. Wenn nicht, hängt das höchstwahrscheinlich mit einer Krankheit oder psychischer Belastung zusammen.

Um das auszuschließen, solltest du auf jeden Fall zum Tierarzt gehen. Vor allem dann, wenn dein Rüde plötzlich aufgehört hat, zu markieren.

Sind gesundheitliche Ursachen ausgeschlossen und dein Rüde pinkelt trotzdem in der Hocke? Dann ist er vielleicht einfach ängstlich oder zurückhaltend.

Du kannst ihm helfen, Selbstbewusstsein zu bekommen. Aber manchmal ist es doch besser, den Vierbeiner so zu akzeptieren, wie er ist.

Häufig gestellte Fragen

Mein Welpe pinkelt in der Hocke. Ist das normal?

Ja, das Bein heben Rüden erst während oder nach der Pubertät. Es ist auch völlig normal, wenn dein Rüde erst nach seinem ersten Geburtstag mit dem Markieren anfängt.

Warum hebt meine Hündin das Bein, mein Rüde aber nicht?

Möglicherweise ist deine Hündin dominanter als dein Rüde oder (wenn unkastriert) steht kurz vor einem Eisprung.

Mein Rüde wurde sehr früh kastriert und hat noch nie das Bein beim Pinkeln gehoben. Gibt es da einen Zusammenhang?

Das ist möglich, da Rüden bei einer zu frühen Kastration (deutlich vor dem ersten Geburtstag) häufiger unter Testosteronmangel leiden. Ohne Testosteron haben sie kein Bedürfnis, zu markieren.

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