Mein Hund hat Angst vor Treppen – Was kann ich tun?

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Treppen sind aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Auch unsere Hunde kommen ständig mit ihnen in Berührung.

Schon um ins Haus zu kommen, müssen sie meistens eine oder zwei Stufen überwinden. Gehen wir mit ihnen in der Stadt spazieren oder befindet sich unsere Wohnung in einem oberen Stockwerk, wird das Treppensteigen für unsere Vierbeiner noch normaler.

Umso problematischer ist es daher auch, wenn ein Hund die Treppen plötzlich verweigert. Warum er das tut und wie du ihn doch überreden kannst, erfährst du im Folgenden.

Mein Hund hat Angst vor Treppen – Ist das normal?

Angst vor Treppen ist bei Hunden nicht angeboren und verfolgt auch erstmal keinen größeren Sinn. Manche Hunde sind einfach ängstlicher als andere. Bedenke auch, dass du viel größer bist, als dein Hund.

Eine Treppenstufe ist für dich viel leichter zu überwinden als für ihn. Falls dein Hund mal auf einer Treppe gestürzt ist, ist seine Angst natürlich nachvollziehbar.

Aber auch in diesem Fall wirst du sehr wahrscheinlich nicht um etwas Training herumkommen. Du kannst schließlich kaum verhindern, dass dein Hund in seinem Leben noch mal Treppen steigen muss.

Warum haben manche Hunde Angst vor Treppen?

Sowohl die Treppe an sich als auch Erfahrungen des Hundes können Auslöser für die Angst sein.

  • Schlechte Erfahrungen (Stürze)
  • Schmerzen
  • Erlerntes Verhalten
  • Besonderheiten an der Treppe (glatte oder offene Stufen)
  • Andere Besonderheiten in der Gesamtsituation

Verhindere außerdem, dass dein Hund schlicht Angst vor der Treppe als solches hat. Dafür solltest du dafür sorgen, dass er Treppen bereits als Welpe kennenlernt.

Ist dein Hund ohnehin zurückhaltend oder etwas ängstlich, hast du es ansonsten später schwieriger. Unbekanntes löst in manchen Hunden einfach Angst aus. Gehören Treppen hingegen von Anfang an zu seinem Leben, wird er sie wie das behandeln, was sie sind: etwas völlig Gewöhnliches.

Schlechte Erfahrungen

Lebt dein Hund bereits sein ganzes Leben bei dir, wirst du wissen, ob er mal von einer Treppe gefallen ist. Kam er hingegen erst später zu dir, liegt seine Vergangenheit im Dunkeln.

Warum genau er die Treppe verweigert, wirst du vermutlich nicht herausfinden können.

Es müssen aber nicht nur Stürze sein. Jeder weiß, wie laut etwas poltert, wenn es die Treppe herunterfällt. Möglicherweise schlief dein Hund vor einer Treppe und wurde äußerst unsanft von herunterfallendem Kinderspielzeug oder anderen Gegenständen geweckt.

Auch das kann in ihm eine Angst geschürt haben, durch die er jetzt gar keine Treppen mehr steigen möchte.

Schmerzen

Besonders alte Hunde leiden an Gelenkerkrankungen, die ihre Bewegungsfreiheit einschränken.

Wollen sie nur von einem Zimmer ins andere, merkt man ihnen ihre Krankheit zu Beginn kaum an. Sie können sich dabei schließlich genau so bewegen, wie sie möchten. Schmerzhafte Bewegungen vermeiden sie einfach.

Beim Treppensteigen müssen sie ihre Pfoten allerdings weit nach oben führen. Das Becken wippt ebenfalls stark. Beim Weg nach unten lastet noch mehr Gewicht auf den Gelenken und schiebt sie mit jeder Stufe kurz zusammen.

Ohnehin belastete Gelenke machen das nicht lange mit.

Erlerntes Verhalten

Ja, wie so oft kannst auch du als Halter Schuld am Verhalten deines Hundes sein. Vielleicht hast du Bello als Welpen immer getragen, um zu verhindern, dass er auf der Treppe stürzt?

Oder es gibt in deinem Haus eine Treppe, die dein Hund nicht benutzen darf? Als er es einmal doch getan hat, gab es natürlich Ärger.

Diesen Ärger hat der Hund auf alle Treppen übertragen. Er fürchtet nun, dass er eine Regel bricht, wenn er eine Treppe benutzt.

Besonderheiten an der Treppe

Ob besondere Begebenheiten an einer bestimmten Treppe die Angst auslösen, lässt sich recht einfach feststellen: Sehr wahrscheinlich wird dein Hund nur die Treppe verweigern, die diese Besonderheiten aufweist.

Vielen Hunden sind offene Stufen oder solche aus Glas unheimlich. Sie sehen nicht, worauf sie laufen und haben ständig Angst, zu stürzen.

Auch sehr glatte Stufen, auf denen jeder Schritt genau ausbalanciert werden muss, gefallen den Vierbeinern häufig nicht.

Andere Besonderheiten in der Gesamtsituation

Manchmal liegt es gar nicht an der Treppe an sich. Vielleicht sieht dein Hund an ihrem anderen Ende einfach etwas, das ihm so gar nicht gefällt.

Auf Spaziergängen könnte das ein Artgenosse sein. In den eigenen vier Wänden hat er sich möglicherweise in der Vergangenheit vor etwas auf der Treppe erschreckt.

Auch dieser Grund verhindert häufig nur, dass ein Hund eine spezielle Treppe verweigert, während er alle anderen weiterhin benutzt.

Wie du deinem Hund die Angst vor der Treppe nimmst

Hast du herausgefunden, warum dein Hund keine Treppen mehr steigen möchte? Dann ist es Zeit für das Training.

Schlechte Erfahrungen überwinden/erlerntes Verhalten ändern

Wie immer läuft es hierbei über Futter. Um deinem Hund die Treppe schmackhaft zu machen, kannst du auf jede Stufe einen Futterkrümel legen.

Möchte dein Hund dort ran, wird er wohl oder übel irgendwann eine Pfote auf die Treppe setzen müssen. Lobe ihn in diesem Fall.

Gehe außerdem mit gutem Beispiel voran und locke deinen Hund mit Leckerlis, während du selbst auf der Treppe stehst. Auch hierbei ist jeder Schritt auf eine Stufe ein Grund für ein Lob.

Erwarte nicht, dass dein Hund am ersten Tag die gesamte Treppe auf und abläuft. Lasst euch Zeit und beendet das Training nach kleinen Erfolgen.

Schmerzen lindern

Vermutest du, dass dein Hund aufgrund von Schmerzen keine Treppen mehr steigen möchte, stelle ihn deinem Tierarzt vor. Die Schmerzen können an vielen Stellen sitzen und müssen nicht immer mit einer chronischen Krankheit zusammenhängen.

Dein Tierarzt wird sich ansehen, wie dein Hund läuft. Humpeln oder ein sehr steifer Gang deuten auf Schmerzen, die er anschließend nur noch genau lokalisieren muss.

Auch Humpeln hat nicht automatisch etwas mit der Pfote zu tun, sondern kann auch aus der Wirbelsäule kommen. Selbst Nackenschmerzen können dazu führen, dass dein Hund keine Treppen mehr steigen möchte.

Beim Gang nach unten müsste er nämlich seinen Kopf senken, was ein steifer Nacken verhindert.
Bei Arthrose helfen Medikamente, die die Gelenke unterstützen.

Du kannst deinem Hund auch künstliche Gelenkschmiere in die Gelenke spritzen lassen. Beides heilt deinen Hund nicht, lindert aber seine Symptome. Hyaluronsäure befindet sich teilweise auch in Medikamenten, die oral verabreicht werden.

Dort nützt sie aber nichts, denn sie kommt gar nicht in ausreichender Menge im Gelenk an. Direkt ins Gelenk gespritzt, kann sie deinen Hund mehrere Monate schmerzfrei machen (Quelle).

Ein eingeklemmter Nerv oder eine Zerrung lässt sich noch einfacher behandeln. Mit ein wenig Ruhe geht es deinem Hund bald wieder so gut, dass er die Treppen von alleine nehmen wird.

Treppen hundefreundlich gestalten

Dieser Tipp eignet sich natürlich nicht, wenn dein Hund öffentliche Treppen verweigert. Die Treppen in deinem Haus kannst du aber leicht hundefreundlich umgestalten.

Sind die Stufen sehr rutschig oder hat dein Hund ein Problem mit durchsichtigen Stufen, lege Teppich aus. Offenen Stufen nimmst du mit ihren Schrecken, indem du die Unterseite mit Brettern abdichtest. Damit beseitigst du auch ein Verletzungsrisiko, sollte dein Hund stolpern und mit einer Pfote zwischen die Stufen geraten.

Sorge dafür, dass die Treppe breit genug ist. Steht viel Deko links und rechts am Rand, lenkt das deinen Hund ab. Kommt er aus Versehen gegen und fällt etwas runter, ist dein Trainingsfortschritt der letzten Tage futsch.

Besorge einen mutigen Kumpel

Lässt sich dein Hund auch nicht mit Futter auf die Treppe locken, hilft ihm vielleicht ein mutiger Artgenosse. Lade einen Hund ein, von dem du weißt, dass er mit Treppen gar kein Problem hat.

Auch wenn er das Training nicht nötig hat, kannst du ihn auf die Stufen locken und mit Futter belohnen. Sieht dein Hund das, überdenkt er seine ablehnende Haltung gegenüber der Treppe noch mal.

Das gemeinsame Training eignet sich auch für draußen. Dein Hund wird nicht alleine am Fuß einer Treppe stehenbleiben möchten, wenn alle anderen, inklusive seines Artgenossen, einfach weitergehen. Auch hierbei muss sich der Erfolg nicht am ersten Tag einstellen.

Je nachdem wie tief seine Angst sitzt, wird er die Einsamkeit der gefährlichen Treppe doch eine ganze Weile vorziehen. Feiere daher auch hierbei kleine Erfolge. Eine Pfote auf der untersten Stufe reicht für ein Lob völlig aus.

Treppen und ihr Einfluss auf die Hundegesundheit

Welpen sollen keine Treppen steigen, denn dann bekommen sie Hüftprobleme. So hieß es zumindest jahrelang. Aber stimmt das überhaupt? Dieses Video verrät dir, warum Treppensteigen gar nicht so schlecht für Hunde ist und sogar gesund sein kann.

Wie gefährlich ist Treppensteigen für euren Hund? Der Tierarzt klärt auf

Fazit

Angst vor Treppen kann viele Gründe haben. Häufig hat dein Hund schlechte Erfahrungen gemacht oder kann die Sicherheit einer Treppe nicht richtig einschätzen.

Kleine Hunde kann man sich in so einem Fall schnell unter den Arm klemmen. Aber beim Labrador mit 30 kg sieht das schon anders aus. Da du kaum alle Treppen aus eurem Alltag verbannen kannst, wirst du mit deinem Hund trainieren müssen.

Handelt es sich nicht um gesundheitliche Probleme, die deinen Hund von der Treppe abhalten, kannst du gut mit Futter arbeiten. Lobe und belohne deinen Hund für jede Stufe, die er nimmt. Achte auch darauf, dass die Treppe weniger bedrohlich wird, indem wenig Deko auf ihr steht.

Offene und glatte Stufen deckst du am besten ab.

Häufig gestellte Fragen

Dürfen Hunde Treppen steigen?

Sehr kleine Hunde oder Welpen, die für jede Stufe springen müssen, solltest du nicht Treppensteigen lassen. Auch Vierbeiner mit Gelenkproblemen können vom Tierarzt ein Treppenverbot bekommen.

Sind Treppen für Welpen ungesund?

Das dachte man lange Zeit, da Welpen, die häufig Treppen stiegen, auch häufiger Hüftprobleme entwickelten. Neuere Studien haben aber ergeben, dass Treppensteigen sogar gesund sein kann.

Mein Hund verweigert nur eine bestimmte Treppe. Woran liegt das?

Am wahrscheinlichsten ist, dass sich diese Treppe von den anderen in seinem Alltag unterscheidet oder er mit genau dieser Treppe schlechte Erfahrungen gemacht hat. Offene oder durchsichtige Stufen sowie eine glatte Oberfläche verunsichert Hunde.

Über Tilla 57 Artikel
Hallo! Ich bin Tilla und schreibe schon länger für diesen Blog. Schon mein ganzes Leben habe ich mit Hunden zu tun. Am Anfang waren sie „nur“ Haustiere, später Trainingspartner. Als es an die Wahl der richtigen Ausbildung ging, war für mich schnell klar, dass ich meine Leidenschaft für Medizin mit meiner Hundeliebe verbinden möchte. Neben ihrer irren Nase fasziniert mich vor allem die gemeinsame Arbeit mit dem Tier. Hunde wollen lernen, egal ob scheinbar sinnloser Trick oder potenziell lebensrettendes Kommando. Die dafür erforderliche enge Bindung zwischen Mensch und Hund ist einmalig.