Karpalballen Hund: Funktion und Erste Hilfe

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Hundepfötchen sind supersüß und laut einiger Studien übrigens weniger mit Bakterien belastet als unsere Straßenschuhe.

Sie bestehen aus ein paar Ballen, die wie dicke Kissen die Schritte deines Vierbeiners abfedern. Einer dieser Ballen ist der Karpalballen. Wo er sitzt, welche Aufgabe er beim Laufen genau übernimmt und was ihm gefährlich werden kann, erfährst du heute.

Außerdem gebe ich dir einen Crashkurs in Erster Hilfe für Pfotenverletzungen.

Was ist der Karpalballen beim Hund?

Der Karpalballen ist ein Teil der Pfote, genauer der Vorderpfote, bei Hunden. Diese besteht aus drei verschiedenen Ballen:

  • Finger- oder Zehenballen, an denen die Krallen ansetzen,
  • Hand- oder Sohlenballen, der große Ballen in der Mitte der Pfote, und
  • Karpalballen (wird auch Handwurzelballen genannt), oberhalb der Daumenkralle.

Zusätzlich hat die Daumenkralle einen eigenen kleinen Ballen, der zu den Fingerballen zählt.

Welche Funktion hat der Karpalballen beim Hund?

Bei Katzen dient der Karpalballen zum Tasten und ist Teil des Karpalorgans. Über Drüsen am Karpalballen geben Katzen Duftstoffe ab (Quelle). Schritt für Schritt markieren sie so ihr Revier.

Hunde haben dieses Organ nicht, aber Schwitzen können ihre Füßchen auch.

Hunde brauchen ihren Karpalballen vor allem beim Bremsen oder Spielen.

Bei plötzlichen Wendungen setzen sie ihre Vorderpfoten komplett auf. Hätten sie weiter oben an ihren Vorderpfoten keinen Ballen, würde ihnen Grip fehlen. Sie würden ausrutschen oder stolpern.

Deswegen ist die Haut der Ballen dick und stark verhornt. Auch der Karpalballen, obwohl er so selten benutzt wird, besitzt eine ordentliche Schicht Hornhaut.

Typische Verletzungen und Erkrankungen der Karpalballen

Die meisten Hunde gehen immer barfuß. Ihre Pfoten müssen also ganz schön was aushalten. Verletzungen oder gar chronische Krankheiten an den Ballen sind da besonders unangenehm.

Der Karpalballen ist seltener von Schnitten durch am Boden liegende Scherben betroffen. Schließlich berührt er diesen so gut wie nie. Das heißt aber nicht, dass dein Hund sich dort nicht verletzen kann.

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Krankheiten, die die anderen Ballen befallen, betreffen auch den Karpalballen.

  • Ein- oder Abreißen
  • Hyperkeratose
  • Split Paw Pad Disease

Diese Verletzungen und Erkrankungen können den Karpalballen belasten.

Ein- oder Abreißen des Karpalballens

Beim Rennen durchs Unterholz passiert es ganz schnell: Der Hund bleibt irgendwo hängen, bemerkt es zu spät und zack – reißt er sich den Karpalballen ein.

Im schlimmsten Fall reißt der Ballen sogar ab. Ich habe so einen Fall zum Glück nie selbst erlebt, kenne aber ein paar Vierbeiner, die Pfotenverletzungen magisch anzuziehen scheinen.

Junge, übermütige Tiere und solche, die häufig frei in unwegsamem Gelände unterwegs sind, sind von dieser Verletzung häufiger betroffen.

Hyperkeratose

Die Hyperkeratose der Ballen ist eine vermutlich erblich bedingte Krankheit. Sie äußert sich in übermäßiger Verhornung an den Ballen aller Pfoten.

Besonders betroffen sind Hunde der Rassen

  • Golden und Labrador Retriever,
  • Bordeaux-Doggen,
  • Bedlington Terrier,
  • Kerry Blue Terrier und
  • Irish Terrier.

Das Problem zeigt sich etwa ab einem Alter von sechs Monaten. Heilbar ist die Hyperkeratose nicht, kann aber durch Medikamente und regelmäßiges Abtragen der Hornhaut gelindert werden.

Die Hyperkeratose ist nicht zu verwechseln mit der Hard Pad Disease. Diese tritt als Folgeerkrankung auf und ist nicht erblich bedingt.

Einen Hund mit Hard Pad Disease beim Tierarzt siehst du in diesem englischen Video.

Bob's feet - Hard Pad Disease?

Split Paw Pad Disease

Die Split Paw Pad Disease ist eine noch weitestgehend unerforschte Krankheit, die vermutlich durch einen Gendefekt ausgelöst wird.

Sie zeigt sich erstmals meist im jungen Erwachsenenalter. Die Haut der Ballen reißt dabei auf und die oberste Schicht löst sich von den darunterliegenden.

Dadurch entstehen offene Wunden, die Sekundärinfektionen begünstigen. Das Ganze führt natürlich zusätzlich zu starken Schmerzen.

Für die Split Paw Pad Disease existiert bisher keine spezielle Behandlungsmethode. Die Risse werden desinfiziert und versorgt, wie normale Verletzungen.

Erste Hilfe bei Karpalballenverletzungen

Der Karpalballen berührt normalerweise nicht den Boden. Dass dein Hund sich etwas eingetreten hat, etwa eine Scherbe, ein Steinchen oder Ähnliches, ist also unwahrscheinlich.

Gleichzeitig wird er aber weniger stark belastet als die übrigen Ballen. Dadurch kommt es bei plötzlicher Belastung schneller zu Verletzungen.

In den folgenden Unterpunkten erfährst du, wie du bei so einer Verletzung Erste Hilfe leisten kannst.

1.: Ruhe bewahren

Pfotenverletzungen bluten stark. Das kann schockieren, also bleibe ruhig und agiere nicht hektisch. Du könntest dadurch mehr Schaden anrichten oder dich selbst gefährden.

Ein Hund hat pro Kilo Körpergewicht etwa 90 ml Blut. Ein ausgewachsener Labrador mit 30 Kilogramm kommt also auf etwa 2,7 l Blut. Das ist eine ganze Menge.

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Meinem Sohn ist neulich ein Becher Milch mit etwa 150 ml auf dem Tisch ausgekippt. Der ganze Tisch war in Milch getränkt.

Nachdem das Geschirrtuch das meiste aufgesaugt hatte, brauchten wir trotzdem noch mehrere Lagen Küchenpapier. Erst dann war der Esstisch wieder einigermaßen trocken.

Damit will ich nur sagen: Aus deinem Hund kann eine ganze Menge Blut rauskommen, ohne dass es gefährlich für ihn wird.

2.: Selbstschutz

Selbst der friedlichste Vierbeiner kann bei Schmerzen aggressiv werden. Schmerzen an den Füßen sind dazu auch noch besonders fies.

Du bist bestimmt schon mal mit dem großen Zeh quasi mit Anlauf irgendwo gegen gelaufen. Auch wenn es danach nicht mal einen blauen Fleck gibt, tut sowas immer ordentlich weh.

Sorge daher unbedingt dafür, dass dein Hund dich nicht beißen kann. Am besten ist es, wenn er den Maulkorb kennt und du ihm diesen einfach umbinden kannst.

Hast du keinen zur Hand oder weigert Bello sich, ihn anzuziehen, brauchst du eine zweite Person. Einer fixiert den Hund, der andere kümmert sich um die verletzte Pfote.

3.: Wunde säubern

Als Erstes wird der Ballen gesäubert. Am besten ist da natürlich ein Desinfektionsmittel. Fürs Erste reicht aber auch sauberes Wasser.

Ist der Dreck weg, kannst du dir die Verletzung genauer ansehen.

Etwas abgeschürfte Haut oder ein sehr kleiner Schnitt muss meist nicht weiter versorgt werden. Achte nur darauf, dass dein Hund sich nicht weiter verletzt.

Bist du nicht bei ihm, braucht der Vierbeiner einen Kragen, damit der Ballen heilen kann. Lange Spaziergänge solltest du auch erstmal vermeiden oder die betroffene Pfote mit einem Schuh schützen.

4.: Pfotenverband

Größere Verletzungen versorgst du mit einem Pfotenverband.

Auch wenn der Karpalballen betroffen ist, wirst du vermutlich die ganze Pfote einpacken müssen. Ein Verband, der nur den Karpalballen bedeckt, wird kaum halten.

Dabei ist besonders wichtig, dass du etwas Watte zwischen die Zehen steckst. Die Watte wirkt als Puffer. Ohne sie könnte der Verband die Blutversorgung einschränken.

Sind die Zehen mit Watte versorgt, legst du eine Wundauflage auf die Wunde. Fixiere sie mit ebenfalls mit etwas Watte oder einem weichen Verband.

Nun wickelst du die ganze Pfote mit einem selbstklebenden Verband ein. Beginne dafür längs an den Zehen. Biege dann 90° ab und wickele die Pfote fest, aber nicht zu fest, ein.

5.: Bei größeren Verletzungen ab zum Tierarzt

Der Verband schützt die Wunde vor Schmutz und einer neugierigen Zunge.

Wenn du die Verletzung aber für so schlimm eingeschätzt hast, dass du sie verbunden hast, würde ich dir einen Besuch beim Tierarzt ans Herz legen.

Die Ballen müssen robust bleiben. Schlecht verheilte Verletzungen, die sich vielleicht sogar entzünden, kann dein Hund nicht gebrauchen.

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Kann er nicht mehr ohne Schmerzen laufen, wirkt sich das enorm auf seine Lebensqualität aus.

Kann man den Karpalballen amputieren lassen?

Ohne Weiteres ist das nicht möglich. Verhindert wird die Amputation durch § 6 des Tierschutzgesetzes. Darin heißt es, dass das Amputieren von Körperteilen verboten ist, sofern kein triftiger Grund vorliegt (Quelle).

Das heißt, dass auch eine Kastration ohne Grund eigentlich untersagt ist. Die meisten Tierärzte führen Kastrationen aber problemlos durch, einfach um eine ungebremste Vermehrung der Tiere zu verhindern.

Krallen amputieren, Zähne ziehen oder eben den Karpalballen amputieren, das darf der Tierarzt aber nicht einfach so.

Wenn es nun aber so ist, dass dein Vierbeiner sich ständig am Karpalballen verletzt, kann man darüber nachdenken.

Der Nutzen der Amputation sollte dabei schwerer wiegen als der Schaden durch die dauerhaften Verletzungen.

Das ist schon gegeben, wenn Bello sich mehrmals so verletzt, dass er in Narkose behandelt werden muss. Die zusätzliche Narkose durch die Amputation würde das Problem schließlich dauerhaft beheben.

Die Antwort auf diese Frage lautet also: Ja, sofern die Amputation begründet werden kann, beispielsweise durch erhöhtes Verletzungsrisiko.

Karpalballen Hund: Das Wichtigste in Kürze

Beim Bremsen und Rennen braucht dein Hund seinen Karpalballen. Er sollte daher gesund und robust bleiben, damit der Vierbeiner weiterhin toben kann.

Durch seine hohe Lage ist der Karpalballen seltener ein Opfer von Scherben. Auch Streusalz im Winter kann ihm nicht so viel anhaben.

Dafür bleibt dein Hund möglicherweise irgendwo mit ihm hängen und reißt sich den Ballen ein. Leidet er an einer Krankheit, die die Ballen betrifft, macht diese natürlich nicht vor dem Karpalballen halt.

Kontrollierst du die Pfoten deines Hundes, wirf also auch einen Blick etwas weiter nach oben.

Häufig gestellte Fragen

Welcher Ballen ist der Karpalballen genau?

Als Karpalballen wird nur der Ballen an den Vorderpfoten bezeichnet, der oberhalb der Daumenkralle liegt und nicht den Boden berührt. Die übrigen Ballen werden Finger- und Handballen genannt.

Warum lassen sich viele Hunde nicht gern an den Pfoten anfassen?

Manche Hunde sind kitzlig an den Pfoten und wollen deswegen dort nicht angefasst werden. Allgemein sind die Pfoten sehr empfindlich.

Mein Hund hat sich den Karpalballen eingerissen. Sollte ich ihn amputieren lassen?

Verletzt sich dein Hund immer wieder am Karpalballen, kann eine Amputation sinnvoll sein. Entscheiden muss das aber ein Tierarzt im Einzelfall.

Sind Hyperkeratose und Hard Pad Disease das gleiche?

Nein, die Hyperkeratose ist angeboren, während die Hard Pad Disease durch eine andere Krankheit erworben wird. Hunde, die an Staupe, Leishmaniose, Pemphigus foliaceus oder Lupus erythematodes leiden, können später eine Hard Pad Disease entwickeln.

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