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Mein Hund bellt beim Spielen – Aggression oder Spieltrieb?

Mein Hund bellt beim Spielen – Aggression oder Spieltrieb?

Als Hundebesitzer gibt es kaum etwas Schöneres, als den Vierbeinern beim gemeinsamen Toben zuzusehen.

Dabei geht es schon mal etwas ruppiger zu. Aber hey, wir haben doch früher auch nicht immer friedlich in der Sandkiste gespielt, oder?

Neben Raufereien wird es auch laut auf der Hundewiese. Gebell gehört zum Spielen dazu. Oder nicht?
Wie viel Bellen normal ist, warum dein Hund beim Spielen bellt und ob du etwas dagegen unternehmen musst, verrate ich dir heute.

Hund bellt beim Spielen – Ist das normal?

Hunde benutzen ihr Bellen sowohl, um mit uns Menschen als auch um untereinander zu kommunizieren. Dass es beim Spielen zu Gebell kommt, ist daher völlig normal.

Je nach Rasse bellen Hunde unterschiedlich häufig. Deutsche Schäferhunde zählen zu den lauteren Hunden. Auch Terrier, Beagle und Zwergschnauzer benutzen ihre Stimme häufig.

Englische Bulldoggen sind hingegen ruhiger. Von ihnen sowie von Doggen und Labrador Retrievern wirst du weniger Gebell mitbekommen.

Es gibt aber, wie immer, Ausnahmen. Extrovertierte oder besonders ängstliche Tiere werden auch dann mehr bellen, wenn sie eigentlich zu einer ruhigen Rasse gehören. Und sicherlich gibt es auch den einen oder anderen Terrier, der leise spielt.

Wie viel Bellen ist normal?

Bellen gehört also zum Hundespiel dazu.

Allerdings sollte dein Hund nicht pausenlos kläffen. Kommt er gar nicht mehr zur Ruhe, ist er möglicherweise überfordert. Vielleicht sind zu viele Artgenossen in seiner Nähe? Oder etwas anderes, wie eine laute Straße oder Baustellenlärm, stresst ihn?

Es kommt auch vor, dass Hunde sich im Spiel gegenseitig hochschaukeln. Merkst du, dass das Spiel nur noch aus Bellen besteht, hole deinen Hund aus der Situation.

Idealerweise tun es dir alle anderen Hundebesitzer gleich und warten, bis ihre Tiere sich entspannt haben. Anschließend könnt ihr sie wieder spielen lassen.

Warum bellt mein Hund beim Spielen? 5 Gründe

Bellen dient der Kommunikation. Mit seiner Stimme möchte dein Hund seinen Artgenossen oder dir daher etwas mitteilen.

Das kann

  1. eine Aufforderung zum Spielen,
  2. Freude,
  3. Aggression,
  4. Frust oder
  5. Angst

sein.

Zusätzlich handelt es sich beim Bellen beim Spielen häufig um Gewohnheit. Eventuell hast du deinem Hund unbewusst beigebracht, dass er auf der Hundewiese oder beim Ballwerfen bellen soll.

1) Spielaufforderung

Der erste Hund in meinem Leben war so ein Kandidat. Wollte er spielen, wurde gebellt, bis die Stimme wegblieb. Er hörte auch nicht auf, wenn man gerade keine Zeit hatte. Auch Artgenossen forderte er vehement mit Gebell zum Spielen auf.

Im Nachhinein würde ich sogar sagen, dass einige andere Hunde seine Spielaufforderung gar nicht verstanden haben. Oder sie hatten einfach keine Lust darauf, mit so einem lauten Hund zu spielen.

Lies auch:  Mein Hund bellt mich an, wenn ich Nein sage - Diskussionen zwischen Hund und Mensch

Dass das Bellen deines Hundes zum Spielen auffordern soll, erkennst du leicht.

Dein Hund

  • bringt dir ein Spielzeug,
  • bellt kurz und laut,
  • springt um dich herum,
  • wedelt kräftig mit dem Schwanz,
  • senkt seinen Oberkörper, während sein Hinterteil in die Luft ragt,
  • kneift dich oder tut so, als wollte er dich beißen, und
  • startet spielerische Angriffe (springt auf dich zu, beißt in deine Hose, schnappt wieder nach dem Spielzeug).

2) Freude

Freude sollte der häufigste Grund sein, aus dem dein Hund beim Spielen bellt.

Du erkennst freudiges Bellen an

  • einer hohen Tonlage,
  • schnellem Gebell ohne Unterbrechung,
  • zusätzlichem Jaulen und
  • einem damit verbundenen hohen Bewegungsdrang (Springen, Drehen, im Kreis rennen).

3) Aggression

Bei Konflikten kann das Bellen ein Zeichen für Aggression sein. Dein Hund warnt seine Artgenossen oder einen Menschen dadurch vor einem Angriff.

So etwas kommt vor, wenn andere Hund deinem Hund zu wild sind. Auch, wenn er sich bedrängt fühlt oder das Spielen ihm Schmerzen bereitet, kann er aggressiv reagieren.

Kleine Raufereien sind zwischen Hunden normal. Auch, dass sie ihre Zähne im Spiel einsetzen, kommt vor. Allerdings hören gut sozialisierte Hunde sofort auf, wenn sie merken, dass es ihrem Gegenüber zu viel wird.

Dein Hund äußert Aggression oder Warnungen im Spiel, indem er

  • kurz und scharf bellt,
  • dazwischen immer wieder lange knurrt und sein Knurren mit einem Bellen beendet,
  • schnappt und
  • sich angespannt in die Richtung der potenziellen Bedrohung bewegt.

Eventuell möchte er mit diesem Verhalten auch jemand anderen schützen.

Leben mehrere Hunde in einem Haushalt, kommt das häufig vor. Auch wenn Kinder ins Spiel involviert sind, haben manche Hunde das Gefühl, auf diese aufpassen zu müssen.

4) Frust

Frust entsteht beim Spielen, wenn das Spiel nicht so verläuft, wie dein Hund es gerne hätte.

Jagt dein Hund einem anderen hinterher und kriegt ihn einfach nicht, frustriert ihn das. Ähnlich sieht es aus, wenn der geworfene Ball in einem Baum hängen bleibt.

Frustriertes Bellen

  • klingt tief,
  • geht häufig in ein Jaulen über, während
  • dein Hund sich nicht bewegt oder
  • Übersprungshandlungen wie Kratzen, Drehen, Gähnen oder Graben zeigt.

5) Angst

Ängstliches Bellen entsteht in Situationen, denen sich dein Hund nicht gewachsen fühlt. In solchen Fällen ist es oft eine Charakterfrage, ob dein Hund nach vorne geht oder sich zurückzieht.

Angst beim Spielen tritt häufig auf, wenn dein Hund als neues Tier in eine Gruppe kommt. Seine Angst kann aber auch durch zufällig vorhandene Gegenstände oder Personen (Fahrräder, laut spielende Kinder, …), geschürt werden.

Ein ängstlicher Hund

  • bellt hoch und schnell (hysterisch),
  • geht dabei rückwärts, zieht sich von der Gefahr zurück,
  • zeigt eine geduckte Körperhaltung und
  • sucht möglicherweise Schutz in deiner Nähe.

Erlerntes Verhalten

Wir bringen unseren Hunden ständig aus Versehen Dinge bei.

Das kann uns auch beim Bellen passieren. Belohnen wir den Hund mit Aufmerksamkeit wenn er bellt, verknüpft er beides. In Zukunft wird er mit seinem Bellen daher versuchen, Aufmerksamkeit zu erregen.

Bellt dein Hund beim Spielen, weil er es so gelernt hat,

  • ist sein Gebell alle paar Sekunden durch Pausen unterbrochen,
  • wartet er in diesen Pausen auf eine Reaktion seines Gegenübers,
  • erfolgt das Bellen in für deinen Hund normaler Tonlage,
  • folgen auf das Bellen, wenn es keinen Erfolg bringt, häufig Übersprungshandlungen.
Lies auch:  Eindringling gesichtet! - Mein Hund bellt am Zaun

In welchen Situationen dein Hund bellt

Je nach Situation sind bestimmte Gründe für das Bellen wahrscheinlicher. Du kennst deinen Hund am besten. Beobachte ihn und finde heraus, welche Konstellationen ihm am meisten Spaß bringen. Erlerntes Bellen zeigen Hunde in allen genannten Situationen.

Beim Ball spielen

Ball spielen kann eintönig sein. Manchen Hunden macht es gar nichts aus, stundenlang hinter einem Ball herzurennen. Anderen geht es schnell auf die Nerven.

Frust ist hier daher ein häufiger Grund, aus dem dein Hund zu Bellen anfängt.

Spielzeug anbellen

Bellt dein Hund sein Spielzeug an, handelt es sich sehr wahrscheinlich ebenfalls um Frust. Das Spielzeug will nicht so wie ich? Wie kann es nur!, denkt sich Bello und weist Stöckchen, Seil und Quietsche-Hamburger in ihre Schranken.

Denkbar ist auch, dass er das Spielzeug zum Spielen auffordert, Freude empfindet oder sich davor fürchtet. Gerade bei neuen Spielsachen ist er eventuell unsicher.

Beim Spielen mit Kindern

Die meisten Hunde lieben Kinder. Freude und Spielaufforderung sind daher im Zusammenhang mit ihnen die häufigsten Auslöser für Gebell.

Achte jedoch auf deinen Hund. Kinder können die Körpersprache eines Tieres nicht so gut deuten. Möglicherweise wird es deinem Hund irgendwann zu viel. Bellt er aus Angst oder warnt er die Kinder, musst du eingreifen und sie voneinander trennen.

Beim Spielen mit Hunden

Im Spiel mit anderen Hunden ist alles möglich. Dein Hund kann vor Freude, aus Angst oder als Warnung bellen. Er kann auch einfach in Gebell mit einsteigen.

Beobachte das Ganze daher genau. Achte auf die Körpersprache deines Hundes, um rechtzeitig eingreifen zu können.

Übrigens bist du auch Teil des Spiels, wenn du nur am Rand stehst. Diese englischsprachige Studie fand heraus, dass Hunde mehr miteinander spielen, wenn ihre Besitzer ihnen zusehen.

Die Forscher vermuten, dass unsere Hunde sich der zusätzlichen Aufmerksamkeit bewusst sind. Sie wollen uns gefallen, indem sie uns eine besonders gute Show liefern.

Beim Laufen

Gebell beim Laufen kann neben den genannten Gründen noch als Spurlaut erfolgen. Vor allem Jagdhunde zeigen dieses Verhalten. Theoretisch kann aber jeder Hund Spurlaut geben.

Beim Spurlaut handelt es sich um angeborenes Hundeverhalten, das für Jäger wichtig ist. Manche Hunde geben auf der Jagd wiederholt ein hohes Bellen von sich. Dadurch weiß der Jäger, in welche Richtung das Wild läuft und verliert es nicht.

Jagen sich Hunde gegenseitig, kann der jagende Hund theoretisch ebenfalls Spurlaut geben.

Wenn Welpen andere Hunde anbellen

Welpen benehmen sich öfter schlecht, als ausgewachsene Hunde. Sie testen ihre Grenzen aus und wollen herausfinden, wozu ihr Bellen gut sein kann.

Welpen bellen ausgewachsene Hunde daher an, um sie herauszufordern. Es kann sich aber auch einfach um freudiges Bellen oder eine Aufforderung zum Spielen handeln. Auch Angst ist als Grund denkbar. Eine ernstgemeinte Warnung ist eher unwahrscheinlich.

Dieses Video hilft dir dabei, gesundes Spielverhalten bei Hunden zu erkennen.

Ist das noch Spiel?? Spielverhalten unter Hunden richtig deuten! Profi Tipps!

Muss ich etwas gegen das Bellen tun?

Bellen gehört für Hunde zum Spielen dazu. Ganz verhindern wirst du es also nicht. Es sollte aber auch nicht überhandnehmen. Besteht das Spiel nur noch aus Gebell, leidet nicht nur dein Gehör.

Genaue Angaben lassen sich da kaum machen. Es gibt keine Vorgaben darüber, zu wie viel Prozent das Spielen aus Bellen bestehen darf. Etwas dagegen unternehmen solltest du aus zwei Gründen: wenn es dich stört oder du den Eindruck hast, dass das Sozialleben deines Hundes darunter leidet.

Lies auch:  Dein Hund bellt, wenn er allein ist? 8 Tipps für mehr Ruhe

Wie du deinem Hund das Bellen abgewöhnst

Das ist tatsächlich gar nicht so einfach, denn Bellen ist selbstbestätigend. Das bedeutet, dass Ignorieren nichts bringt, weil deinem Hund auch das Bellen an sich bereits gefällt. Er benötigt kein zusätzliches Lob von dir, um mit sich selbst zufrieden zu sein.

Auf dem Markt gibt es spezielle Halsbänder, die auf Knopfdruck einen Luftstoß freisetzen oder kurz vibrieren. Beides soll deinem Hund ungewünschtes Verhalten anzeigen, ohne ihn zu verletzen.

Ähnlich wie die Wasserpistole können aber auch diese Halsbänder zu richtiger Panik führen. Es ist außerdem möglich, dass dein Hund die Vibration an seinem Hals mit seinen Spielkameraden verbindet und Angst vor ihnen bekommt.

Hinzu kommt, dass sein Bellen meistens einen guten Grund hat. Einem verängstigten Hund seine Stimme zu nehmen, ist niemals ratsam. Was soll er tun, außer „Nein!“ zu sagen?

Auch einen aggressiven Hund beruhigst du auf diese Weise nicht. Im schlimmsten Fall erschreckt das Halsband ihn so sehr, dass er direkt in den Angriff übergeht.

Damit du etwas gegen das Bellen unternehmen kannst, musst du also wissen, warum dein Hund bellt. Nur dann kann effektives Training erfolgen.

Raus aus der Situation

Der beste Weg ist, deinen Hund aus dem Spiel zu nehmen, sobald er mit dem Bellen beginnt.

Du musst ihn nicht abrufen, weil er einmal „Wuff“ sagt. Beobachte die Situation und schätze ab, wann dein Hund nicht mehr spielt, sondern ins blanke Bellen übergeht.

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen. Dein Hund braucht eine Pause. Lasse ihn sitzen oder liegen und warte, bis er sich entspannt. Bellt er weiter, verlasse den Ort. Die spielenden Hunde im Hintergrund können ihn natürlich weiterhin stressen.

Hat er sich beruhigt, geht es wieder weiter. Werden die Abstände zu kurz und musst du deinen Hund ständig zu dir rufen, brich für diesen Tag ab. Das Bellen könnte nun aus Frust über die häufigen Pausen erfolgen. Weiteres Training ist dann nicht mehr sinnvoll.

Mein Hund bellt beim spielen – Das Wichtigste in Kürze

Hunde bellen. Das gehört zu ihrer Natur. Auch beim Spielen wollen sie daher nicht immer leise sein.

Die Gründe für das Bellen beim Spielen sind vielfältig. Im besten Fall freut sich dein Hund einfach. Es kann aber auch sein, dass er überfordert, ängstlich oder aggressiv ist.

Warum dein Hund bellt, erkennst du am Bellen selbst und seiner Körpersprache.

Etwas dagegen unternehmen musst du nur, wenn dich das Bellen stört oder du meinst, dein Hund hätte ohne mehr Spaß.

Häufig gestellte Fragen

Warum bellt mich mein Hund beim Spielen an?

Idealerweise drückt er so seine Freude über euer Spiel aus. Es kommen aber viele weitere Gründe wie Frust, Angst, Aggression oder erlerntes Verhalten infrage.

Ist Knurren beim Spielen normal?

Hunde üben beim Spielen den Ernstfall, also Jagd, Verteidigung und Angriff. Spielerisch kommt es dabei zu allen damit verbundenen Handlungen, zu denen auch Knurren gehört.

Wie viel Bellen ist beim Spielen normal?

Genaue Angaben kann man dazu nicht machen, da Hunde je nach Rasse und Charakter völlig unterschiedlich stark bellen. Hast du den Eindruck, dass dein Hund mehr bellt als spielt, wird es aber zu viel.