Mein Hund soll das Grundstück nicht verlassen – So klappt es

Einmal das Gartentor aufgelassen, da flitzt der Hund schon vom Grundstück. Befindet sich dahinter eine Straße, bekommt wohl jeder Hundebesitzer Herzklopfen und versucht, seinen Vierbeiner so schnell wie möglich wieder einzufangen.

Muss es ein Zaun sein oder kann ein Hund auch durch gezieltes Training lernen, auf dem Grundstück zu bleiben? Und gibt es rechtliche Konsequenzen, mit denen man zu rechnen hat, wenn man seinen Hund frei laufen lässt?

Hund läuft vom Grundstück – ist das normal?

Ja, es ist völlig normal, dass Hunde sich nicht an Grundstücksgrenzen halten. Das gilt nicht für alle Hunde. Manche sind freiheitsliebender als andere. Die, die das Abenteuer suchen, haben dafür aber ganz verschiedene Gründe.

Dein Hund verlässt dein Grundstück, weil er

  • einen (un)geliebten Artgenossen sieht,
  • etwas anderes entdeckt, das er als Bedrohung sieht und vertreiben möchte,
  • etwas anderes, Spannendes sieht oder hört (spielende Kinder, Rasensprenger, Autos, …),
  • Bewegung braucht,
  • seinem Jagdtrieb nachgeht,
  • gelangweilt ist und Unterhaltung sucht,
  • etwas zu fressen gefunden hat oder
  • die Grenzen seines Reviers prüfen möchte.

Es kann buchstäblich ständig etwas hinter deiner Grundstücksgrenze auftauchen, dem dein Hund kaum widerstehen kann. Seine Liebe zu dir führt ihn später wieder zurück, verhindert aber kaum so einen Ausflug.

Warum ein Hund nicht allein dein Grundstück verlassen sollte

Neben rechtlichen Problemen gibt es auch andere gute Gründe, aus denen dein Hund nicht allein auf Wanderschaft gehen sollte.

Hunde sind intelligent. Sie wissen ganz genau, dass viele von uns aufstellte Regeln nur in unserer Gegenwart durchsetzbar sind.

Warum sollte dein Vierbeiner also nicht diesen fremden Haufen am Wegrand fressen, wo du ihn nicht daran hindern kannst? Oder dieses große Stück Leberwurst, das wie gezielt platziert wirkt?

Von Hundehassern ausgelegte Köder, egal ob Gift oder mit Nägeln gespickt, werden ohne deine Gegenwart plötzlich zur viel größeren Gefahr. Kommt dein Hund später nach Hause und verhält sich anders, könntest du das nicht einmal mit einem Köder in Verbindung bringen.

Dadurch gehen womöglich lebensrettende Minuten verloren.

Es könnte außerdem zu Beißereien kommen. Ist kein Besitzer dabei, der eingreift, verletzen sich die Tiere möglicherweise schwer. Eine unkastrierte Hündin kommt gedeckt nach Hause. Und manche Hunde verschwinden einfach spurlos.

Rechtliche Probleme

Hunde, die sich eigenständig auf Wanderschaft begeben, können für ihre Besitzer ziemlich teuer werden. Das fängt schon mit der in vielen Städten geltenden Leinenpflicht an.

Wirst du erwischt, wird ein Bußgeld fällig. Je nach Schwere des Verstoßes beträgt es wenige Euro, kann aber auch in den vierstelligen Bereich gehen.

In meiner Nachbarschaft gab es früher einen Jack Russell, der sich jeden Tag zur selben Zeit zu einem Spaziergang aufgemacht hat. Dafür ist er durch das immer offenstehende Gartentor seines Zuhauses gelaufen, an meinem Wohnhaus vorbei und in eine Kleingartensiedlung abgebogen.

Diese verließ er etwa zehn Minuten später wieder auf der anderen Seite. Dann lief er ein ganzes Stück an einer stark befahrenen Straße entlang, bevor er wieder ins Wohngebiet einbog.

Soweit ich weiß ist nie etwas passiert. Es kam allerdings häufiger zu brenzligen Situationen. Kinder verfolgten den Hund regelmäßig, weil sie dachten, er wäre jemandem weggelaufen. Der Hund flüchtete und rannte dabei auch mal plötzlich über Straßen.

So ein Unfall ist für alle Beteiligten schlimm. Du wartest vergeblich auf deinen Hund und der Autofahrer muss damit leben, dass er ein Tier überfahren hat. Hinzu kommt, dass du für entstandene Schäden haftbar gemacht werden kannst.

Außerdem existieren Gerichtsurteile, die Passanten erlauben, frei laufende Hunde abzuwehren. Dafür müssen sie nicht erst warten, bis der Hund zähnefletschend auf sie zukommt.

Auch ein freundlicher Hund darf abgewehrt werden. Kommt dabei noch jemand zu Schaden, haftet wieder der Hundehalter des frei laufenden Hundes.

Wir können also festhalten, dass ein frei laufender Hund, selbst wenn der beliebte Spruch „Der tut nix“ perfekt auf ihn passt, zu vielen rechtlichen Problemen führen kann.

Wie du deinem Hund beibringst, auf deinem Grundstück zu bleiben

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass selbst der bravste Hund und das beste Training nicht zu 100 % zuverlässig sind.

Viele Hunde halten sich an solche Regeln, solange ihre Besitzer in Sichtweite sind. Aber fühlen sie sich unbeobachtet, siegt doch die Neugier und sie gehen auf Wanderschaft.

Ohne einen sicheren Zaun wirst du also immer damit rechnen müssen, dass dein Hund dein Grundstück eigenmächtig verlässt. Denke daran, wenn du dich gegen einen Zaun entscheidest. Liegt dein Grundstück neben einer Straße, lasse ihn niemals unbeaufsichtigt draußen herumlaufen.

Wichtig ist außerdem, dass ein Zaun deinen Hund auch vor ungebetenen Gästen schützt. Vielleicht gibt es in deiner Nachbarschaft Artgenossen, die dein Vierbeiner gar nicht leiden kann?

Stehen diese plötzlich in deinem Garten, hat dein Hund nichts falsch gemacht. Trotzdem befindet er sich in einer unangenehmen Situation. Je nach Verhältnis der Tiere zueinander und ihrem Charakter kann es sogar gefährlich werden.

Training

Denke daran, dass du bei diesem Training viel von deinem Hund verlangst.

Dein Hund soll verstehen, dass sein Auslauf an einer bestimmten Stelle endet, obwohl die Welt dahinter genauso weitergeht. Die Aufgabe von Grenzsteinen wirst du deinem Hund kaum erklären können.

Ein Blick auf eine Karte, auf der deine Grundstücksgrenzen eingezeichnet sind, wird ihm auch nicht helfen.
Um deinem Hund das Training zu erleichtern, solltest du ihm daher Hilfen anbieten.

Eine sichtbare Grenze wie eine niedrige Hecke, die er zwar überspringen könnte, aber nicht darf, können helfen.

Nun läufst du mit deinem Hund durch den Garten.

Am besten leinst du ihn am Anfang an. Möchte er hinter die Grenze treten, sagst du deutlich „Nein“ oder ein anderes, passendes Kommando. Dreht er um, lobst du ihn.

Je weiter diese Grenze gefasst ist, desto langwieriger wird das Training. Handelt es sich nur um ein Loch im Zaun, wirst du schneller Erfolge erzielen. Steht deinem Hund in jede Himmelsrichtung die ganze Welt offen, brauchst du wirklich viel Geduld und den richtigen Hund dazu.

Abenteuerlustige, aktive Hunde, wirst du kaum mit Training allein in deinem Garten halten können. Ist dein Vierbeiner schon älter oder allgemein wenig an Bewegung interessiert? Dann reichen möglicherweise nur wenige Tage und er bleibt von sich aus auf deinem Grundstück.

In diesem kurzen Video erfährst du, wie das Training aussehen kann.

Grenzen zuhause akzeptieren: So haut mein Hund vom Grundstück nicht ab! | Der Welpentrainer | sixx

Auslastung und Unterhaltung im Garten

Hund spielt mit einem Ball auf der Wiese
Oleksandr Filatov / Shutterstock

Sorge dafür, dass dein Grundstück attraktiv genug ist, um zu bleiben.

Spielzeuge solltest du so verteilen, dass der Weg, den dein Hund bis zur Grundstücksgrenze zurücklegen müsste, möglichst weit ist. Beschäftige dich auch mit ihm und achte darauf, dass er sich nicht stundenlang langweilt.

Gelangweilte Hunde setzen sich eher über Regeln hinweg oder kommen auf andere, dumme Ideen.
Möchtest du verhindern, dass dein Hund dein Grundstück verlässt, solltest du ihn außerdem körperlich ausreichend fordern.

Ein unausgelasteter Hund wird sich nicht mit einem kleinen Stück Rasen zufriedengeben. Lasse deinen Hund daher nicht unbeaufsichtigt, in deinen Garten, damit er sich dort selbstständig müde läuft.

Nutze dafür besser die Spaziergänge. Der Garten dient anschließend für einen Mittagsschlaf oder eine kleine Spielrunde.

Zaun

Die sicherste Methode ist der Zaun. Natürlich bleiben einige Hunde auch nach gutem Training zuverlässig im Garten.

Aber jeder Hundehalter weiß doch um die Schwächen seines Vierbeiners. Schleicht eine Katze durchs Gras oder fliegt der Ball doch mal zu weit, sind die eben geübten Regeln schnell vergessen.

Wenn es möglich ist, würde ich daher immer den Zaun dem Training vorziehen. Nur wenn deinem Hund gar nichts anderes übrig bleibt, als auf deinem Grundstück zu bleiben, kannst du dir sicher sein, dass er das tut.

Du kannst auch beides kombinieren, wenn es beispielsweise um ein Nachbargrundstück geht, das er nicht betreten soll. Den Rest, am wichtigsten sind alle Wege, die zu Straßen führen, zäunst du ein.

Achte bei der Wahl des Zaunes darauf, dass dein Hund ihn weder überwinden, noch sich bei dem Versuch verletzen kann. Große, kräftige Hunde lassen sich erst von etwa zwei Meter hohen Zäunen wirklich sicher einsperren.

Alles darunter, vor allem wenn es Kletterhilfen gibt, könnte sie zumindest zu einem Ausbruchsversuch animieren.

Sollte es Bello doch gelingen, achte darauf, dass der Zaun keine spitzen oder scharfen Kanten hat. Auch größere Zwischenräume, in denen Pfoten stecken bleiben könnten, sind gefährlich.

Für kleine Hunde, die gern zwischen den Pfählen hindurchschlüpfen, bieten sich gepolsterte oder aufblasbare Halsbänder an. Diese sogenannten Puppy Bumpers halten deinen Hund auf deiner Zaunseite.

„Unsichtbarer Zaun“

Neben dem echten Zaun gibt es noch die unsichtbare Variante. Diese ist jedoch umstritten bis tierschutzwidrig.

Statt eines wirklichen Zaunes gräbt man dabei Sender an der Grundstücksgrenze ein.

Die Sender stehen mit einem Halsband in Verbindung. Überschreitet der Hund die Sender, gibt das Halsband einen Stromschlag ab.

Ich muss vermutlich nicht erwähnen, dass das Tierquälerei ist.

Dein Hund hätte bei dieser Art „Zaun“ gar keine Chance, sich richtig zu verhalten. Er müsste austesten, bis wohin er sich gefahrlos bewegen darf.

Solche Halsbänder gibt es auch in abgeschwächter Form. Dann pusten sie nur einen kurzen Luftstoß, geben ein Piepen von sich oder sprühen mit etwas Wasser. Aber auch diese Varianten können deinem Hund schaden.

Hunde arbeiten am liebsten mit uns Menschen. Es fällt ihnen viel leichter, Grenzen und Regeln zu verstehen, wenn wir sie ihnen zeigen. Einen plötzlich auftretenden Luftstoß am Hals muss er erst einmal richtig verknüpfen.

Sieh daher bitte von diesen Methoden ab. Sie werden deinen Hund nur verstören. Im Ernstfall hält selbst der leichte Stromschlag außerdem kaum einen Hund davon ab, über die Grundstücksgrenze hinauszurennen.

Mein Hund soll Grundstück nicht verlassen -Fazit

Dass ein Hund sich nicht mit dem Grundstück seines Besitzers zufriedengibt, ist völlig normal.

Da frei laufende Hunde zu rechtlichen Problemen führen können, sollte ein Zaun allerdings immer die erste Wahl sein. Zusätzliches Training, bei dem der Hund lernt, auf dem Grundstück zu bleiben, kann helfen, ist aber keine sichere Alternative.

Zum Schutz deines Hundes und Portemonnaies solltest du deinen Hund daher nur unbeaufsichtigt in deinen Garten lassen, wenn er diesen nicht verlassen kann.

Häufig gestellte Fragen

Mein Hund hat sich unter meinem Zaun durchgegraben. Kann ich rechtliche Probleme bekommen?

Ja, weil es in deiner Verantwortung liegt, dass dein Hund nicht unbeaufsichtigt dein Grundstück verlässt. Herrscht in deinem Wohnort Leinenpflicht oder kommt jemand durch deinen frei laufenden Hund zu Schaden, haftest du als Halter.

Mein Nachbar möchte nicht, dass mein Hund in seinen Garten läuft. Wie verhindere ich das?

Kläre zunächst, ob in deinem Wohnort eine Einfriedungspflicht herrscht und ob du oder dein Nachbar dieser nachkommen müssen. Zeige deinem Hund die Grundstücksgrenze durch klare Kommandos und Lob, wenn er auf deiner Seite bleibt.

Darf man meinen frei laufenden Hund vertreiben, auch wenn dieser immer freundlich ist?

Ja, weil du nicht erwarten kannst, dass jeder die guten Absichten deines Hundes erkennt. Ein frei laufender Hund, auch wenn dieser freundlich ist, darf von anderen Personen sogar gewaltsam vertrieben werden.

Über Tilla 57 Artikel
Hallo! Ich bin Tilla und schreibe schon länger für diesen Blog. Schon mein ganzes Leben habe ich mit Hunden zu tun. Am Anfang waren sie „nur“ Haustiere, später Trainingspartner. Als es an die Wahl der richtigen Ausbildung ging, war für mich schnell klar, dass ich meine Leidenschaft für Medizin mit meiner Hundeliebe verbinden möchte. Neben ihrer irren Nase fasziniert mich vor allem die gemeinsame Arbeit mit dem Tier. Hunde wollen lernen, egal ob scheinbar sinnloser Trick oder potenziell lebensrettendes Kommando. Die dafür erforderliche enge Bindung zwischen Mensch und Hund ist einmalig.