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Verkapselter Zeckenbiss beim Hund: gefährlich oder unbedenklich?

Verkapselter Zeckenbiss beim Hund: gefährlich oder unbedenklich?

Zecken sind ekelhafte Parasiten. Die Mistviecher vermiesen uns Hundehaltern im Sommer jeden Spaziergang. Es ist unmöglich, alle von ihnen aus Bellos Fell zu sammeln.

Irgendeine übersieht man immer. Schon sticht sie zu und saugt sich ordentlich voll. Erst, wenn wir den Knubbel bemerken, finden wir das Biest.

Also schnell eine Pinzette oder Zeckenkarte geholt und raus damit. Kopf abgerissen? Egal, das blöde Ding hat es nicht anders verdient.

Moment, was passiert denn jetzt mit dem Kopf? Kann der einfach so in deinem Hund stecken bleiben? Fällt er von alleine raus?

Und was passiert, wenn ist eigentlich ein verkapselter Zeckenbiss bei meinem Hund? Ist das gefährlich? All diese Fragen beantworte ich dir im Folgenden.

Was ist eine Zecke?

Zecken gehören biologisch zu den Spinnen und Milben. Es handelt sich um Ektoparasiten, also solchen, die außen auf dem Wirt leben. Sie sind im nüchternen Zustand etwa einen halben Zentimeter groß.

Zecken warten auf Pflanzen auf einen geeigneten Wirt. Sie richten ihre Beine auf und halten sich am Fell oder der Kleidung fest. Die Pflanze lassen sie jetzt einfach los. So nimmt man ganz leicht bei einem Spaziergang durch den Wald ein paar Zecken mit.

Die Zecke sucht sich anschließend eine geeignete Körperstelle, wo sie sich festbeißt. Solche Stellen sollten warm und geschützt sein. Außerdem bevorzugt die Zecke Regionen mit dünner Haut. Deswegen findest du die Biester meist

  • im Gesicht,
  • am Hals,
  • in den Achseln oder
  • im Genitalbereich

deines Hundes.

Nach ihrer Blutmahlzeit lässt sich die Zecke fallen und sucht sich ein Versteck. Sie ist nun so groß wie eine kleine Weintraube.

Zecken übertragen unterschiedliche Krankheiten, während sie saugen. Dazu gehören Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Weitere Informationen über diese Parasiten findest du in diesem Artikel über Zecken.

Was ist ein Zeckenbiss?

Ein Zeckenbiss, oder eher ein Zeckenstich, ist die Verletzung, die die Zecke bei der Nahrungsaufnahme produziert. Dafür bereitet die Zecke die Körperstelle mit ihrem Speichel vor. Der Speichel

  • enthält Gerinnungshemmer,
  • betäubt die Haut,
  • enthält Entzündungshemmer und
  • verklebt die Zecke mit der Wunde.
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Dadurch fließt die ganze Zeit Blut, ohne dass der Wirt etwas von der Verletzung bemerkt.

Der Klebstoff hält die Zecke an Ort und Stelle. Die Entzündungshemmer unterdrücken eine Immunreaktion des Wirts.

Zurück bleibt ein Stich, der einige Tage juckt. Da die Zecke aber während der Mahlzeit immer wieder Unverdauliches in die Wunde spuckt, entzünden sich Zeckenstiche leicht. Dieses Verhalten macht Zecken gleichzeitig zu perfekten Krankheitsüberträgern.

Auch die Entfernung der Zecke kann Entzündungen begünstigen. Der Klebstoff führt dazu, dass die Beißwerkzeuge der Zecke abreißen und in der Wunde zurückbleiben.

Das passiert auch, wenn man an der Stelle kratzt, während die Zecke noch saugt.

Was ist ein verkapselter Zeckenbiss?

Damit sich ein Zeckenbiss verkapselt, muss ein Teil der Zecke in der Wunde zurückbleiben.

Diese verschließt sich dann darum. Der Teil ist nicht, wie die meisten Hundehalter glauben, häufig der Kopf der Zecke.

Zecken besitzen gar keinen Kopf. Stattdessen reißen die Beißwerkzeuge oder der Saugrüssel ab.
Aber ganz egal: So wird die Zecke garantiert keinen Hund mehr beißen können, was zumindest mir etwas Genugtuung verschafft.

Normalerweise läuft die Heilung, wenn etwas von der Zecke in der Wunde bleibt, folgendermaßen ab:

  • Die Wunde nässt und spült dabei die Fremdkörper heraus oder
  • die Wunde schließt sich mit Schorf und stößt den Fremdkörper währenddessen ab.

Geschieht das nicht, warum auch immer, heilt die Wunde um den Fremdkörper und schließt ihn unter der Haut ein. Übrig bleibt eine verhärtete Schwellung, die schmerzhaft sein kann, aber nicht muss.

Was begünstigt die Entstehung eines verkapselten Zeckenbisses?

Für einen verkapselten Zeckenbiss muss ein Fremdkörper in der Wunde bleiben. Hat dieser wenig Möglichkeiten, die Wunde zu verlassen, verkapselt der Körper ihn eher.

Daher solltest du keine Pflaster oder Verbände um einen Zeckenbiss anbringen. Der Druck könnte dazu führen, dass der Fremdkörper in der Wunde gehalten wird.

Spüle den Stich auch nicht mit Kamillentee oder anderen Hausmitteln, die feste Bestandteile enthalten. Diese könnten zusätzlich in der Wunde hängen bleiben und sich verkapseln.

Wie verheilt ein verkapselter Zeckenbiss?

Hat sich der Fremdkörper abgekapselt, ist er keine Gefahr mehr für deinen Vierbeiner. Der Zeckenteil kann nun über Jahre unter der Haut deines Hundes bleiben, ohne jemals Probleme zu machen. Dort wird er langsam, und ich meine wirklich sehr langsam, abgebaut.

Die Verhärtung kann sich also irgendwann wieder zurückbilden. Es ist aber auch möglich, dass sie bleibt. Zum Tierarzt musst du damit nur, wenn sie sich plötzlich verändert oder wächst.

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Wie du einen entzündeten Zeckenbiss erkennst

Ein entzündeter Zeckenbiss unterscheidet sich von den Symptomen eines gewöhnliches Zeckenbisses. Dort, wo die Zecke getrunken hat, entsteht eine Schwellung und Rötung.

Juckreiz und Schmerz können auftreten. Eiter fließt für gewöhnlich nicht. Allgemein sollte der Stich nicht nässen.

Heftige Schwellungen mit dazu passenden Schmerzen treten auch nur bei einer zusätzlichen Entzündung auf. Einen entzündeten Zeckenbiss erkennst du also an

  • Eiterbildung,
  • starker Schwellung mit Schmerzen und
  • verzögerter Heilung.

Hat sich dein Hund mit Borreliose infiziert, kommt es zusätzlich zur sogenannten Wanderrötung.

Außerdem treten grippale Symptome wie Fieber, Gliederschmerzen und starke Müdigkeit auf.
Bemerkst du diese Symptome bei deinem Hund, solltest du sofort zum Tierarzt gehen.

Unbehandelt führt Borreliose zu bleibenden Gelenk- und Muskelschäden. Bevor die Impfung gegen Borreliose auf den Markt kam, mussten wegen dieser Folgen viele Hunde eingeschläfert werden.

In Brandenburg wurden 2020 die meisten Borreliose-Fälle je 100.000 Einwohner gemeldet (Quelle). Man kann davon ausgehen, dass es dort auch für unsere Hunde am gefährlichsten ist.

Zeckenbiss behandeln

Hast du die Zecke vollständig entfernt, gibt es nicht mehr viel, was du tun kannst. Desinfiziere die Stelle und behalte sie im Auge. Dass sie gerötet ist und anschwillt, ist normal.

Dein Hund wird womöglich unter Juckreiz leiden. Du kannst ihn mit einem Trichter am Kratzen hindern. Durch das Kratzen könnte er Krankheitserreger in die Wunde einbringen oder den Stich immer wieder öffnen. Dadurch würde sich die Heilung verzögern.

Nach spätestens sechs Wochen sollte von dem Zeckenbiss nichts mehr zu sehen sein. Hast du das Gefühl, dass die Heilung zu langsam verläuft oder schwillt der Stich unnormal an? Dann suche besser einmal zu viel deinen Tierarzt auf.

So verhinderst du, dass sich ein Zeckenbiss verkapselt

Am besten ist es, wenn du die Zecke noch rechtzeitig entfernen kannst. Wie das geht, erfährst du in diesem Video.

Was tue ich wenn der Zeckenkopf noch steckt?/ Zeckenkopf stecken geblieben

Achte beim Entfernen der Zecken darauf, nicht zu viel Druck auszuüben. Reiße sie nicht mit einem Ruck heraus, sondern gehe vorsichtig vor. Idealerweise bleibt der Kopf nämlich gar nicht erst stecken.

Wann du zum Tierarzt solltest

Ein Zeckenbiss ist erstmal nichts, was sich dein Tierarzt anschauen muss. Sicher wurde dein Hund schon von vielen Zecken gebissen, ohne dass du es überhaupt bemerkt hast.

Auch ein verkapselter Zeckenbiss alleine ist kein Grund für einen Tierarztbesuch. Lediglich wachsen sollte die Verkapselung nicht. Befindet sie sich an einer Körperstelle, wo sie viel Reibung ausgesetzt ist, etwa in der Achsel, könnte dein Hund sie beim Laufen öffnen.

Dein Tierarzt wird die Stelle desinfizieren und prüfen, ob Reste der Zecke in der Wunde verblieben sind. Eventuell spült er sie zusätzlich aus oder bringt einen Verband an.

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Einen entzündeten Zeckenbiss wird er ebenfalls desinfizieren und ausspülen.

Bei einem verkapselten Zeckenbiss kommt dein Hund nicht um einen kleinen, chirurgischen Eingriff drumherum. Die Kapsel wird geöffnet und leer geräumt. Eventuell möchte dein Tierarzt auch die gesamte Kapsel entfernen, ohne sie zu öffnen.

Welche Medikamente kommen zum Einsatz?

Ist eine Entzündung im Spiel, erhält dein Hund Antibiotika. Zusätzlich wird er mit Entzündungshemmern und Schmerzmitteln versorgt. Ist dein Hund nicht gegen Borreliose geimpft, ist ein Pieks ebenfalls sinnvoll.

Was kostet die Behandlung?

Säubert dein Tierarzt bloß die Wunde, kommst du mit geringen Kosten davon. Mit Medikamenten wird die Behandlung bei ungefähr 50 € liegen.

Möchtest du den verkapselten Zeckenbiss entfernen lassen, musst du mit deutlich mehr rechnen. Alleine die Kurznarkose fällt schon höher aus.

Wenn du Glück hast, reicht eine örtliche Betäubung aus. Dafür muss dein Hund aber mitmachen und die Verkapselung an einer günstigen Stelle liegen.

Vermutlich wird dein Tierarzt die Kurznarkose bevorzugen.

Rechne mit mindestens 150 bis 200 € für einen kleinen, chirurgischen Eingriff. Der Preis kann auch höher ausfallen.

Mein Hund hat einen verkapselten Zeckenbiss – Das Fazit

Ein verkapselter Zeckenbiss ist selten und nicht so dramatisch, wie er klingt. Solange er nicht eitert, größer wird oder sich anderweitig verändert und Probleme macht, musst du ihn nicht behandelt oder entfernen lassen.

Die Entfernung ist mit einem chirurgischen Eingriff verbunden. Die Kapsel wird geöffnet oder gleich ganz entfernt. Das ist aber nur nötig, wenn sie stört. Ein verkapselter Zeckenbiss alleine führt nicht zu weiteren Problemen.

Häufig gestellte Fragen

Wann fällt der Zeckenteil ab?

Das kann bis zu sechs Wochen dauern. Behalte die Stelle daher im Auge und gehe, sollte sie sich entzünden oder nicht heilen, zum Tierarzt.

Wie entferne ich das Stück der Zecke, bevor es sich verkapselt?

Gehe dafür am besten zum Tierarzt. Wenn du dich traust, nimm eine dicke Kanüle und gehe damit unter den Fremdkörper, um ihn aus der Wunde zu hebeln.

Tragen die Zecken in meinem Bundesland Borrelien?

Ja, mittlerweile tragen Zecken in ganz Deutschland die Erreger. Die Borreliose-Fälle werden aber nicht von allen Bundesländern gemeldet, sodass man das Risiko schlecht abschätzen kann.

Wie verhindere ich, dass sich ein Zeckenbiss verkapselt?

Entferne alle Reste der Zecke aus der Wunde und lasse sie offen. Beobachte sie und gehe, wenn sie innerhalb von vier bis sechs Wochen nicht verheilt, zum Tierarzt.

Ist ein verkapselter Zeckenbiss gefährlich?

Solange er sich nicht entzündet oder plötzlich anschwillt, ist ein verkapselter Zeckenbiss ungefährlich. Meist bleibt davon nicht mehr als ein kleiner Knoten unter der Haut übrig.