Alles was Du über Protein im Hundeurin wissen musst

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Mit Hundeurin beschäftigen wir uns normalerweise nicht länger als nötig. Er ist halt gelb, hat auf dem Teppich nichts verloren und kann braune Flecken im Rasen verursachen.

Aber wusstest du, dass der Urin deines Hundes zum Teil auch aus Eiweiß besteht?

Der heutige Artikel fasst dir alle wichtigen Informationen über Protein im Hundeurin zusammen. Du erfährst, wie viel Protein normalerweise im Urin deines Hundes enthalten ist und was für Krankheiten hinter erhöhten Werten stecken können.

Außerdem kläre ich dich über Probleme im Labor durch falsche Ergebnisse auf.

Protein im Hundeurin – Welcher Wert ist normal?

Normalerweise sollte sich im Hundeurin kein Eiweiß (Protein) befinden. Der Normalwert auf dem Teststreifen beträgt also „Negativ“.

Nun werden weitere Abstufungen auf dem Streifen gezeigt. Meistens lauten diese

  • „Spur“ oder engl. „Trace“
  • 30 + (einfach positiv)
  • 100 ++ (zweifach positiv)
  • 300 +++ (dreifach positiv)
  • 1000 ++++ (vierfach positiv)
  • evtl. weitere Werte

Alle Werte, die nicht „negativ“ sind, gelten als erhöht. Das bedeutet aber nicht, dass Du Dir direkt Sorgen machen musst. Wie immer ist es wichtig den Wert über mehrere Tage zu beobachten und auf weitere Symptome deines Hundes zu achten.

Wie wichtig ist die Höhe der Proteinausscheidung beim Hund?

Protein im Urin gilt als wichtiger Marker für verschiedene Krankheiten.

Erhöhte Messergebnisse hängen dabei direkt mit der Lebenszeit des Hundes zusammen. Hat ein Hund zu viel Protein im Urin, verkürzt sich damit höchstwahrscheinlich seine verbleibende Lebensdauer (Quelle).

Ein Testfeld für Protein kommt auf den meisten Kombiteststreifen für Urinproben vor. Gemessen wird dabei in der Regel Albumin, ein globuläres Protein der Leber.

Daneben steckt es noch in Milch, Weizen und Eiern. Fütterst du deinem Hund große Mengen dieser Lebensmittel, kann der Proteingehalt in seinem Urin auch daher steigen.

Kann ein Hund zu wenig Protein im Urin haben?

Nein, das ist nicht möglich. Viel eher gelten sehr geringe Mengen als unbedenklich.

Wenn der Teststreifen also anzeigt, dass dein Hund gar kein Eiweiß im Urin hat, ist das nicht schlimm.
Du musst auch bedenken, dass der Teststreifen nur die Konzentration anzeigt.

Die einzelnen Testfelder können schließlich nur eine bestimmte Menge Urin aufsaugen. Ist in dieser Menge Urin (fast) kein Protein enthalten, bleibt das Testfeld negativ.

Was ist eine Proteinurie beim Hund?

Von Proteinurie spricht man, wenn dein Hund einen zu hohen Eiweißgehalt im Urin hat.



Um herauszufinden, ob Bello betroffen ist, benutzt man den Urin-Protein-Kreatinin-Quotienten. Dabei wird das Verhältnis der beiden Stoffe im Urin ermittelt.

Lies auch:  Urinprobe vom Hund selbst sammeln: So gelingt es in 5 einfachen Schritten

Ein Wert von unter 0,5 gilt beim Hund als normal. Alles darüber bezeichnet man als Proteinurie, was schlicht der Fachbegriff für „zu viel Protein im Urin“ ist.

Proteinwert im Hundeurin senken

Ich teile die Ursachen für erhöhte Proteinwerte im Urin in zwei Bereiche: unbedenklich und bedenklich.

Die unbedenklichen und leicht zu behebenden Ursachen sind

  • Ernährung,
  • zu viel Bewegung und
  • Stress.

Diese drei Punkte lassen sich leicht verändern, sodass dein Hund bald wieder weniger Protein über seinen Urin ausscheidet.

Achte bei seiner Ernährung auf Milch, Eier und Getreide. Verringere körperliche Ertüchtigung, wenn es geht. Zu viel Sport kann ebenfalls dazu führen, dass dein Hund an einer Proteinurie leidet.

Ähnlich ist es bei Stress. Das dabei ausgeschüttete Kortisol beeinflusst diesen Urinparameter.

Verringerst du Bellos Stressniveau, sollte er bald weniger Protein im Urin haben.

Dann gibt es da noch die bedenklichen Ursachen. Dazu gehören Krankheiten wie

  • Niereninsuffizienz,
  • Harnwegsinfekte,
  • Cushing,
  • Ehrlichiose,
  • Lyme-Borreliose,
  • Vernarbung in den Nieren,
  • Erkrankungen der Prostata,
  • Bluthochdruck.

All diese Probleme beeinflussen die Proteinausscheidung deines Hundes.

Der Tierarzt und Forscher Jens Raila von der Universität Potsdam versuchte sich 2007 an einer Früherkennung für Niereninsuffizienz. Dabei wollte er herausfinden, ob sich bestimmte Proteine im Hundeurin oder das Gesamteiweiß dafür eignet.

Leider brachte seine Studie (Quelle) nicht die erhofften Ergebnisse. Albumin und RBP sind bei Nierenproblemen zwar deutlich erhöht im Urin nachweisbar.

Aber auffällig wird der Urin erst, wenn die Niere bereit in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die beiden Proteine sowie das Gesamteiweiß im Urin eignen sich daher nicht zur Früherkennung.

Symptome bei zu hohem Eiweiß im Hundeurin

Die genauen Symptome richten sich nach der Ursache für die Proteinurie. Bei Niereninsuffizienz sind das

  • vermehrtes Trinken,
  • Apathie,
  • Blässe,
  • Mundgeruch,
  • Futterverweigerung und dadurch Gewichtsverlust und
  • Veränderungen am Zahnfleisch.

Harnwegsinfekte erkennst du an

  • Blut im Urin,
  • ständigem Harndrang, verbunden mit Schmerzen und
  • Belecken der Geschlechtsteile und des Bauches.

Cushing zeigt sich bei Hund am häufigsten durch

  • erhöhte Urinproduktion und viel Durst,
  • mehr Hunger,
  • gestörtes Fellwachstum an Rücken, Schwanz und Hinterbeinen (dünnes Fell, kahle Stellen) und
  • einen sichtbaren Blähbauch, möglicherweise verbunden mit Schmerzen.

Ehrlichiose und Lyme-Borreliose führen zu Symptomen wie

  • Gelenkschmerzen mit Schwellungen und Lahmheit,
  • Anämie,
  • Apathie,
  • Fieber,
  • Fressunlust und
  • als Spätfolge Nierenentzündungen.

Du hast von Ehrlichiose noch nichts gehört? Dann schau dir dieses Video an.

Ehrlichiose beim Hund | Symptome, Ursachen & Behandlung

Probleme mit der Prostata führen zu

  • Beschwerden beim Kot- und Urinabsatz,
  • blutigem Ausfluss aus dem Penis,
  • Fieber,
  • Schmerzen (dadurch plötzlich aggressives Verhalten) und
  • Futterverweigerung.
Lies auch:  Brauner Urin beim Hund - 6 Gründe und Ursachen

Bluthochdruck erkennst du an

  • vermehrtem Durst,
  • Nasenbluten,
  • Apathie,
  • Krampfanfällen und
  • Kurzatmigkeit.

Gibt es falsch positive/negative Ergebnisse?

Beides ist möglich.

  • Der pH-Wert im Urin,
  • Desinfektionsmittel und
  • die Konzentration des Urins

können die Ergebnisse verfälschen.

Der pH-Wert

Der pH-Wert kann sowohl zu falsch positiven als auch zu falsch negativen Ergebnissen im Proteinfenster führen.

Dabei führt alkalischer Urin zu einem falsch positiven Ergebnis, während saurer Urin ein falsch negatives Ergebnis zur Folge hat.

Beachte daher immer auch das Feld für den pH-Wert, wenn du Protein im Urin deines Hundes vermutest.

Einen ausführlichen Artikel über den pH-Wert im Hundeurin findest du in meinem Blogartikel: >> Hier

Desinfektionsmittel

Einige Desinfektionsmittel können dazu führen, dass bei Urinteststreifen das Feld für Eiweiß ausschlägt. Das passiert auch dann, wenn die Proteine eigentlich im gesunden Maß enthalten sind.

Das liegt ebenfalls am pH-Wert des Desinfektionsmittel. Arbeitet es mit Ammoniumsalzen, ist es selbst alkalisch.

Entsprechend sind dann die Bereiche für den pH-Wert und für Protein nicht mehr brauchbar.

Dieser Fehler passiert schnell, wenn der Hund zufällig auf dem Behandlungstisch etwas Urin verliert.

Dieser wird, wo er schon mal da ist, gern für einen Urinstick verwendet. Wurde der Tisch aber erst kurz vorher großzügig desinfiziert, ist der Stick eigentlich unbrauchbar.

Urinkonzentration

Bei Protein im Urin kommt es stark auf die Urinkonzentration an.

So kann es bei Morgenurin vorkommen, dass der Teststreifen ausschlägt, obwohl dein Hund kerngesund ist.

Andersherum zeigt er bei stark verdünntem Urin keine Auffälligkeiten. Dabei hätte das bei einer früheren Probe am selben Tag vielleicht ganz anders ausgesehen.

Ein einzelnes, auffälliges Ergebnis ist beim Protein daher wenig aussagekräftig. Ist alles andere unauffällig und zeigt der Hund keine Symptome, sollte später mit einer neuen Probe erneut getestet werden.

Zum Tierarzt, weil der Hund Protein im Urin hat?

Wenn der Urinstick zu Hause anzeigt, dass dein Hund zu viel Protein um Urin hat, musst du nicht sofort in die nächste Tierklinik eilen.

Beobachte deinen Vierbeiner aber aufmerksam. Zeigt er weitere Symptome? Dann ist ein zeitnaher Besuch beim Tierarzt angebracht.

Teste eventuell einen Tag später noch einmal, um ein falsch positives Ergebnis auszuschließen.

Zeigt dein Hund keine der weiter oben genannten Symptome? Dann kannst du erstmal durch eine Ernährungsumstellung versuchen, die Proteinurie in den Griff zu bekommen.

Behalte deinen Hund aber gut im Auge. Einige der Auslöser für die Proteinurie sind wirklich ernst. Wartest du zu lange, riskierst du bleibende Nierenschäden und andere Folgen.

Lies auch:  Blut im Urin – das sind mögliche Ursachen

Prognose

Die Prognose richtet sich nach der ursächlichen Krankheit. Bei einem einfachen Harnwegsinfekt ist die Sache meist nach einem Antibiotikum wieder vergessen.

Bluthochdruck und Niereninsuffizienz müssen höchstwahrscheinlich dauerhaft durch Medikamente und/oder eine spezielle Diät therapiert werden.

Zusätzlich richtet sich die Prognose auch nach dem Allgemeinzustand, in dem sich dein Hund befindet. Bei einer fortgeschrittenen Niereninsuffizienz kann es leider sein, dass es zu spät ist.

Folgen bei ausbleibender Behandlung

Die Folgen der ausbleibenden Behandlung können, je nach Ursache der Proteinurie, sehr schlimm werden. Im Bestfall ist das Eiweiß im Urin nur auf das Futter deines Hundes zurückzuführen.

Dann hat er möglicherweise weitere Verdauungsstörungen.

Bei unbehandeltem Bluthochdruck leidet irgendwann der ganze Organismus. Mit der Zeit wird möglicherweise die Netzhaut unterversorgt.

Am Ende kann dein Hund dadurch erblinden.

Harnwegsinfekte können in die Niere aufsteigen, zu Niereninsuffizienz und zum Schluss auch Nierenversagen führen.

Eine vergrößerte Prostata kann den Darmausgang verschließen. Ein Darmverschluss ist lebensbedrohlich und unbedingt behandlungsnotwendig.

Mein Hund hat Protein im Urin – Das Fazit

Protein kommt in geringen Mengen im Urin gesunder Hunde vor. Auch wenn die Werte mal erhöht sind, ist das nicht unbedingt ein Zeichen für eine schwere Krankheit.

So zeigt der Test bei konzentriertem Urin möglicherweise eine Auffälligkeit, wo gar keine ist. Sind alle anderen Parameter unauffällig und verhält sich dein Hund ansonsten normal?

Dann kannst du daher zu einer anderen Tageszeit nochmal testen.

Kommen hingegen weitere Symptome hinzu, solltest du deinen Tierarzt um Rat fragen. Womöglich leidet dein Hund an einer Nierenerkrankung oder hat sich mit Ehrlichiose oder Borreliose angesteckt.

Beides wirkt sich auf die Menge an Proteinen im Urin aus.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Protein im Urin ist bei Hunden normal?

Der Urin-Protein-Kreatinin-Quotient sollte bei Hunden unter 0,5 liegen. Alles darüber gilt als auffällig und kann auf eine Krankheit hindeuten.

Scheiden Rüden und Hündinnen unterschiedlich viel Protein über den Urin aus?

Intakte, also unkastrierte Rüden, können mehr Protein im Urin haben als Hündinnen. Über den angegebenen Werten sollten sie aber dennoch nicht liegen.

Mein Hund hat momentan viel Stress. Kann sich der Stress auf das Eiweiß in seinem Urin auswirken?

Ja, das dabei ausgeschüttete Kortisol kann dazu führen, dass dein Hund mehr Eiweiß im Urin hat. Vermutest du, dass die Auffälligkeit an Stress liegt, versuche, diesen zu verringern.

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