Skip to Content

Karpfenrücken beim Hund – Erklärung und Ursachen [2022]

Karpfenrücken beim Hund – Erklärung und Ursachen [2022]

In meiner Nachbarschaft gibt es gleich mehrere Personen mit Windhunden. Afghanen, Greyhounds und ein Italienisches Windspiel laufen hier täglich um die Häuser.

Gerade bei letzterem habe ich mich immer gefragt: „Ist dieser runde Rücken normal?“

Heute weiß ich: Man nennt diesen gewölbten Rücken Karpfenrücken. Bei einigen Rassen ist er normal, bei anderen tritt er als Symptom auf. Bei allen kann er auf Rückenprobleme hindeuten.

Mehr über den Karpfenrücken verrate ich dir in diesem Artikel.

Was ist ein Karpfenrücken beim Hund?

Unter Karpfenrücken versteht man beim Hund einen nach oben gewölbten Rücken (ähnlich einem Katzenbuckel). Der Hund macht quasi einen Katzenbuckel. Das Phänomen ist auch als „aufgezogener Rücken“ bekannt. Diese Haltung ist nicht normal. Manche Hunderassen haben von sich aus etwas anders geformte Rückenlinien. Schäferhunde haben beispielsweise häufig einen abfallenden Rücken, bei Windhunden ist es umgekehrt.

Ein richtiger Karpfenrücken deutet auf gesundheitliche Probleme hin. Ist der Rücken nur leicht gerundet, kann es sich um ein rassetypisches Merkmal handeln. Das wird nicht unbedingt zu einem Problem.

Französische Bulldoggen und andere „kurze“ Rassen sowie Windhunde im Allgemeinen neigen aber besonders dazu. Ihr Karpfenrücken ist oft genetisch bedingt und kann gesundheitliche Folgen begünstigen.

Die Schäden im Rücken befinden sich beim Karpfenrücken in der Brust- und Lendenwirbelsäule. Rückenprobleme im Halswirbelbereich äußern sich nicht auf diese Weise.

Der Karpfenrücken ist eine Schonhaltung. Wölbt dein Hund seinen Rücken nach oben, sind häufig Rückenschmerzen die Ursache. Mit der Wölbung des Rückens möchte dein Hund den Schmerzpunkt entlasten.

Wie entsteht ein Karpfenrücken beim Hund?

Als Ursachen für den Karpfenrücken bei deinem Hund kommen

  • Spondylose,
  • das Cauda-Equina-Syndrom,
  • ein Bandscheibenvorfall,
  • ein verschobener Wirbel,
  • Übergewicht und
  • genetische Veranlagung

infrage.

Spondylose

Bei einer Spondylose bilden sich Knochenbrücken an der Unterseite der Wirbel. Diese neuen Knochen versteifen die Wirbelsäule und verursachen Schmerzen.

Auf Röntgenbildern sind die Veränderungen als weiße Zacken entlang der Wirbelsäule erkennbar.

Spondylosen entwickeln sich mit der Zeit durch Verschleiß und Belastung des Rückens. Sie treten daher überwiegend bei älteren Hunden auf. Die Verknöcherungen sind nicht heilbar.

Auch aufhalten lässt sich die Spondylose nicht.

Neben den genannten Symptomen bei Rückenschmerzen führt die Spondylose außerdem zu

  • Instabilität (der Hund knickt beim Laufen hinten weg oder hat Probleme, aufzustehen),
  • Lähmungserscheinungen und
  • beim Rüden Probleme, das Bein zu heben.

Das Cauda-Equina-Syndrom

Das Cauda-Equina-Syndrom ist eine Erkrankung des Lendenwirbelbereichs.

Es entsteht durch eingequetschte Nerven am Ende des Rückenmarks. Dieser Bereich heißt Cauda Equina.
Das Syndrom betrifft vor allem große Hunde über 20 Kilo.

Eine Ausnahme ist der Pudel, der auch bei weniger Gewicht auffallend häufig daran erkrankt. Dieses Video zeigt dir einen Schäferhund mit Cauda-Equina-Syndrom.

Degenerative lumbosakrale Stenose und Cauda equina-Syndrom

Typisch für das Cauda-Equina-Syndrom ist eine fortschreitende Lähmung der Hinterhand. Sie beginnt mit einem gestörten Bewegungsmuster und steigert sich bis zur vollständigen Bewegungsunfähigkeit.

Der Schwanz ist ebenfalls manchmal betroffen.

Im späten Verlauf werden die Hunde zusätzlich harn- und stuhlinkontinent. Das Gefühl in den gelähmten Gliedmaßen bleibt erhalten. Sie können sie nur nicht mehr bewegen.

Bandscheibenvorfall

Bandscheibenvorfälle betreffen vor allem ältere Tiere. Sie können aber auch nach Unfällen oder bei jungen Tieren rassebedingt auftreten. Ein Bandscheibenvorfall ist extrem schmerzhaft.

Dabei reißt der äußere Ring der Bandscheibe, sodass der Gallertkern in den Wirbelkanal vorfällt. Die Bandscheibe kann auch nur gequetscht werden, ohne dass sie ausläuft.

Besonders häufig betroffene Rassen sind

  • Dackel,
  • Mops,
  • Bulldogge,
  • Zwergpudel,
  • Beagle und
  • Pekinese.

Bei Dackeln kommt es zusätzlich häufig zu Dackellähme. Das ist ein besonders schwerer Bandscheibenvorfall. Dabei ist der Hund von der Hüfte abwärts gelähmt.

Seine Hinterbeine zieht er nur noch hinter sich her.

Jetzt ist Eile geboten. Wird der Bandscheibenvorfall schnell behandelt, kann die Bewegungsfähigkeit des Tiers wieder vollständig hergestellt werden (Quelle).

Ich durfte schon miterleben, wie ein Dackel morgens mit Dackellähme ins Wartezimmer kam. Am Nachmittag marschierte er schwanzwedelnd und auf allen Vieren nach Hause.

Verschobener Wirbel

Ein Wirbel verschiebt sich normalerweise nicht einfach so. Durch

  • einen Unfall,
  • Fehlbelastung oder
  • eine schlecht trainierte Wirbelsäule

kann es aber dazu kommen, dass ein Wirbel seinen eigentlichen Platz verlässt.

Das führt zu Schmerzen und weiteren Problemen. Der Wirbel könnte Nerven einklemmen, sodass dein Hund an anderen Körperstellen Schmerzen oder ein Taubheitsgefühl bekommt.

Übergewicht

Übergewicht führt zu allerhand gesundheitlichen Problemen. Weil der Körper des Hundes auf sein Normalgewicht ausgelegt ist, löst Übergewicht häufig Rückenprobleme aus.

Der Körper ist für diese Belastung einfach nicht gemacht. Mit der Zeit leidet die Wirbelsäule darunter, verschleißt schneller und es kommt zu Schmerzen.

Um den Rückenschmerzen entgegenzuwirken wölbt dein Hund den Rücken nach oben, es entsteht ein Karpfenrücken.

Genetische Veranlagung

Eingangs erwähnte ich bereits, dass es rassebedingte Unterschiede in der Rückenlinie bei Hunden gibt. Schaue dir einmal einen Schäferhund und ein Italienisches Windspiel im Profil an.

Selbst wenn beide Tiere keine gesundheitlichen Probleme haben, wird der Schäferhund einen leicht abfallenden Rücken haben. Das Italienische Windspiel macht hingegen dauerhaft einen kleinen Katzenbuckel.

Das muss nicht zum Problem werden, kann Rückenerkrankungen jedoch begünstigen.

Der Karpfenrücken ist also meist eine Nebenwirkung für ein anderes Rückenproblem. Es ist daher wichtig, dass du Rückenschmerzen bei deinem Hund früh erkennst.

Neben dem Karpfenrücken zeigt dein Hund bei Rückenschmerzen folgende Symptome:

  • Bewegungsunlust
  • Vermeidung bestimmter Bewegungen (ins Auto springen, Treppen steigen, etc.)
  • Humpeln oder Schleifen mit den Pfoten
  • plötzliches Aufschreien oder nach hinten Schnappen durch Schmerzen
  • Berührungsempfindlichkeit am Rücken
  • Probleme beim Hinlegen und Aufstehen
  • Belecken der Beine; vor allem der Gelenke
  • Abbau der Muskulatur an den Hinterbeinen

Wann sollte ich mit einem Karpfenrücken zum Tierarzt?

Ein Karpfenrücken ist in den meisten Fällen ein Zeichen für eine ernste Rückenerkrankung.

Bemerkst du das Symptom bei deinem Hund, solltest du schnell handeln. Ist dein Hund ansonsten fit, nicht schmerzempfindlich und bewegt sich normal? Dann kannst du den Karpfenrücken ein bis zwei Tage beobachten.

Aber selbst wenn keine weiteren Symptome auftreten, sollte das Phänomen von deinem Tierarzt untersucht werden. Treten Lähmungserscheinungen auf, darfst du nicht mehr abwarten. Jetzt zählt jede Minute.

Was passiert beim Tierarzt?

Dein Tierarzt kann nicht den Karpfenrücken selbst behandeln sondern seine Ursache. Er/Sie wird deinen Hund untersuchen und dich über den letzten Tagen ausfragen.

Wichtig sind mögliche Verletzungen oder Unfälle. Hattest du deinen Hund auf Spaziergängen immer im Blick oder ist er vielleicht kurz im Wald verschwunden?

Anschließend wird ihm Blut abgenommen, um die Entzündungswerte zu prüfen. Viele Rückenerkrankungen führen zu Entzündungen, die sich um Blut zeigen.

Sehr wahrscheinlich braucht dein Hund nun ein Mittel zur Muskelerschlaffung. Zur Diagnostik ist nämlich unbedingt ein Röntgenbild notwendig. Da dein Hund seine Rückenmuskulatur bei Schmerzen stark verkrampft, wird er um diese Spritze wohl nicht herumkommen.

Durch die Röntgenuntersuchung kann dein Tierarzt Bandscheibenvorfälle, Spondylosen und andere Rückenprobleme erkennen.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des Karpfenrückens. Bei Spondylose erhält dein Hund Entzündungshemmer und Schmerzmedikamente. Hat der Hund Übergewicht, sollte er sein Normalgewicht erreichen, um seinen Rücken zu entlasten.

Ähnlich verfährt man beim Cauda-Equina-Syndrom. Zusätzlich kann Physiotherapie helfen. Diese wird auch bei verschobenen Wirbeln angewandt.

Ein Bandscheibenvorfall muss operativ behandelt werden. Eine besondere Form ist hierbei der minimalinvasive Eingriff. Dabei gibt der Tierarzt ein Medikament direkt in die vorgefallene Bandscheibe. Diese löst sich dadurch auf und die beiden Wirbel versteifen.

Dein Hund hat dadurch keine große Wunde und auch Schrauben kommen dabei nicht zum Einsatz.

Kosten

Die Kosten der Medikation halten sich in Grenzen. Monatlich wirst du dabei bei unter 50 € liegen. Die Physiotherapie ist etwas kostenintensiver. Pro Therapiestunde fallen 100 bis 200 € an.

Damit die Physiotherapie wirksam ist, solltest du mit etwa zwölf Therapiestunden rechnen.
Die OP ist am teuersten. Sie kostet dich 2000 bis 3000 €. Je nach Aufwand und OP-Art, die dein Tierarzt anwendet, kann es auch noch mehr werden.

Prognose

Ein genetisch bedingter Karpfenrücken lässt sich nicht heilen. Solange er keine Probleme macht, ist das zwar nicht hübsch, aber auch nicht schlimm.

Alle anderen Auslöser des Symptoms lassen sich durch unterschiedliche Ansätze gut in den Griff bekommen. Auch Bandscheibenvorfälle sind behandelbar und schränken deinen Hund nach der Heilung nicht mehr ein.

Für das beste Ergebnis ist wichtig, dass du schnell handelst. Fallen dir die Symptome, die auf Rückenprobleme hindeuten, bei deinem Hund auf, verliere keine Zeit.

Folgen bei ausbleibender Behandlung

Leidet dein Hund über längere Zeit an unbehandelten Rückenproblemen, kann das schwerwiegende Folgen haben. Der Karpfenrücken ist eine Schonhaltung.

Dabei belastet dein Hund seinen Rücken falsch, sodass es leichter zu Folgeerkrankungen kommt.

Spondylosen und Bandscheibenvorfälle sind nun häufiger. Durch die Schmerzen bewegt sich dein Hund nicht mehr. Er baut Muskeln ab, was die Stabilität seines Rückens weiter herabsetzt.

Im schlimmsten Fall erleidet dein Hund irgendwann einen schweren Bandscheibenvorfall, der ihn dauerhaft lähmt.

So beugst du einen Karpfenrücken bei deinem Hund vor

Jetzt weißt du, wie ein Karpfenrücken entsteht und was er für deinen Hund bedeutet. Klar, dass du das verhindern möchtest.

Karpfenrücken vermeiden bei genetischen Ursachen

Ist der Karpfenrücken genetisch bedingt, kannst du leider nichts machen.

Durch regelmäßige Kontrollen erkennst du das Problem jedoch frühzeitig und kannst mit deinem Tierarzt eine Therapie vereinbaren. Langfristig verhindern lassen sich genetisch bedingte Karpfenrücken nur, indem man bei der Zucht aufpasst.

Auffällige Elterntiere mit Rückenproblemen sollten von der Zucht ausgeschlossen werden.

Das ist auch der Grund, weswegen du niemals einen Welpen kaufen solltest, ohne seine Eltern zu kennen. Ein seriöser Züchter wird dir immer die Elterntiere zeigen. Sind sie „gerade nicht da“, solltest du hellhörig werden.

Vielleicht will er verhindern, dass du rassetypische Krankheiten bei ihnen bemerkst. Betroffene Tiere zeugen natürlich deutlich häufiger betroffene Welpen.

Karpfenrücken durch Übergewicht vermeiden

Übergewicht beim Hund kannst du problemlos verhindern.

Nichts ist leichter, als einen Hund auf Diät zu setzen. Vorausgesetzt natürlich, du hältst den traurigen Augen stand, die dich beim Abendessen anblinzeln.

Abgesehen davon hat Bello keine andere Möglichkeit, als sich mit den von dir festgesetzten Rationen zufriedenzugeben.

Karpfenrücken durch Rückenprobleme vermeiden

Die übrigen Ursachen des Karpfenrückens sind unterschiedliche Rückenprobleme.

Diesen beugst du mit ausreichend Bewegung und regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen vor. Dein Hund soll sich bewegen, aber nicht überanstrengen. Wird er älter, musst du ihn vielleicht etwas bremsen. Aber auch alte Hunde dürfen toben.

Achte auf Bewegungen, die den Rücken stark belasten.

Dein Hund sollte so wenig Treppen steigen, wie möglich. Auch seine Ernährung spielt eine Rolle. Falsches Futter führt zu Nährstoffmängeln, die Gelenk- und Knochenproblemen als Folge haben können.

Karpfenrücken beim Hund – Das Wichtigste in Kürze

Der Karpfenrücken ist ein nicht zu unterschätzendes Symptom. Es kann auf schwerwiegende Rückenprobleme hindeuten. Unbehandelt begünstigt es die Entwicklung dieser.

Behalte deinen Hund, gerade wenn es sich um einen Windhund handelt, daher gut im Auge. Je eher du den Karpfenrücken bemerkst, desto besser stehen die Heilungschancen.

Behandlungsmöglichkeiten gibt es zum Glück viele. Sie lassen die Symptome oder Folgen des Karpfenrückens nicht immer ganz verschwinden. Aber sie sorgen zumindest dafür, dass dein Hund schmerzfrei ist.

Häufig gestellte Fragen

Wie sieht ein Karpfenrücken beim Hund aus?

Ein Karpfenrücken sieht so ähnlich aus wie ein Katzenbuckel. Er wird daher auch „aufgewölbter“ Rücken genannt und deutet meist auf ein gesundheitliches Problem hin.

Können Welpen schon einen Karpfenrücken haben?

Ja, es gibt angeborene Karpfenrücken oder solche, die beim Schließen der Wachstumsfugen (je nach Rasse nach 10 bis 18 Monaten) auftreten. Diese deuten größtenteils auf eine genetische Ursache hin und kommen vermehrt bei Bulldoggen und Windhunden vor.

Hängt der Hinterhauptstachel mit einem Karpfenrücken zusammen?

Der Hinterhauptstachel befindet sich am Hinterkopf. Er ist vor allem bei Jagdhunden ausgeprägt und steht in keinem Zusammenhang mit einem auftretenden Karpfenrücken.