Schlupfzitzen (Schlupfwarzen) beim Hund: ernstes Problem oder Schönheitsfehler?

Wusstest du, dass Rüden auch Zitzen haben?

Das liegt daran, dass die embryonale Entwicklung der Zitzen noch vor der der primären Geschlechtsteile beginnt. Aus diesem Grund haben auch Männer Brustwarzen, obwohl sie sie eigentlich gar nicht brauchen.

Die Zitzen sind bei Hunden in unterschiedlicher Anzahl und Form vorhanden. Manche sind größer, andere kleiner. Wieder andere sind kaum sichtbar, weil sie nach innen zeigen.

Diese Zitzen nennt man Schlupfzitzen. Wie sie entstehen und ob und wenn ja welche Probleme sie machen, erfährst du heute.

Mein Hund hat Schlupfzitzen – Ist das normal?

Hunde, sowohl Hündinnen als auch Rüden, haben meist mehrere Zweierreihen Zitzen an ihrem Bauch.

Die Mehrheit von ihnen verfügt über acht bis zehn Brustwarzen. Zwischen sechs und zwölf ist aber alles möglich und gilt als normal. Auch ungerade Zahlen sind nicht ungewöhnlich.

Diese Zitzen braucht die Hündin zum Säugen ihrer Welpen. Dafür schwellen sie kurz vor der Geburt deutlich an, sodass die Babys sie leichter zu fassen bekommen. Bei Schlupfzitzen ist das nicht möglich.

Der Begriff bezeichnet das Phänomen, dass eine oder mehrere Zitzen beim Hund nach innen gewölbt sind.

Dass dein Hund Schlupfzitzen hat, ist also nicht normal. Ob es dadurch aber auch zwangsläufig zu Problemen kommt, ist eine andere Frage.

Gründe für Schlupfzitzen bei deinem Hund

Schlupfzitzen entstehen größtenteils während der Embryonalentwicklung. Es handelt sich schlicht um eine Fehlbildung, die man nicht verhindern kann. Sie kann eine oder auch mehrere Zitzen und Hündinnen sowie Rüden betreffen.
Darüber hinaus gibt es noch weitere Ursachen, durch die es im späteren Leben deines Hundes zu Schlupfzitzen kommt.

  • angeboren durch verkürzte Milchdrüsen oder Bindegewebsstränge
  • Brustkrebs
  • Präkanzerosen
  • Entzündungen
  • hormonelle Erkrankungen

Verkürzte Milchdrüsen oder Bindegewebsstränge

Im Inneren der Brust deiner Hündin befindet sich alles, was sie braucht, um ihre Welpen zu ernähren. Das Gewebe existiert, auch wenn sie früh kastriert wurde.

Um die Milch nach außen zur Zitze zu transportieren, ist diese über Milchgänge mit den Milchbläschen verbunden. Die Milchbläschen sind die Bereiche in der Brust, in denen die Milch produziert wird.

Sind die Gänge zu kurz, ziehen sie an der Zitze und hindern sie daran, sich nach außen aufzurichten. Die Milchproduktion beeinträchtigt das nicht. In vielen Fällen sind die Welpen in der Lage, auch an den Schlupfzitzen zu trinken.

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Brustkrebs beim Hund [Mammakarzinom]

Unter einem Mammakarzinom versteht man einen bösartigen Tumor der Brustdrüsen, also Brustkrebs.

Bei Frauen und auch bei Hündinnen zählt diese Krebsform zu einer der häufigsten, bzw. ist die häufigste.
Kleine Hunderassen, beispielsweise Dackel, Pudel und Cockerspaniel, sind deutlich häufiger betroffen.



Hündinnen, bei denen durch hormonelle Medikamente die Läufigkeit unterdrückt wurde, erkranken ebenfalls öfter an dieser Krebsform. Zusätzlich hat der Zeitpunkt der Kastration Auswirkungen auf das Krebsrisiko.

Hündinnen, die früh kastriert wurden, erkranken in ihrem späteren Leben signifikant seltener an einem Mammakarzinom. Dabei gilt, je früher kastriert, desto besser.

Nach der zweiten Läufigkeit verringert die Kastration das Krebsrisiko bereits nicht mehr.

Der Tumor im Brustgewebe deines Hundes nimmt Platz ein. Er kann an den Milchgängen ziehen, wodurch es zu einer Schlupfzitze kommt. Achte zusätzlich auf folgende Symptome:

Mammatumore treten bei Hündinnen im Schnitt im Alter ab 10 Jahren auf. Sie werden in der Regel operativ entfernt. Dabei wird das entartete Gewebe großzügig umschnitten, um Metastasen zu vermeiden.

Chemotherapie ist möglich, scheint aber meist keinen Einfluss auf Rückfälle und Heilung zu haben (Quelle).

Präkanzerosen

Unter Präkanzerosen versteht man Gewebeveränderungen, die laut Statistik wahrscheinlicher zu Krebs führen. Es handelt sich dabei also nicht um Krebs.

Die Veränderung entwickelt sich jedoch mit erhöhter Wahrscheinlichkeit dazu.

Leidet dein Hund an einer Präkanzerose im Bereich der Milchleiste, können die Gewebeveränderungen zu Schlupfzitzen führen.

Sie tun das wie die Mammakarzinome, indem sie Platz verbrauchen und dabei an dem Milchdrüsengewebe oder dem Bindegewebe ziehen.

Entzündungen

Entzündungen im Brustgewebe kommen vor allem kurz nach der Trächtigkeit vor. Die Hündin säugt ihre Welpen und produziert dafür Milch.

Manchmal sammelt sich die Milch an falschen Stellen an oder die Welpen leeren die Milchleiste nicht ausreichend. Dann kann es zu einer Brustentzündung, einer Mastitis, kommen.

Eine Mastitis äußert sich beim Hund durch

  • starke Schwellung des Gesäuges,
  • Fieber,
  • Schmerzen,
  • Apathie,
  • Futterverweigerung und
  • blutigen, eitrigen Ausfluss aus den betroffenen Zitzen.

Auch hier nimmt die Entzündung Raum im Inneren des Gesäuges ein, wodurch eine Schlupfzitze entstehen kann.

Hormonelle Erkrankungen

Das Drüsengewebe am Gesäuge entsteht durch Sexualhormone.

Ist die Ausschüttung dieser Hormone gestört, kommt es möglicherweise zu Fehlbildungen wie Schlupfzitzen. Diese Ursache der Schlupfzitze ist bei Hunden aber kaum erforscht.

Möglicherweise entwickeln sich durch den Hormonmangel die Milchgänge nur unzureichend.

Probleme durch Schlupfwarzen beim Hund

Schlupfzitzen sind, wenn überhaupt, hauptsächlich ein kosmetisches Problem.

Bei Hunden mit kurzem oder wenig Fell am Bauch fallen nach innen gerichtete Zitzen leichter auf. Aber ob das wirklich ein Problem ist?

Deinem Hund und ich bin mir sicher allen seinen Artgenossen ist es völlig egal, in welche Richtung die Zitzen zeigen.

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In seltenen Fällen kann es durch Schlupfzitzen aber tatsächlich zu Problemen kommen. Genau genommen sind es zwei: Schwierigkeiten beim Säugen und wiederkehrende Entzündungen.

Schwierigkeiten beim Säugen

Hündinnen säugen ihren Nachwuchs in der Regel vier bis acht Wochen. Dabei gibt es eine Übergangszeit von etwa drei bis vier Wochen.

In dieser Zeit trinken die Welpen bei ihrer Mutter, probieren aber auch schon festes Futter aus. Mit acht Wochen sind die meisten Welpen von der Muttermilch entwöhnt.

Damit sie während ihrer ersten Lebenswochen gut versorgt sind, melken die Welpen mit einer speziellen Bewegung die Zitzen der Mutter.

Dafür saugen sie diese tief in den Mund und drücken sie mit der Zunge an den Gaumen. Hier setzt das Problem der Schlupfzitzen an.

Je nach Schweregrad der Schlupfzitzen ist es eventuell unmöglich, die Zitze weit genug ins Mäulchen zu nehmen. Hat der Welpe nichts, was er erfassen kann, kann er auch nicht ordentlich saugen.

Handelt es sich um einen großen Wurf oder hat die Hündin mehrere Schlupfzitzen, bleiben möglicherweise Welpen unterversorgt.

In vielen Fällen erzeugen die Welpen einen ausreichenden Unterdruck, sodass die Schlupfzitzen nach außen gesaugt werden. Selbst wenn das nicht vollständig möglich ist, kommt ausreichend Milch.

Nur wenn die Zitze gar nicht nachgibt oder das Saugen der Hündin starke Schmerzen bereitet, musst du ran.

Im Handel gibt es spezielle Milch für Hundewelpen. Das ist ein Pulver, das du mit Wasser mischst. Achte auf das richtige Mischverhältnis und eine gute Temperatur, damit die Welpen keine Bauchschmerzen bekommen.

Überstrecke beim Füttern nicht den Hals der Welpen. Sonst kommt die Milch in die Nase. Nach unten schauen, sollten sie jedoch auch nicht.

Dieses englische Video zeigt dir, wie die Flaschenfütterung von Hundewelpen aussehen sollte.

How to Bottle Feed a Puppy

Entzündungen können entstehen

Schlupfzitzen können nicht nur durch Entzündungen entstehen, sondern diese auch begünstigen. Der kleine Hohlraum bietet Bakterien und Pilzen einen tollen Lebensraum.

Sie haben es warm und Feuchtigkeit kann sich sammeln. Dreck, etwa abgestorbene Hautzellen, bieten ihnen den perfekten Nährboden.

Hat dein Hund Schlupfzitzen, solltest du diese regelmäßig kontrollieren. Eine Entzündung würdest du an

  • Rötung,
  • Schwellung,
  • Schmerz,
  • Wärme und
  • eventuell Begleitsymptomen wie Fieber, Verdauungsbeschwerden, etc.

erkennen.

Um einer Entzündung vorzubeugen, kannst du die Schlupfzitzen säubern.

Gib dafür etwas Öl (Babyöl oder normales Olivenöl aus der Küche) auf ein Wattestäbchen und verteile es im Hohlraum der Schlupfzitze. Anschließend reinigst du ihn mit der anderen Seite des Wattestäbchens.

Das Öl löst Beläge und macht die Haut weich.

Achte darauf, kein Öl zurückzulassen. Nimm zur Not ein weiteres Wattestäbchen. Die Prozedur sollte deinem Hund außerdem nicht wehtun.

Kann man Schlupfzitzen beim Hund korrigieren lassen?

Beim Menschen gibt es verschiedene Verfahren, Hohlwarzen korrigieren zu lassen. Für Frauen ist das ästhetische Problem der nach innen gerichteten Brustwarzen belastend, während es Hunde nicht interessiert.

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Deswegen ist eine Korrektur aus ästhetischen Gründen beim Hund unnötig.

Hatte eine Hündin in der Vergangenheit Probleme, ihren Nachwuchs zu säugen, ist eine OP ebenfalls unnötig. Dabei werden die Milchgänge durchtrennt oder direkt die gesamte Zitze entfernt.

Die Hündin könnte also anschließend weiterhin nicht säugen.

Ich würde dir raten, auch von Tipps wie Massagen oder für Menschen gedachten Brustwarzenformern abzusehen. Wie gesagt, dein Hund hat davon nichts.

Wann eine medizinische Versorgung nötig wird

Leidet dein Hund durch die Schlupfzitzen wiederholt an Entzündungen, ist eine Korrektur empfehlenswert.

Das Risiko wägt dabei dein Tierarzt ab, denn höchstwahrscheinlich bleibt dafür nur die Option der OP. Der durch den Eingriff zu erwartende Nutzen muss größer sein, als die bisher entstehenden Probleme.

Das heißt, dass eine einzelne Entzündung, die sich leicht behandeln ließ, deinem Tierarzt möglicherweise nicht ausreicht.

Tierärzte sind dabei an das Tierschutzgesetz gebunden. Sie dürfen nicht ohne Grund an einem Tier operieren, nur weil der Besitzer es möchte.

Da es sich bei Schlupfzitzen auch um ein Symptom von Krebs handeln kann, ist ein Besuch beim Tierarzt ratsam. Das gilt vor allem, wenn die Schlupfzitzen plötzlich aufgetreten sind oder Probleme bereiten.

Schlupfzitzen operieren lassen

Macht die Schlupfzitze immer wieder Probleme, rät dir dein Tierarzt möglicherweise zur OP.

Die Kosten für den kleinen Eingriff belaufen sich auf etwa 100 bis 300 €. Es kommt darauf an, wie viel Gewebe dein Tierarzt entfernen muss und wie viele Zitzen betroffen sind.

Bei tumoröser Veränderung steigen die Preise. Dein Tierarzt muss dabei deutlich mehr Gewebe entfernen, was die OP schwieriger und länger macht. Rechne hierbei mit mindestens 500 €.

Mein Hund hat Schlupfzitzen – Das Fazit

Schlupfzitzen sind beim Hund höchstens ein ästhetisches Problem. Sie kommen selten vor und machen noch seltener Probleme.

Kommt es jedoch dazu, bleiben außer der Operation, bei der die Schlupfzitze entfernt wird, kaum sinnvolle Optionen.

Beruhigend ist, dass deine Hündin in den meisten Fällen trotz Schlupfzitze säugen könnte. Da das Phänomen weitervererbt werden kann, musst du abwägen, ob du Bello (oder in diesem Fall eher Bella) überhaupt für die Zucht einsetzen solltest.

Daneben treten Schlupfzitzen als Symptom ernster Krankheiten wie Brustkrebs auf. Beobachte deinen Hund daher genau und stelle ihn beim Tierarzt vor, wenn er weitere Symptome zeigt.

Häufig gestellte Fragen

Können Rüden Schlupfzitzen haben?

Die meisten Rüden haben Brustwarzen. Daher kann es bei ihnen auch zu Schlupfzitzen kommen.

Können Hündinnen mit Schlupfzitzen ihre Welpen säugen?

In vielen Fällen ist das Säugen durch die Schlupfzitzen uneingeschränkt möglich. Nur wenn die Welpen die Zitze nicht greifen können, kommt es zu Problemen.

Verwachsen sich angeborene Schlupfzitzen mit der Zeit?

Das ist möglich, passiert aber nicht in allen Fällen

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