Krallenpilz beim Hund: Ursachen und Behandlung [Expertenwissen]

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Sicher hast du schonmal etwas von Nagelpilz gehört, aber wusstest du, dass er auch deinen Hund betreffen kann? In dem Fall spricht man von Krallenpilz und der ist mindestens genauso nervtötend wie das menschliche Pendant.

Dein Vierbeiner geht zwar nicht ins Schwimmbad, wo er sich einen Fußpilz einfängt, der später zum Krallenpilz wird. Aber immerhin ist er trotzdem meistens barfuß unterwegs.

Kein Wunder also, dass seine Krallen mit Krankheitserregern in Berührung kommen.

Wer den Krallenpilz auslöst, wie der Erreger es in die Kralle schafft, wie du ihn erkennst und wieder loswirst – das alles beantworte ich dir heute.

Krallenpilz beim Hund: Auf den Punkt gebracht

Der häufigste Erreger für Krallenpilz beim Hund ist der Fadenpilz Microsporum canis. Er betrifft vor allem immunschwache Tiere. Du erkennst Krallenpilz an gelb verfärbten, brüchigen Krallen.

Unbehandelt führt Krallenpilz möglicherweise zum Ausfallen der Krallen. Krallenpilz sollte immer tierärztlich versorgt werden. Hautpilze sind hartnäckig und brauchen lange, um abzuheilen.

Was ist Krallenpilz beim Hund?

Krallenpilz beim Hund ist mit dem Nagelpilz beim Menschen vergleichbar. Er wird von Dermatophyten, also Hautpilzen, ausgelöst. Die Krankheit nennt man Dermatophytose und sie ist ziemlich hartnäckig.

Häufig entwickelt sich ein Krallenpilz aus einer bestehenden Hautpilzerkrankung. Bleibt diese unbemerkt, breitet sich der Pilz aus.

Sind die Pfoten betroffen, liegt es nahe, dass der Pilz als nächsten die Krallen angreift.

Ein Krallenpilz hat wenig mit fehlender Hygiene zu tun. Die Pilzsporen sind wahnsinnig widerstandsfähig. Sie bleiben monatelang ohne Wirt aktiv. Theoretisch reicht eine einzige Spore im Fell deines Hundes, die nur auf den richtigen Moment wartet.

Wie entsteht Krallenpilz beim Hund? 3 Ursachen

Die meisten Krallenpilze werden von dem Pilz Microsporum canis verursacht. Etwa 70 % aller diagnostizierten Haut- und Krallenpilzfälle beim Hund sind auf ihn zurückzuführen.

Kommt der Krallenpilz bei deinem Vierbeiner von ihm, heißt die Erkrankung „Mikrosporie“.

Die meisten Kontakte mit dem Pilz führen nicht zu einer Erkrankung. Das Immunsystem deines Hundes sollte ihn abwehren können. Hat er aber

  • ein geschwächtes Immunsystem,
  • vor kurzem Antibiotika genommen und zusätzlich
  • eine Verletzung an der Kralle,

schafft der Pilz es vielleicht doch, sich bei ihm festzusetzen.

❔ Ursache #1: Geschwächtes Immunsystem

Hautpilze wie Microsporum canis sind zwar hochansteckend, scheitern aber bei den meisten Hunden an der körpereigenen Immunreaktion.

Das Immunsystem deines Vierbeiners erkennt den Pilz natürlich als Eindringling und bekämpft ihn. Arbeitet es normal, ist es dabei für gewöhnlich erfolgreich.

  • Bekommt dein Hund Immunsuppressiva (Medikamente, die das Immunsystem künstlich schwächen),
  • ist noch sehr jung,
  • schon sehr alt oder
  • vorerkrankt,
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reicht es vielleicht nicht aus.

Immunsuppressiva bekommt dein Hund beispielsweise bei Autoimmunerkrankungen. Polyarthritis und rheumatoide Arthritis sind zwei, die besonders häufig bei Hunden vorkommen.

Welpen und Senioren verfügen über kein ausgereiftes Immunsystem. Sie sind daher für alle möglichen Krankheiten anfälliger, sodass es auch der Hautpilz leichter hat.

Ist dein Hund mit der Bekämpfung einer Krankheit beschäftigt, hat er nicht mehr genug Kraft, um den Pilz abzutöten.

❔ Ursache #2: Antibiotikagabe

Du hast sicher schon mal gehört, dass Antibiotika die Darmflora stören.

Sie töten nicht nur krankheitserregende Bakterien, sondern auch die guten, die dein Hund für eine gesunde Verdauung braucht. In diesem veränderten Milieu gelingt es Pilzen einfacher, sich festzusetzen.

So ähnlich ist es auch bei Krallenpilz, wenn du die Pfote vor Kurzem mit einer antibiotischen Salbe behandelt hast. Aber warum eigentlich?

Pilze lassen sich von Antibiotika gar nicht beeindrucken. Das liegt daran, dass sie diese selbst als Abwehrmechanismus herstellen.

Penicillin stammt ursprünglich von dem Schimmelpilz Penicillium notatum. In einer durch Antibiotika veränderten Umgebung fühlen Pilze sich daher besonders wohl.

Das heißt aber nicht, dass du die verschriebene Salbe mit Antibiotikum nicht mehr anwenden sollst. Die Salbe hast du schließlich nicht ohne Grund bekommen.

Behalte aber im Hinterkopf, dass Veränderungen an den Krallen möglicherweise durch die Salbe entstehen.

❔ Urdache #3: Eine kleine Verletzung reicht aus

Ist das Immunsystem deines Hundes gestört oder findet der Hautpilz besonders gute Bedingungen vor, braucht er nur noch einen Eingang.

Ohne Verletzungen kommt es also auch mit Immunsuppressiva und antibiotischer Salbe nicht zu einer Krallenpilzinfektion.

Das Problem ist, dass dein Hund ständig winzige Verletzungen an seinen Pfoten haben wird. Das ist normal, schließlich sind seine Pfoten stark belastet.

Auch an den Krallen wird er sich hin und wieder verletzen. Da Pilzsporen, wie bereits erwähnt, lange aktiv bleiben, brauchen sie nur auf den richtigen Moment zu warten.

Krallenpilz erkennen: die Symptome

Krallenpilz ist gar nicht so leicht zu erkennen. Bei gewöhnlichem Hautpilz bildet dein Hund kreisrunde, kahle Stellen.

Die bleiben bei Krallenpilz natürlich aus. Du musst also etwas genauer hinsehen, um den Pilz an der Kralle zu entdecken.

Symptome für Krallenpilz bei deinem Vierbeiner sind:

  • Schmerzen an den Krallen
  • geblich verfärbte Krallen,
  • brüchige Krallen,
  • im Wachstum veränderte Krallen (abstehend, schief,…) oder
  • Verlust einzelner Krallen

Dass die betroffenen Krallen ausfallen, ist unwahrscheinlich, kommt aber bei starkem Befall oder lange unbehandeltem Pilz vor.

Zusätzlich wirst du um die Kralle Haut- und Fellveränderungen sehen. Die Haut wird rot, wirkt geschwollen und das Fell fällt aus.

Warum du zum Tierarzt solltest

Wie bereits erwähnt, sind Pilzerkrankungen sehr hartnäckig. Dass dein Hund von alleine vollständig gesund wird, ist unwahrscheinlich.

Zwar kann es gut sein, dass die Symptome zeitweise verschwinden, das heißt aber nicht, dass der Pilz auch besiegt ist.

Bei Katzen lebt der Pilz beispielsweise bei etwa jeder fünften auf der Haut, ohne zu Symptomen zu führen.
Zudem handelt es sich bei Microsporum canis um einen Zoonoseerreger.

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Das bedeutet, dass er sowohl Tiere als auch Menschen befällt (Quelle). Leidet dein Hund darunter, könnte er dich also anstecken. Umgekehrt ist das ebenfalls möglich, wenn auch seltener.

Auch wenn der Krallenpilz kaum Probleme macht, solltest du ihn unbedingt behandeln lassen. Andernfalls riskierst du, dich selbst oder andere Menschen in der Umgebung deines Hundes anzustecken.

Zusätzlich kann unbehandelter Krallenpilz Langzeitfolgen mit sich bringen.

Beeinträchtigt der Pilz zu lange das Krallenwachstum, könnten sich die Krallen nachhaltig verändern und zu Problemen führen. Dann wachsen sie mit Pech so schräg oder kaputt nach, dass sie gezogen werden müssen.

Behandlung des Pilzes

Krallenpilze wieder loszuwerden, bedarf einer langen Behandlung. Außerdem ist es wichtig, dass dein Hund den Pilz nicht an ein anderes im Haushalt lebendes Tier weitergibt.

Ansonsten könnten sie sich immer wieder gegenseitig anstecken.

Prüfe daher während der Behandlung regelmäßig, ob deine anderen Hunde auch Symptome entwickeln.

Denke dabei daran, dass sich der Krallenpilz bei ihnen möglicherweise als Hautpilz an einer ganz anderen Körperstelle zeigt.

Gleichzeitig musst du Liegeplätze und Spielzeuge reinigen. Auf ihnen könnten sich Pilzsporen befinden, die zu einer erneuten Ansteckung führen.

Zur Behandlung des Krallenpilzes bekommt dein Hund vermutlich mindestens zwei Medikamente: eins zur Einnahme und eins für die lokale Behandlung.

Beide sind Antimykotika, also Mittel gegen Pilze. Du musst sie regelmäßig über den von deinem Tierarzt angegebenen Zeitraum anwenden. Ansonsten riskierst du, dass der Pilz zurückkommt.

Ist die abgesprochene Zeit um, solltest du deinen Hund kontrollieren lassen. Vielleicht ist es nötig, dass ihr doch noch ein paar Tage Behandlung heranhängt.

Dass Haut- und Krallenpilze über mehrere Wochen oder sogar Monate behandelt werden müssen, ist nicht ungewöhnlich. Gib nicht auf, ihr werdet den Pilz wieder los.

Gibt es unterstützende Hausmittel für Krallenpilz?

Neben den verschriebenen Medikamenten gibt es Hausmittel, die nachgewiesenermaßen gegen Pilze wirken. Verwende sie aber nur in Absprache mit deinem Tierarzt.

Es könnte sein, dass er dir davon abrät, weil die Hausmittel mit den Medikamenten wechselwirken.

🌿 Lavendelöl

Eine portugiesische Studie ergab, dass Lavendelöl Fadenpilze abtötet (englische Quelle). Microsporum canis gehört zu den Fadenpilzen.

Die Studie beschäftigte sich zwar mit typischen Hautpilzen des Menschen, aber dabei wurde auch Microsporum canis getestet.

Es könnte also sein, dass du mit Lavendelöl eine Besserung des Krallenpilzes bei deinem Hund erreichst.
Lavendelöl ist für Hunde unbedenklich. Trotzdem wird dein Vierbeiner das Öl vermutlich nicht mögen.

Es riecht ihm zu stark. Wenn er die Behandlung nicht mitmacht, zwinge ihn besser nicht.

Hat er nichts gegen das Öl, kannst du es vorsichtig auf die betroffene Kralle und die umliegende Haut tupfen.

Trage dabei unbedingt Handschuhe und wasche die danach die Hände, damit du dich nicht ansteckst.
Verhindere auch, dass dein Hund das Öl ableckt.

Lege ihm dafür einen Kragen an und spüle das Öl nach 20 bis 30 Minute mit klarem Wasser wieder ab.
Tipps zum Umgang mit ätherischen Ölen bei Hunden findest du in diesem Video.

SIND ÄTHERISCHE ÖLE SICHER FÜR HUNDE? | das solltest du wissen

🌿 Essig

Essig stört das Pilzwachstum aufgrund seines niedrigen pH-Wertes. Damit Krallenpilz ordentlich sprießt, braucht er es basisch. Eine mit Essig betupfte Kralle ist ihm viel zu sauer.

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Wiederhole diese Behandlung zweimal am Tag. Alternativ kannst du die betroffene Pfote auch in Umschläge wickeln, die du mit 5 bis 25 %-igem Essig befeuchtest.

Lasse die Umschläge nicht länger als 20 Minuten an der Pfote und wasche anschließend alles mit klarem Wasser ab.

Krallenpilz beim Hund vorbeugen: 3 Tipps

Zu 100 % verhindern, dass dein Hund an Krallenpilz erkrankt, wirst du nicht können.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, kannst du aber verringern, wenn du die folgenden Punkte beachtest.

💡 Tipp #1: Krallenpflege

Mit gepflegten, kurzen Krallen beugst du Verletzungen vor, die der Pilz bräuchte, um deinen Hund zu infizieren. Vergiss dabei auch die Pfoten nicht.

Der Krallenpilz entwickelt sich häufig aus einem Hautpilz. Dieser sitzt gern an den Pfoten, weil es dort zwischen den Zehen feucht und geschützt ist.

Gesunde, gepflegte und trockene Pfoten erschweren ihm das.

💡 Tipp #2: Gesundes Immunsystem

Ist das Immunsystem deines Hundes widerstandsfähig, verringerst du das Risiko einer Krallenpilz-Erkrankung.

Du unterstützt sein Immunsystem durch eine ausgewogene Ernährung, Bewegung an der frischen Luft und durch ein stressarmes Leben.

Zusätzlich gibt es Nahrungsergänzungsmittel für Hunde, die das Immunsystem stärken sollen. Besonders hilfreich sind folgende Mineralien:

  • Eisen
  • Kupfer
  • Selen
  • Zink

💡 Tipp #3: Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

Vorerkrankte Hunde leiden eher an einem Hautpilz, der zum Krallenpilz werden kann. Nimm daher Kontrolluntersuchungen bei deinem Tierarzt wahr.

Auch gesunde Hunde sollten mindestens einmal im Jahr zum Tierarzt gehen. So erkennst du gesundheitliche Probleme früher und kannst entsprechend handeln.

Krallenpilz beim Hund: Das Fazit

Krallenpilz ist kein allzu häufiges Problem bei Hunden. Er betrifft eher immunschwache und vorerkrankte Tiere.

Hat er sich erstmal festgesetzt, bist du mit seiner Bekämpfung lange beschäftigt. Aber keine Sorge, der Pilz ist heilbar und hinterlässt, sofern es nicht zu Komplikationen kommt, auch keine Folgen.

Am besten ist es, du lässt es gar nicht erst so weit kommen. Halte dafür die Krallen deines Hundes kurz, pflege seine Pfoten und unterstütze sein Immunsystem.

Das ist zwar keine Garantie dafür, dass der Pilz an deinem Vierbeiner vorbeizieht. Es hält aber seinen Selbstschutz hoch, sodass der Pilz es zumindest schwerer hat.

Häufig gestellte Fragen

Wie sieht eine Krallenbettentzündung aus?

Eine Krallenbettentzündung äußert sich durch Juckreiz, den dein Hund mit Belecken und Benagen der Pfote beantwortet. Außerdem wird die betroffene Stelle dick, warm und rot.

Warum verfärben sich die Krallen meines Hundes?

Verfärbte Krallen deuten meist auf ein gesundheitliches Problem hin. Neben Krallenpilz kann auch eine allgemeine Krallenbettentzündung dahinterstecken.

Wann muss eine Kralle gezogen werden?

Ist eine Kralle stark beschädigt oder sowieso fast abgerissen, entscheidet sich der Tierarzt oft dazu, diese zu ziehen. Auch bei fortgeschrittenem Krallenpilz, wenn die Kralle kurz vor dem Ausfallen steht oder verformt wächst, ist das manchmal nötig.

Kann ich Zinksalbe bei meinem Hund verwenden?

Zinksalbe für Menschen eignet sich auch für die Anwendung bei Hunden. Bekommt dein Hund bereits Medikamente, besprich die Gabe aber vorher mit deinem Tierarzt.

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