Struvitsteine beim Hund – unangenehm und schmerzhaft

Cocker Spaniel im Liegen
Elisa 69/ Shutterstock

Ohje, Bello pinkelt und es tut ihm sichtlich weh! Als Du dann auch noch die rötliche Färbung des Urins bemerkst, machst Du Dir natürlich sofort Sorgen. Neben einer Blasenentzündung können Blasengrieß und Blasensteine Auslöser solcher Symptome sein.

Eine besonders häufige Form von Blasensteinen bei Hunden sind Struvitsteine.

Bei uns erfährst Du wie diese entstehen und welche Möglichkeiten der Behandlung es gibt. Nachdem Du Dich informiert hast, solltest Du Deinen Schatz möglichst bald zum Tierarzt bringen, denn Struvitsteine und die Entzündungen sind sehr schmerzhaft.

Was sind Struvitsteine eigentlich genau?

Struvit ist eine Gesteinsart, die auch in der Natur vorkommt. Es besteht aus Ammonium, Magnesium und Phosphat. Reichern sich diese Mineralien im Urin an, bilden sich im Organismus Steine.

Aus der Harnblase eines Hundes entfernte Struvitsteine
Mirkosajkov/ pixabay

Bevor sich die Mineralien zu Steinen entwickeln sind sie winzige mineralischen Kristalle. Sie entstehen in der Niere. Von dort wandern sie weiter durch die Harnwege und sollten eigentlich mit dem Urin ausgeschieden werden.

Liegen bestimmte Bedingungen vor, passiert das aber nicht. Stattdessen reichern sich die Mineralien immer weiter an.

Zuerst bilden sie feinsten Harngrieß. Den kannst Du in etwa mit Sandkörnern vergleichen. Der Grieß bleibt durch sein Gewicht in der Harnblase liegen. Dort reizt er die Harnblasenwand und löst Entzündungen aus.

Bleibt das unentdeckt und unbehandelt, bilden sich aus dem Grieß immer größere Klumpen. Einzelne Struvitsteine werden normalerweise nicht größer als 0,5 bis 1 cm.

Andere Harnsteine können bis zu 4 cm Durchmesser erreichen. In der medizinischen Fachsprache werden diese Steine auch Urolithen genannt.

Steine in der Harnblase eines Hundes
wimala namket/ Shutterstock

Weitere Urolithen sind Cystin-, Kalciumoxalat- und Ammoniumuratsteine. Sie unterscheiden sich in der Zusammensetzung und den auslösenden Umständen.

In diesem Video erklärt Dir die Tierärztin Dr. Christiane Stengel weitere Details zu Struvit- und anderen Blasensteinen beim Hund.

Blasensteine beim Hund

Das begünstigt die Entstehung von Struvitsteinen

Als Hauptauslöser für Struvitsteine gelten ungeeignete Futtermittel, Wassermangel und genetische Veranlagungen.

Übermineralisierung durch Futtermittel

Man vermutet, dass die Zusammensetzung vieler Futtermittel nicht wirklich hundegerecht ist. Neben Inhaltsstoffen wie Vitaminen und Proteinen enthalten Futtermittel Mineralien.

Sind Futtermittel mit minderwertigem Fleisch oder aus Tiermehl hergestellt und durch künstliche Zusätze nachträglich mineralisiert, sind diese „unnatürlich“.

Vielleicht hast Du auf Futterpackungen schon mal gelesen „mit optimalem Magesium-Phosphor-Verhältnis“. Das ist ein Hinweis darauf, dass der Hersteller sich der Mineralien-Problematik bewusst ist.

Basischer Urin

Bei uns Menschen gilt ein basischer Urin eigentlich als gesund. Beim Hund begünstigt er die Entstehung von Struvitharnsteinen.

Im basischen Milieu (pH-Wert über 6,5 -7,0) fühlen sich ganz bestimmte Bakterien besonders wohl. Die tauchen fast immer gemeinsam mit den Struvitsteinen auf. Die Bakterien entstehen durch die Entzündungen und gleichzeitig begünstigen sie weitere Entzündungen.

Warum Hunde basischen Urin nicht vertragen liegt sehr wahrscheinlich daran, dass sie verglichen zum Menschen reine Fleischfresser sind. Heute bestehen zu viele Futtermittel aus überwiegend Getreide und immer weniger Frischfleisch.

Zu wenig Flüssigkeit

Trinkt Dein Bello zu wenig, können sich Mineralien-Überschüsse besser festsetzen. Die Gründe warum Hunde nicht oder wenig trinken sind unterschiedlich. Entweder mögen sie das angebotene Wasser nicht oder sie sind generell trinkfaul.

Bei alten Tieren kann die gewohnheitsmäßig aufgenommene Menge Wasser nicht mehr zum erhöhten Bedarf passen. Frisst ein Hund viel oder ausschließlich Trockenfutter, braucht er viel mehr Wasser als andere Hunde.

Bewegungsmangel und Übergewicht

Berner Sennenhund auf Wiese
Bildagentur Zoonar GmbH/ Shutterstock

Ein Hund, der sich viel bewegt, hat grundsätzlich einen besseren Stoffwechsel als Couch-Potatos. Sind Körper und Muskulatur in Bewegung arbeiten die inneren Organe optimal.

Außerdem regt das Gassi-Gehen ja geradezu zum Pinkeln und Markieren an. Zuhause angekommen hat Bello nach einer flotten Runde sicher auch wieder ordentlich Durst.

Tatsächlich werden bei übergewichtigen und bewegungsfaulen Tieren öfter Harnsteine diagnostiziert als bei den „Sportlern“.

Neigung zu Blasenentzündungen

Vor allem kastrierte Hündinnen neigen zu Blasenentzündungen und die begünstigen Struvitsteine.

Bei Hündinnen ist die Harnröhre kürzer als bei Rüden. Bakterien können so von außen viel leichter eindringen und eine Entzündung auslösen. Bei sterilisierten Hündinnen ist zudem der Hormonhaushalt etwas anders.

Eine rassebedingte Veranlagung

Auffallend häufig sind Hunde dieser Rassen von Struvitsteinen betroffen:

  • Berner Sennenhund
  • Bullterrier
  • Cocker Spaniel
  • Deutscher Schäferhund
  • Golden Retriever
  • Labrador
  • Pekinese.

Zu guter Letzt tragen noch allgemeine Probleme mit den Harnwegen, Diabetes, Nieren- oder Leberprobleme zur Bildung von Struvitsteinen bei.

Der weitere Verlauf der Krankheit

Durch zunehmenden Harngrieß und -steine setzt ein Teufelskreis ein. Mit den Blasenentzündungen entstehen immer mehr Bakterien. Die verändern den Urin weiter und begünstigen die Bildung neuer Struvitkristalle.

Füllt sich die Harnblase zunehmend mit Struvit, ist der Harnfluss massiv gestört. Es kann zu einem regelrechten Rückstau kommen. Dadurch reichern sich Giftstoffe im Körper an. Dein Liebling wirkt dann mitunter matt und müde.

Müder australischer Schäferhund im Liegen
Lindsay Helms/ Shutterstock

Dazu wandern Grieß und Steinchen durch die Harnwege. Sie können Verstopfungen auslösen und den Harnfluss noch weiter stören.

Die Symptome für Struvitsteine beim Hund

Da Du die Steine und den Grieß selbst im Urin nicht sehen kannst, musst Du auf das Verhalten Deines Hundes achten.

Fallen Dir beim Gassi-Gehen oder zuhause diese Anzeichen auf, solltest Du bald zu einem Tierarzt gehen:

  • Das Pinkeln sieht verkrampft oder richtig schmerzhaft aus.
  • Trotz Pinkelhaltung kommt kein Urin oder nur ein paar Tröpfchen.
  • Dein Bello setzt immer wieder vergeblich zum Pinkeln an.
  • Du kannst Wimmern oder andere Schmerzlaute hören.
  • Irgendwann läuft eine große Menge Urin unkontrolliert ab (Inkontinenz).
  • Weil’s schnell gehen muss, pinkelt Bello an ungewöhnliche Stellen im Haus oder in der Wohnung.
  • Der Urin ist orange bis rötlich (Hämaturie).

Die Diagnose beim Tierarzt

Als Erstes wird Dein Tierarzt Deinen Schatz abtasten und schauen, ob die Weichteile im Unterbauch schmerzen. Die meisten betroffenen Hunde geben bei leichtem Druck auf den Unterbauch schon „Laut“.

Husky wird vom Tierarzt abgetastet
iaginzburg/ Shutterstock

Versuch das aber besser nicht selbst zu machen. Der Tierarzt weiß genau, wo und wie arg er drücken muss. Greifst Du daneben, kann das sehr unangenehm für Euch beide sein.

Eine Ultraschalluntersuchung liefert eindeutige Ergebnisse. Daneben wird der Tierarzt den Urin untersuchen. Er kann feststellen, ob Kristalle, Bakterien und Blut enthalten sind.

Röntgenbilder werden nur dann notwendig, wenn Ultraschalluntersuchungen keine klaren Bilder liefern oder der Verdacht auf weitere Erkrankungen besteht.

Die Behandlung von Struvitsteinen beim Hund

In leichten Fällen kann die Futterumstellung schon reichen. Die medizinischen Diät-Futter von Hills, Royal Canin oder Purina können hier wahre Wunder vollbringen.

Inzwischen stellen zwar auch Billig-Hersteller Urinal-Futter her, die Qualität kommt mit den Veterinär-Diäten aber nicht mit. Der Preis zahlt sich auch aus!

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Die spezielle Zusammensetzung säuert den Urin an und erhöht das Urin-Volumen. Bello wird durch die Futtermittel mehr Durst bekommen. Er trinkt mehr und pinkelt häufiger. Durch den besseren Durchfluss werden Grieß und Steinchen hoffentlich bald ausgeschieden.

Mit etwas Glück kann der Spuk in ein paar Wochen vorbei sein.

Hast Du bisher vorzugsweise Trockenfutter gegeben, musst Du den Anteil an Nassfutter erhöhen. Diät-Nassfutter haben einen Wasseranteil von fast 80 %.

Alternativ kannst Du auch mit einer lauwarmen, wässrigen Fleischbrühe (selbst gemacht, kein Salz) übergossenes Trockenfutter anbieten.

Bei hartnäckigeren Steinen wird der Tierarzt zusätzlich Medikamente verabreichen, die die Struvitstruktur auflösen können.

Geht die Blasenentzündung von alleine nicht weg, bekommt Bello ein Antibiotikum.

Nur bei ganz großen Steinen und schweren Ablagerungen in der Blase ist eine Operation notwendig. Da Struvitsteine eher klein bleiben, kommt das zum Glück selten vor.

Damit Struvitsteine nicht wieder kommen!

Tierärzte gehen bei Struvitsteinen von einer Rückfallquote von 30 bis 40 % aus. Mehr Informationen zum Nachlesen findest Du hier.

Das bedeutet, dass die Steine trotz einmalig erfolgreicher Behandlung wieder kommen. Um das zu vermeiden, müsst Ihr möglichst viele auslösende Faktoren beseitigen.

Dazu kontrolliert Dein Tierarzt weiter in regelmäßigen Abständen den Urin. Sind kein Blut und keine Kristalle enthalten, ist alles in Ordnung. Ansonsten müsst Ihr die Diät weiter anpassen oder über andere Ursachen nachdenken.

Ist Dein Bello eher trinkfaul, solltest Du die Wasserqualität prüfen. Manche Hunde mögen Leitungswasser nicht. Viel lieber trinken sie aus den ekeligsten Pfützen statt das heimische Wasser zu genießen.

Wenn Dir das bekannt vorkommt, kannst Du alternativ stilles Flaschenwasser probieren. Freunde der alternativen Heilweisen schwören auf „belebtes“ Wasser. Dazu werden dem Trinkwasser bestimmte Substanzen, Steine oder Keramiken zugegebenen.

Jack-Russell-Terrier am Wasser trinken aus dem Hundenapf
alexei_tm/ Shutterstock

Ausreichend Bewegung und viele Gelegenheiten zum Pinkeln sollten selbstverständlich sein.

Alternative Therapie und Hausmittel bei Struvitsteinen

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Julia Metkalova/ Shutterstock

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Akupunktur

Malteser bei Akupunkturbehandlung beim Tierarzt
Monika Wisniewska/ Shutterstock

In der Energieheilkunde und Akupunktur werden Blasensteine mit einem Stau des Flusses der Lebenskraft in Verbindung gebracht. Grundsätzlich können also Themen wie zu wenig Bewegung oder Freiraum im Spiel sein.

Struvitsteine beim Hund – das Wichtigste in Kürze

Struvitsteine werden auch als Blasen- oder Harnsteine bezeichnet. Sie entstehen, wenn sich zu viele Mineralien im Urin anreichern.

Symptome sind Probleme beim Pinkeln, Blasenentzündungen und Blut im Urin.

Diagnostiziert und behandelt werden Struvitsteine durch den Tierarzt. Betroffene Hunde bekommen Diätfuttermittel. Eher selten müssen Struvitsteine operiert werden. Sie bleiben in der Regel kleiner als andere Arten von Harn- und Blasensteinen.

Häufig gestellte Fragen

Aus was bestehen Struvitsteine?

Struvit ist ein weiches Gestein, das auch in der Natur vorkommen kann. Es besteht aus Ammonium, Magnesium und Phosphat.

Warum reichern sich Mineralien im Urin des Hundes an?

Zum einen können ungünstig zusammengestellte oder übermineralisierte Futtermittel die Ursache sein (Magnesium-Phosphat-Verhältnis).

Wie werden Struvitsteine behandelt?

Bei leichtem Harngrieß oder kleinen Steinen kann die Umstellung auf spezielle Diäten vom Tierarzt reichen. Ansonsten sind weitere Medikamente oder eine Operation notwendig.

Was kann ich tun, um die Neubildung von Struvitsteinen zu verhindern?

Diätetische Futtermittel weiter verabreichen. Dazu sollte der Hund immer ausreichend Bewegung haben. Achte darauf, dass Dein Hund gerne und viel trinkt.

Über Stefanie Baumgartner 35 Artikel
Stefanie schreibt in Bellos Reich über Wissenswertes rund um das Thema Hund. Ihr Leben hat sie früher mit den Staffordshire Terriern Cäsar und Arnold sowie dem ungarischen Streuner Kazmer geteilt. Derzeit hat sie leider keinen Hund, dafür aber Katzen, Zwergkaninchen und ein Pferd.

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