Wenn der Senior zu alt für eine OP ist: Schmerztherapie für deinen Hund

Im Alter leiden viele Hunde an Schmerzen. Die Gelenke wollen nicht mehr so wie früher, die Verdauung macht Probleme oder inoperable Tumore belasten deinen Vierbeiner. Ist Abhilfe durch eine OP unmöglich, musst du ihm anders helfen. Die Schmerztherapie kann eure Lösung sein.

Bei der Schmerztherapie wird dein Hund symptomatisch behandelt. Der Schmerzauslöser bleibt, aber die Schmerzen verschwinden. Im fortgeschrittenen Alter ist das aufgrund des erhöhten Narkoserisikos manchmal die beste Option.

Was du zur Schmerztherapie wissen musst, wie du Schmerzen beim Hund erkennst, welche Ziele die Therapie hat und was du tust, wenn sie nicht die gewünschten Erfolge zeigt, erfährst du hier.

Was ist eine Schmerztherapie?

Unter dem Begriff „Schmerztherapie“ fasst man allgemein alle Therapiemaßnahmen zusammen, die Schmerzen bekämpfen sollen. Die Schmerztherapie kann aus

  • Schmerzmedikamenten,
  • Massagen,
  • Physiotherapie,
  • Kälte- oder Wärmebehandlungen und
  • alternativen Methoden (beispielsweise Akupunktur)

bestehen. Welche Maßnahmen in eurem Fall am meisten Erfolg versprechen, wird dein Tierarzt wissen. Es ist also durchaus möglich, mehrere Therapien miteinander zu kombinieren.

So fortgeschritten wir mittlerweile bei der Behandlung von Schmerzen sind, kann eine Schmerztherapie aber keinen Erfolg garantieren. In manchen Fällen muss dein Hund also mit einem geringen Maß an Schmerzen leben.

Das muss aber nicht bedeuten, dass er keine Lebensqualität mehr hat. Hierbei entscheidet immer das Gesamtpaket.

Warum eine Schmerztherapie im Alter helfen kann

Im Alter bleiben Zipperlein nicht aus. Laut eines Artikels auf der Internetseite des Tierärzteverbands leiden bis zu 90 % aller großen Hunde in ihrem späteren Leben an Arthrose. Die degenerative Gelenkerkrankung ist nur ein Grund für Schmerzen bei Seniorhunden.

Viele Schmerzauslöser lassen sich auch im hohen Alter noch behandeln. Wenn das nicht mehr möglich ist, muss eine andere Lösung her. Die Zeiten, in denen unsere Haustiere Schmerzen leiden mussten, sind zum Glück vorbei. Vor einigen Jahren war man noch überzeugt, dass Schmerzen den Tieren helfen, sich zu schonen. Auch nach OPs wurde daher teilweise auf Schmerzmittel verzichtet.

Heute wissen wir es besser. Das Schmerzempfinden unserer Haustiere ist mit unserem fast identisch. Wenn möglich, vermeiden wir Schmerzen bei ihnen daher.

Für eine Schmerztherapie im Alter sprechen aber noch weitere Punkte. Unbehandelte Schmerzen

  • schränken die Lebensqualität ein,
  • begünstigen Folgeerkrankungen wie Übergewicht und Muskelatrophie und
  • führen zu Stress, welcher ebenfalls krank machen kann.
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Wie stark dein Hund auf Schmerzen reagiert, ist auch von seiner Rasse abhängig. Zu dem Ergebnis kam eine Studie von Margaret E. Gruen, Philip White und Brian Hare. Demnach sind Malteser empfindlicher, was Schmerzen angeht. Die häufig als Memmen verschrienen Huskys zeigten hingegen eine durchschnittliche Schmerztoleranz.

So erkennst du Schmerzen bei deinem Hund

Um zu erkennen, ob dein Seniorhund Schmerzmittel braucht, musst du wissen, wie Hunde sich unter Schmerzen verhalten. Je nach Auslöser und Art der Schmerzen äußern sich diese nämlich sehr unterschiedlich.

Lahmheit ist ein sicheres Anzeichen für Schmerz. Humpelt dein Hund, hat er möglicherweise Schmerzen im Fuß, Bein oder im Rücken.

Ein auffällig steifer Gang kann auf Bauch- oder Rückenschmerzen deuten. Bei Bauchschmerzen ist dieser außerdem verhärtet.



Leidet dein Hund unter Zahnschmerzen wirst du Zahnfleischbluten, Futterverweigerung oder Jaulen und Fiepen beim Fressen beobachten.

Allgemeine Schmerzanzeichen bei Hunden sind folgende:

  • Züngeln
  • Vermeidung bestimmter Bewegungen (Treppensteigen, Rückenkrümmung, …)
  • Berührungsempfindlichkeit (eventuell mit aggressivem Verhalten)
  • Schmerzäußerungen (Winseln, Jaulen, Fiepen)
  • Zittern
  • Belecken/Beknabbern bestimmter Körperstellen (möglicherweise bis zum Fellverlust)
  • Hecheln mit angespannter (eingerollter) Zunge
  • Schmerzgesicht (zusammengekniffene oder aufgerissene Augen, gerunzelte Stirn, angelegte Ohren, „Lächeln“)

Bedenke, dass diese Zeichen nicht immer für Schmerzen sprechen. Hunderassen mit kurzer Schnauze haben beispielsweise immer eine leicht eingerollte Zunge beim Hecheln. Häufen sich die Anzeichen jedoch, verweigert dein Hund zusätzlich Futter oder zeigt Symptome, die auf eine Krankheit deuten, solltest du handeln.

📓 Schmerztagebuch

Vielleicht hast du schon mal vom Schmerztagebuch gehört. Das dient dazu, Schmerzauslöser zu finden und zu beobachten, was deinem Hund bei Schmerzen hilft. Es ist sinnvoller, ein Schmerztagebuch zu führen, wenn dein Hund bereits eine Diagnose für seine Schmerzen hat.

Sucht ihr schon lange nach der Ursache, kann es aber auch bei der Diagnose helfen.

In einem Schmerztagebuch hältst du fest, wann dein Hund Schmerzen in welcher Stärke hatte. Außerdem schreibst du auf, was du gegen die Schmerzen unternommen hast und ob sich dadurch eine Besserung eingestellt hat.

Wenn dir ansonsten etwas auffällt, was eventuell wichtig ist, schreibst du auch diese Beobachtungen auf.

🎯 Ziele der Schmerztherapie

Eine Schmerztherapie verfolgt mehrere Ziele. In den folgenden Unterpunkten gehe ich auf ihre Vorteile ein.

#1: Schmerzen lindern

Natürlich soll eine Schmerztherapie deinem Hund in erster Linie die Schmerzen nehmen. Die anderen Ziele lassen sich nur dadurch erreichen, dass dein Hund endlich wieder schmerzfrei ist.

Schmerzen sind ein natürlicher Schutz. Sie zeigen uns an, wenn wir unseren Körper überlasten. Außerdem halten sie uns von waghalsigen Entscheidungen ab. Allerdings sind sie nicht notwendig. Du bist schließlich da, um deinem Hund zu helfen. Anstatt dass er Schmerzen hat, um sich zwangsweise zu schonen, lässt du ihn einfach nicht von der Leine.

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Natürlich bedeutet das mehr Arbeit. Aber dafür ist dein Hund schmerzfrei, also lohnt es sich.

#2: Muskeln erhalten

Im Alter bauen Menschen und Hunde Muskelmasse ab. Verlorene Muskeln lassen sich gleichzeitig nur schwer wieder aufbauen. Sie sind aber nötig, um die Bewegungsfähigkeit zu erhalten und haben außerdem wichtige Stützfunktionen.

Eine gut eingestellte Schmerztherapie sorgt dafür, dass sich dein Seniorhund gern bewegt. Entsprechend trainiert er seine Muskeln, sodass diese erhalten bleiben.

#3: Lebensqualität verbessern

Schmerzen schränken die Lebensqualität ein, ganz klar. Hunde wollen sich auch im Alter bewegen. Geht das nicht mehr, geht ihnen auch Freude verloren.

Stelle dir vor, du könntest dein liebstes Hobby nicht mehr ausüben und hättest zusätzlich auch noch Schmerzen. Das würde dich sicherlich auch traurig machen. Hinzu kommt bei Hunden, dass sie gar nicht verstehen, warum sie sich so fühlen. Gut eingestellte Schmerzmittel sorgen dafür, dass dein Hund seine Lebensfreude behält.

Das bedeutet nicht, dass er wieder herumspringen kann wie ein Junghund. Aber schmerzfreie Spaziergänge sollten auch im Alter möglich sein.

#4: Entstehung eines Schmerzgedächtnisses verhindern

Unter dem Schmerzgedächtnis versteht man das Phänomen, dass sich der Körper an Schmerzen erinnert. Auch wenn diese eigentlich gar nicht mehr da sein dürften, sendet er Signale ans Gehirn, dass es weiterhin weh tut.

Das passiert bei langanhaltenden oder wiederkehrenden Schmerzen. Sie werden chronisch und es entsteht ein Schmerzgedächtnis. Ist die Ursache beseitigt, bleiben die Schmerzen trotzdem.

Das Gemeine am Schmerzgedächtnis ist, dass es die Wirksamkeit von Schmerzmitteln herabsetzt. Hunde mit Schmerzgedächtnis brauchen bei einer Schmerztherapie oft länger, bis sich eine Besserung einstellt. Außerdem benötigen sie häufig höhere Dosen.

❓ Was tun, wenn sich keine Besserung einstellt?

Dein Seniorhund erhält Schmerztherapie, aber die Schmerzen scheinen zu bleiben? Dann erfährst du in den folgenden Unterpunkten, was du tun solltest.

#1: Abwarten

Schmerzmedikamente brauchen manchmal leider eine gewisse Zeit, um anzuschlagen. Ich weiß, dass es schwierig ist, das auszuhalten. Behalte deinen Hund daher gut im Auge. Wenn du den Eindruck hast, dass sich gar nichts tut oder es ihm sogar schlechter geht, frage deinen Tierarzt.

Normalerweise brauchen Schmerzmedikamente nur einige Tage oder höchstens eine Woche, um zu einer Besserung zu führen. Hat dein Hund allerdings bereits ein Schmerzgedächtnis entwickelt, dauert es möglicherweise länger.

Bis zu vier Wochen Wartezeit, damit die Medikamente Wirkung zeigen, sind hier nicht ungewöhnlich.

#2: Dosis anpassen

Schmerzmedikamente werden nach Gewicht dosiert. Allerdings gibt es individuelle Unterschiede im Bedarf. Dein Tierarzt wird daher vermutlich mit einer etwas geringeren Dosis beginnen und diese anpassen, wenn es nötig wird.

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Ganz wichtig: Die Dosis passt nur dein Tierarzt an, nicht du. Im Zweifel könntest du deinem Vierbeiner damit sogar schaden. Verändere also nicht auf eigene Faust seine Medikamente, sondern halte immer vorher Rücksprache mit deinem Tierarzt.

#3: Medikament wechseln

So wie die Dosis je nach Hund variieren kann, schlagen einzelne Medikamente bei deinem Hund möglicherweise schlechter an. Dann kann es nötig werden, das Schmerzmittel zu wechseln. Mit einem anderen Medikament stellt sich die Besserung mit Glück deutlich schneller ein.

Eine Übersicht über die verfügbaren Schmerzmittel in der Tiermedizin findest du auf der Internetseite der Bundestierärztekammer. Der Link führt dich auf die Unterseite „Leitlinien“. Die Übersicht zu den Schmerzmitteln als Download findest du unter „Klein-/Heimtiere“.

#4: Schmerzauslöser meiden

Bei starken Schmerzen kann es sein, dass diese nicht ausreichen, um deinen Hund schmerzfrei zu bekommen. In Belastungssituationen tun deinem Hund trotz Medikamente bestimmte Körperregionen weh.

Dann ist es wichtig, diese Schmerzauslöser zu vermeiden. Solche Schmerzauslöser sind bei Seniorhunden zum Beispiel

  • schnelle Starts und Stopps,
  • Treppensteigen,
  • verdrehte Körperhaltungen,
  • Springen (im Spiel, ins Auto, etc.)
  • bei organischen Problemen bestimmte Futtermittel oder große Futterportionen und
  • sehr hohe oder niedrige Temperaturen.

Fazit

Ist eine Operation aufgrund des hohen Alters des Hundes nicht mehr möglich, ist die Schmerztherapie eure beste Option. Sie gibt deinem Hund Lebensqualität wieder, hält seinen Bewegungsapparat fit und beugt Folgeerkrankungen vor. Wie sinnvoll eine Schmerztherapie ist, entscheidet aber immer der Einzelfall.

Um Langzeitschäden an den Organen deines Seniors musst du dir, meiner Meinung nach, keine allzu großen Gedanken machen. Ist dein Hund schon wirklich alt, soll er lieber schmerzfrei sein. Dass die Medikamente auf Dauer seine Leber belasten, ist für mich da zweitrangig.

Häufig gestellte Fragen

Wie verhält sich ein alter Hund, wenn er Schmerzen hat?

Ein Alter Hund wird bei Schmerzen Bewegungsunlust zeigen, sich allgemein langsamer bewegen und keine Freude mehr am Spiel haben. Nachts sucht er möglicherweise häufiger einen neuen Schlafplatz und zieht besonders warme oder kühle Orte seinen üblichen Liegeplätzen vor.

Wie lange kann ich meinem Hund Schmerzmittel geben?

Bei chronischen Schmerzen ist manchmal eine dauerhafte Therapie mit halbjährlichen Blutkontrollen nötig. Dadurch würde dein Tierarzt Organbelastungen durch die Medikamente frühzeitig erkennen, nicht aber die Schmerztherapie unnötig machen.

Welche Schmerzmittel für alte Hunde?

Die Wahl des Schmerzmittels kommt auf die Ursache und Stärke der Schmerzen an. Opioide gibt man bei starken Schmerzen, nicht steroidale Antirheumatika kommen beispielsweise bei Arthrose und Zahnschmerzen zum Einsatz.

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