Ketone im Urin beim Hund: Gefährlich oder Unbedenklich?

ketone im urin hund

Den Urin mit einem Teststreifen auf ungewünschte Stoffe zu untersuchen, geht einfach und schnell.

Umso besser ist es, wenn man dabei direkt eine sichere Diagnose stellen kann.

Blut, Zucker und Eiweiß – damit können die meisten Hundehalter noch etwas anfangen. Aber was waren noch mal Ketone und ist es gefährlich, wenn sie im Hundeurin nachweisbar sind?

Gab es da nicht einen Zusammenhang zu Diabetes?

Diese und alle weiteren Fragen zum Thema „Ketone im Hundeurin“ beantworte ich dir hier.

Was sind Ketone?

Ketone sind chemische Verbindungen, die aus mindestens drei Kohlenstoffatomen bestehen. Ein Beispiel für ein Keton ist Aceton.

Ketone, auch Ketonkörper genannt, entstehen beim Fettstoffwechsel. Musst du deine Fettreserven angreifen, wandern die Fettsäuren in die Leber.

Um sie nutzbar zu machen, werden sie zu Ketonkörpern umgewandelt. Diese dienen als alternative Energiequelle zu Zucker, sind aber deutlich schwieriger herzustellen.

Deswegen ist zunehmen so leicht, aber abnehmen so schwer.

Mehr über Ketone und wie man sie nachweisen kann, verrät dir dieses Video.

Ketose schnell und einfach messen!- Ketone im Urin im Atem und im Blut

Die Werte beziehen sich aber auf einen gesunden Menschen, der die Ketose, also den Zustand, dass Fett zu nutzbarer Energie umgewandelt wird, bewusst herbeiführt.

Wie viele Ketonkörper sollten im Hundeurin nachweisbar sein?

Sehr geringe Mengen an Ketonkörpern im Blut sind normal. Der Fettstoffwechsel kommt nicht völlig zum Erliegen, auch wenn dein Hund genug Futter bekommt.

Das ist auch gar kein Problem. Im Urin kommen Ketone aber eigentlich nur bei einer Krankheit oder langem Hungerzustand vor. Gesunde Hunde sollten gar keine Ketone im Urin haben.

Der Urinteststreifen sieht für Ketone ein Feld mit sechs möglichen Ergebnissen vor:

  • negativ,
  • Spuren von Ketonen,
  • +,
  • ++,
  • +++ und
  • ++++.

Für welche Konzentrationen an Ketonkörpern die Plus-Zeichen stehen, musst du auf der Verpackung der Urinsticks nachschauen.



Häufig werden sie in mg/dl angegeben. Ein negatives Ergebnis ist hellbeige. Je mehr Ketone nachweisbar sind, desto kräftiger färbt sich das Feld pink.

Ärzte nennen das Vorkommen von Ketonen im Urin auch Ketonurie.

Scheint dein Hund Ketone im Urin zu haben, wirf einen Blick auf den pH-Wert und das Feld für Glukose.

Die drei Werte sollten immer zusammen betrachtet werden. Sie sind wichtig für die Stellung einer Diagnose.

Ketone sind sauer. Der pH-Wert des Urins sollte daher bei hoher Konzentration an Ketonkörpern ebenfalls auffällig sein. Glukose und Ketone kommen häufig gemeinsam im Urin vor.

Es kann aber auch sein, dass das Feld für Glukose falsch negativ bleibt, wenn die Konzentration an Ketonkörpern besonders hoch ist (Quelle).

Lies auch:  Alles was Du über Protein im Hundeurin wissen musst

Ein einzelnes, positives Ergebnis muss nicht bedeuten, dass dein Hund schwer krank ist. Schon das Trinkverhalten deines Hundes kann die Konzentration an Ketonen im Urin beeinflussen.

Eine Messung später am Tag hätte womöglich zu einem unauffälligen Ergebnis geführt.

Ursachen für Ketone im Urin deines Hundes

Bleibt der Teststreifen auffällig, gilt es, die Ursache für die Ketonkörper im Urin herauszufinden. Wahrscheinlich ist es eine der folgenden:

  • Diabetes,
  • andauernder Hungerzustand,
  • heftiges, anhaltendes Erbrechen,
  • hohes Fieber,
  • sehr fettreiche Ernährung oder
  • normale Folge einer großen Verletzung oder Operation.

Am häufigsten kommen die Ketonkörper durch Diabetes oder Hunger zustande. Beim Diabetes liegt das daran, dass dein Hund den Zucker, den er zu sich nimmt, nicht mehr verwerten kann.

Ihm fehlt das Hormon Insulin, das unbedingt für den Zuckerstoffwechsel benötigt wird.

Sein Körper verfällt daher in einen Hungerzustand, als würde er nicht zu fressen bekommen. Der Fettstoffwechsel wird angekurbelt, sodass vermehrt Ketonkörper entstehen.

Für gesunde Hunde ist das kein Problem. Sie verwerten die Ketone, um die Hungerphase zu überwinden. Diabetiker können durch die sauren Verbindungen in ihrem Blut aber übersäuern.

Eine lebensgefährliche Ketoazidose droht.

Bei länger andauerndem Erbrechen kommen die Ketone ebenfalls aufgrund von Hunger in den Urin. Das erbrochene Futter kann schließlich nicht verwertet werden.

Fieber beeinflusst den Zuckerstoffwechsel, was ebenfalls zur vermehrten Bildung von Ketonkörpern führen kann.

Eine fettreiche und kohlenhydratarme Ernährung überspringt quasi den Zuckerstoffwechsel. Weil dein Hund keine schnell verfügbare Energie in Form von Zucker bekommt, ist er gezwungen, Fett zu benutzen.

Große Verletzungen oder Operationen belasten deinen Hund natürlich auch. Kurzzeitig kann es daher während der Heilung zu erhöhten Ketonwerten im Urin kommen, die unbedenklich sind.

Normalerweise verschwinden die Ketonkörper von alleine wieder.

Symptome

Ein eindeutiges Symptom, auf das du bei vermuteter Ketonurie achten solltest, ist ein beißend süßer Geruch.

Dein Hund versucht, die Ketone irgendwie aus seinem Körper zu bekommen. Deswegen riecht er aus dem Maul nach Aceton.

Aceton riecht wie vergorene Früchte. Denke an einen heißen Tag im Spätsommer. Du stehst unter einem Obstbaum, der schon einiges an Früchten auf der Erde verteilt hat.

Alles ist voll mit Wespen und bei jedem Schritt zermatscht man überreifes Obst. So ähnlich musst du dir den Geruch vorstellen, der aus Bellos Maul strömt.

Je nach Ursache für die Ketonkörper im Urin kommt es zusätzlich zu weiteren Symptomen.

Diabetes

  • vermehrter Hunger, trotzdem Gewichtsverlust
  • vermehrter Durst
  • Müdigkeit
  • Linsentrübung
  • Krämpfe

Hunger

  • Unruhe
  • Aggressivität oder Anspannung
  • Magenknurren
  • Krämpfe
  • Fressen oder Ankauen von Gegenständen
  • Gewichtsverlust

Erbrechen und Fieber

Bei Erbrechen und Fieber kommt es zu unterschiedlichen, weiteren Symptomen, je nach ursächlicher Erkrankung. Dazu gehören

  • weitere Verdauungsbeschwerden,
  • Schmerzen,
  • Apathie und
  • Futterverweigerung.
Lies auch:  Bilirubin im Hundeurin: Deshalb solltest Du dringend zum Tierarzt

Fettreiche Ernährung

  • Übergewicht
  • verringerte Leistungsfähigkeit
  • Gelenkprobleme
  • Herz-Kreislauf-Probleme

Gibt es falsch positive/negative Ergebnisse?

Ja, beides ist möglich. Deswegen darf ein einzelnes, auffälliges Ergebnis nicht überinterpretiert werden. Sicherer ist immer, weitere Diagnostik zu nutzen und den Urinstick einen Tag später zu wiederholen.

Falsch positiv

Zu falsch positiven Ergebnissen komme es durch

  • Sulfhydryl,
  • Phenylketone und
  • Phthaleinen.

Sulfhydryl ist eine chemische Verbindung von Schwefel- und Wasserstoffatomen. Die Verbindungen sind wichtig für Proteine und kommen in Milchprodukten und auch im Stinktiergeruch vor.

Phenylketone entstehen bei einer Störung des Aminosäure-Stoffwechsels. Dadurch reichert sich die Aminosäure Phenylalanin an, weil ein Enzym fehlt, durch diese sie zu Tyrosin abgebaut werden könnte.

Phenylketone färben das Feld für Ketone ein, obwohl dein Hund nicht an einer Ketonurie, sondern einer
Phenylketonurie leidet.

Phthaleine sind synthetische Farbstoffe. Urin wird manchmal eingefärbt, um bestimmte Bestandteile besser sichtbar zu machen.

Möchte man anschließend einen Urinstick verwenden, sind einige Felder, beispielsweise das für Ketone, nicht mehr nutzbar.

Falsch negativ

Falsch negative Ergebnisse entstehen durch

  • fehlerhafte Teststreifen,
  • verdünnten Urin,
  • Buttersäure und
  • stark trüben Urin.

Zu Teststreifenfehlern kann es immer mal kommen. Sie müssen speziell gelagert werden, haben ein Ablaufdatum und dürfen nur eine gewisse Menge Urin aufsaugen.

Zusätzlich kann es auch ohne Fehler in der Handhabung oder Lagerung zu Problemen kommen. Vielleicht sind einzelne Teststreifen einfach defekt.

Nimmt dein Hund viel Wasser zu sich, wie es bei unbehandeltem Diabetes häufig vorkommt, wird sein Urin immer dünner. Das Feld für Ketone bleibt dann möglicherweise negativ, obwohl sie vorhanden sind, nur eben zu verdünnt.

Buttersäure kommt in geringen Mengen in Schweiß vor. Das ist ein Grund, weswegen in Laboren immer Handschuhe getragen werden.

Zu trüber Urin führt ebenfalls zu falsch negativen Ergebnissen. Die Trübung stört die Einfärbung des Testfeldes, sodass es beige bleibt, anstatt pink zu werden.

Zum Tierarzt, weil der Hund Ketone im Urin hat?

Bedenke beim Benutzen der Teststreifen in Eigenregie, dass du niemals die Bedingungen eines Labors nachstellen kannst. Fehler passieren bei dir daher häufiger und schneller als bei deinem Tierarzt.

Ein einzelnes, auffälliges Ergebnis für Ketone im Hundeurin solltest du daher zwar beobachten, aber nicht überinterpretieren.

Schlägt der Teststreifen am nächsten Tag wieder aus, suche besser deinen Tierarzt auf. Er wird deinen Hund durchchecken. Das ist wichtig, weil Ketone im Urin auf Diabetes hindeuten könnten.

Hunde erkranken fast nur an Typ-1-Diabetes. Ist das der Fall, brauchen sie unbedingt Insulin. Ansonsten fallen sie in ein diabetisches Koma und würden daran versterben.

Diabetes lässt sich eindeutig über einen Glukosetoleranztest nachweisen. Dafür wird der Blutzucker von deinem Hund gemessen. Anschließend erhält er eine Glukoselösung. Eine Stunde später wird wieder sein Blutzucker gemessen.

Lies auch:  Blut im Urin – das sind mögliche Ursachen

Bei einem gesunden Hund sollte der Blutzucker nicht über 130 mg/dl steigen (Quelle). Leidet dein Hund an Diabetes, sind Werte jenseits der 300 mg/dl nicht ungewöhnlich.

Prognose

Diabetes ist gut behandelbar.

Es wird eine Weile dauern, bis dein Hund auf Insulin eingestellt ist. Aber danach hat er ein ganz normales Hundeleben vor sich. Natürlich ist das auch für dich eine Umstellung, weil du deinem Vierbeiner regelmäßig Insulin spritzen musst.

Aber keine Sorge, das klingt viel schlimmer als es ist.

Auch die übrigen Ursachen für Ketone im Urin lassen sich gut beheben. Eventuell musst du das Futter deines Hundes anpassen oder er benötigt Medikamente, um eine Infektion zu bekämpfen.

Nach einer größeren Verletzung reicht meistens etwas Zeit, um sich zu erholen.

Folgen ausbleibender Behandlung

Diabetes führt unbehandelt mit der Zeit zum Tod. Eine Futterumstellung reicht bei Hunden in den seltensten Fällen aus.

Bei Typ-1-Diabetes kommt die Insulinproduktion vollständig zum Erliegen. Die Tiere brauchen Ersatz.

Frisst dein Hund nicht mehr und hat deshalb Ketone im Urin, könnte er irgendwann verhungern. Auch da muss ein Tierarzt die Ursache herausfinden, um deinem Vierbeiner helfen zu können.

Unbehandelte Infektionen können sich ausbreiten. Je nach Virus und Bakterium besteht irgendwann sogar Lebensgefahr.

Falsche, fettreiche Ernährung führt zu gesundheitlichen Folgen wie Gelenkschäden und Herzproblemen. Diese schränken die Lebensqualität deines Hundes ein und können sogar seine Lebenszeit verkürzen.

Was bedeuten Ketone im Urin beim Hund – Das Fazit

Ketone im Urin sind nicht zu unterschätzen. Sie deuten meist auf Diabetes oder anhaltenden Hunger hin. Letzterer lässt sich scheinbar leicht beheben.

Aber wenn der Vierbeiner partout nicht fressen mag, kommst du auch dabei nicht um einen Tierarztbesuch herum.

Auffällige Ketonwerte solltest du immer zusammen mit dem pH-Wert und dem Feld für Glukose betrachten. Die drei beeinflussen sich gegenseitig.

Solange du deinen Hund nicht untersuchen lässt, kannst du nicht ausschließen, dass er an Diabetes leidet. Befrage daher besser deinen Tierarzt, um die Ursache auszuschließen.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Ketone sollte ein Hund im Urin haben?

Gar keine. Ketone im Urin deuten auf ein gesundheitliches Problem hin.

Wie erkenne ich ohne Urinstick, ob mein Hund Ketone im Urin hat?

Ein Hinweis kann ein beißend süßlicher Geruch aus dem Maul deines Hundes sein, der durch Aceton, ein Keton, entsteht. Sicher weist das aber nur eine Urinuntersuchung beim Tierarzt nach.

Deuten Ketone im Urin auf Diabetes hin?

Ja, das ist möglich. Ketone entstehen beim Fettstoffwechsel, der bei diabeteskranken Hunden aus dem Gleichgewicht gerät.

Ähnliche Beiträge