Ein Zweithund zieht ein – 7 Tipps für die Eingewöhnung

zweithund zieht ein

Hunde sind Rudeltiere. Neben Interaktionen mit ihren Menschen brauchen sie ausreichend Kontakt mit Artgenossen, um zu spielen, toben oder sich zu streiten. Das heißt aber nicht, dass sie jeden fremden Vierbeiner in ihrem Revier akzeptieren.

Möchtest du dir einen Zweithund anschaffen, musst du bei der Zusammenführung daher einiges beachten.

Dieser Artikel gibt dir Hilfestellung, wie du das Kennenlernen der Tiere unterstützt und Konflikte vermeidest. Du erfährst, wie du die Zusammenführung gestalten solltest und was du tust, wenn es zu Streitigkeiten kommt.

Zweithund zieht ein: So klappt das Zusammenführen

Bevor ein zweiter Hund ins Haus einzieht, solltest du ein paar Vorbereitungen treffen, um das Konfliktpotenzial zu senken. Schaffe dafür alle Spielzeuge deines Hundes weg. Achte auch darauf, dass unterm Sofa kein angekautes Schweineohr liegt.

Um deinen Hund auf den Neuankömmling vorzubereiten, kannst du vor seinem Einzug einen zweiten Napf und Schlafplatz aufstellen.

Wenn du hast, lasse einen Gegenstand, der nach dem Zweithund riecht, in deinem Zuhause liegen. So gewöhnt sich dein Ersthund schon mal an den Geruch in seinem Reich.

Die Zusammenführung von Ersthund und Zweithund: Schritt für Schritt

ersthund und zweithund leben harmonisch im rudel

Vorab: Es gibt dafür kein Patentrezept. Wie die Zusammenführung bei dir aussieht, hängt von vielen Faktoren ab.

  • Charakter,
  • Alter und
  • räumliche Möglichkeiten

nehmen Einfluss darauf. Die Zusammenführung eines ausgewachsenen Hundes und eines Welpen kann ganz anders verlaufen als die zweier erwachsener Tiere. Kennen sich die Vierbeiner schon lange, ist der Einzug von Nummer 2 normalerweise auch kein Problem mehr.

Zur Sicherheit solltest du dafür sorgen, dass du oder eine andere erwachsene Person im Haushalt Urlaub hat. Die Zusammenführung kann zwei bis drei Wochen dauern. Es wäre gut, wenn die Hunde in dieser Zeit noch nicht unbeaufsichtigt sind.

1.: Erste Begegnung auf neutralem Boden

zwei hunde treffen sich zum ersten mal auf neutralem boden

Damit das Zusammenleben friedlich beginnt, sollten sich die Hunde unbedingt vorher kennenlernen. Es gibt Vierbeiner, die sich einfach nicht ausstehen können und das ist völlig okay. Schlecht wäre es nur, wenn ihr das erst feststellt, wenn ihr euch für den Zweithund entschieden habt.

Trefft euch daher für einen Spaziergang, der euch idealerweise an einer eingezäunten Freilauffläche für Hunde vorbeiführt. So können sich die Fellnasen direkt ohne Leine beschnüffeln. Ihr werdet merken, ob sich die beiden grün sind.

Plant vor dem Einzug ruhig mehrere solcher Treffen. Je besser sich die Hunde kennen, desto sicherer könnt ihr euch sein, dass das Zusammenleben harmonisch laufen wird.

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Bonustipp für Wasserratten

zwei hunde spielen im wasser

Gehen beide Hunde gerne baden, habt ihr Glück. Verbindet die ersten Begegnungen mit einem Badeausflug. Das Wasser entspannt und verhindert mögliche Konflikte. Dadurch verbinden die Tiere nichts Negatives miteinander.

2.: Gemeinsam ankommen

zwei hunde auf der wiese

Ist der große Tag gekommen, zieht ihr am besten alle gemeinsam los. Auch euer Ersthund kommt mit, um den Zweithund abzuholen. Das ist wichtig, damit ihr beim Heimkommen keinen Eindringling in sein Revier mitbringt.

Ihr kommt stattdessen alle gemeinsam an. Dadurch empfindet euer Ersthund das neue Mitglied im Rudel nicht als Bedrohung.

Lasst die beiden ruhig angeleint, bis ihr drinnen seid. Dabei darf der Ersthund ein paar Schritte vor dem Zweithund gehen und sein Reich als erster betreten. Dieser Abstand stört das „gemeinsame Ankommen“ nicht.

3.: Dabei bleiben und auf Signale achten

zwei hunde tollen zuhause

Die ersten Stunden sind für euren neuen Zweithund sehr aufregend. Je nach Charakter wird er alles neugierig beschnüffeln oder aber sich zurückziehen, um den Umzug zu verarbeiten. Beides ist völlig okay.

Achte aber darauf, dass immer jemand in Reichweite ist. Die Hunde sollten noch nicht unbeaufsichtigt sein.

Behalte dabei auch die Körpersprache der Tiere im Blick. Ist der neue Hund mit der Situation überfordert, gib ihm Raum. Verhindere, dass er von deinem Ersthund oder Personen im Haushalt bedrängt wird.

Verfügt dein Haus über halbhohe Türen oder Babygitter, kannst du diese jetzt einsetzen. Die Hunde werden voneinander getrennt, können sich aber weiterhin sehen. So kannst du auch mal für fünf Minuten den Raum verlassen, ohne Streitereien zu befürchten.

4.: Der Zweithund bekommt keine Sonderbehandlung

ersthund und zweithund streiten sich um das spielzeug

Der Tag des Einzugs ist für deinen Zweithund natürlich anstrengend. Trotzdem solltest du ihm nichts durchgehen lassen, wofür du mit deinem Ersthund schimpfen würdest.

Du musst nicht direkt mit derselben Härte vorgehen. Springt der Zweithund übereifrig aufs Sofa, schickst du ihn sofort herunter. Das reicht für den ersten Tag aus.

Dein Ersthund würde die Sonderbehandlung sofort bemerken. Das führt schnell zu Eifersucht untereinander. Es kann für deinen Ersthund schon schwierig genug sein, dich von nun an teilen zu müssen. Gib ihm keinen Anlass, den Zweithund zusätzlich als Rivalen zu betrachten.

5.: Grenzen des Ersthundes wahren

Hund liegt im Hundebett
Filmbildfabrik / Shutterstock.com

Manchen Hunden macht es gar nichts aus, wenn ein Artgenosse in ihrem Körbchen liegt. Andere brauchen sogar einen eigenen Wassernapf. Weißt du um diese Bedürfnisse bei deinem Hund, achte darauf, dass sie der Zweithund nicht missachtet.

Ist deinem Ersthund sein Schlafplatz heilig, hat der Zweithund sich dort fernzuhalten.

Du wirst höchstwahrscheinlich nicht verhindern, dass sich die beiden darüber mal in die Haare bekommen. Das ist in Ordnung. Die Hunde müssen ihre Grenzen auch unter sich regeln. Lasse deinen Ersthund damit aber nicht allein. Setze dich für ihn ein, wenn du kannst.

Natürlich musst du dem Zweithund dafür gleichwertige Alternativen bieten. Sind für ihn keine Liegeplätze übrig, hat er ja keine andere Wahl, als die des Ersthundes zu benutzen.

6.: Getrennte Fütterung

ersthund und zweithund werden gemeinsam gefüttert

Hunde können ganz fürchterlich futterneidisch werden. Daher rate ich dir, deine beiden Hunde so lange getrennt zu füttern, bist du sie sicher einschätzen kannst.
Trenne beide voneinander. Dein Ersthund bekommt sein Futter als Erstes an seinem gewohnten Platz. Dann ist der Zweithund dran.

Beide dürfen sich dabei ruhig sehen, solange sie nicht zueinander kommen. Ich kenne mehrere Hundehalter, die das über halbhohe Gartentore, die sie anstatt Türen in ihrem Haus montiert haben, lösen. Die Hunde fressen getrennt, sind aber nah beieinander. Keiner muss Angst haben, dass der sich der andere am eigenen Futter vergreift.

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Haben sie aufgefressen, dürfen sie die Plätze tauschen. Dabei ist es auch okay, wenn sie den Napf des jeweils anderen auslecken. Die Hunde finden es meistens ganz spannend, beim Artgenossen zu schauen, ob er etwas übersehen hat.

Natürlich geht das nicht, wenn einer der beiden spezielles Futter braucht oder Medikamente über sein Futter erhält.

7.: Alltag einziehen lassen

spaziergang mit zwei hunden

Der erste Tag wird noch holprig verlaufen. Die ersten Spaziergänge mit zwei Leinen sind auch gewöhnungsbedürftig. Dennoch solltest du deinen gewohnten Alltag beibehalten. Rituale sind nicht nur für deinen Ersthund wichtig. Sie geben auch deinem Zweithund Sicherheit. Er findet sich mit festen Zeiten für Mahlzeiten und Spaziergängen schneller bei dir zurecht.

In dieser Zeit kann es zu kleineren Streitigkeiten um Schlafplätze, Spielzeug und Futter kommen. Das ist normal. Die Hunde müssen sich aneinander gewöhnen. Inwieweit sie dabei eine Rangordnung klären müssen, ist fraglich.

Wissenschaftler gingen lange davon aus, dass Wölfe ihre Rangordnung in blutigen Kämpfen ausloten. Natürlich kommt es zu solchen Kämpfen. Sie sind aber nicht die Regel. Vielmehr sind die Elterntiere, die ältesten eines Wolfsrudels, automatisch die Anführer (Quelle).

Die fast ausgewachsenen Jungtiere haben gegenüber den kleinen Geschwistern auch mehr zu sagen. Klingt logisch, oder?

Kleine Streitigkeiten sind also normal und helfen deinen Hunden auch beim Kennenlernen. Plane vielleicht längere Spaziergänge ein. Die gemeinsame Bewegung fördert die Kennenlernphase und glättet Wogen.

Die zwei Hunde ignorieren sich – Ist das gut oder schlecht?

Es kann passieren, dass sich die beiden Hunde während der ersten Tage der nach dem Einzug völlig ignorieren. Sie schnüffeln nicht aneinander, spielen nicht, knurren sich aber auch nicht an. Sie tun einfach so, als wäre der andere Luft.

Dieses Verhalten kann man nicht eindeutig als gut oder schlecht bewerten. Es ist möglich, dass die beiden einfach gerade kein Interesse an Kontakt haben.

ersthund und zweithund streiten sich

Möglicherweise braut sich aber auch etwas zusammen und es ist eine Frage der Zeit, bis einer der beiden explodiert. Behalte sie daher genau im Blick. Du erkennst an ihrer Körpersprache, ob sie die Anwesenheit des Artgenossen stört.

  • Hochgezogene Lefzen,
  • eine steife Rute und
  • aufgestelltes Nackenfell

sind beispielsweise Zeichen für die Ruhe vor dem Sturm.

Gute Zeichen hingegen sind:

  • beiläufiges Beschnuppern,
  • ruhiges aneinander vorbeigehen und
  • liegen bleiben, wenn der andere näherkommt,

In diesem Video lernst du mehr über die Kommunikation zwischen Hunden.

Hunde Körpersprache - lesen und verstehen & die Kommunikation zwischen Hunden / Nature Trails

Was kann im schlimmsten Fall passieren?

Eine Zusammenführung kann auch schiefgehen. Das ist aber nur selten der Fall. Normalerweise kannst du als Besitzer deinen Hund gut einschätzen. Du erkennst, ob er den Zweithund mag oder nicht.

Aber natürlich kann man auch mal falsch liegen. Oder es kommt zu einem dummen Zufall, vergessenes Spielzeug oder Futter, und die Hunde bekommen sich in die Haare.

Das ist noch gar nicht das Schlimmste. Solche Reibereien enden meist sehr schnell und ohne ernste Verletzungen. Schlechter wäre eine richtige Beißerei oder ihr stellt fest, dass die Hunde doch nicht zueinanderpassen. Dann ist ein Zusammenleben auf Dauer unmöglich. Der Zweithund muss wieder in sein vorheriges Zuhause.

So ein Hin und Her ist für Hunde schwierig. Zwar leiden sie vermutlich nicht an Heimweh, zumindest gibt es keine Studien, die das beweisen. Aber ein sicheres Zuhause ist trotzdem wichtig für sie.

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Übrigens kennen Hunde zwar vermutlich kein Heimweh, sie können es aber beim Menschen heilen. Zu diesem Ergebnis kam eine kanadische Studie.

Solltest du eingreifen, wenn die Hunde aneinandergeraten?

zwei hunde streiten sich

Wenn es für Prävention zu spät ist, stellt sich diese Frage. Eine eindeutige Antwort gibt es darauf leider nicht. Denke auch an deine eigene Sicherheit. Zwei kämpfende Hunde nehmen ihre Umwelt nicht mehr wahr. Sie beißen einfach, was in ihre Reichweite gerät.

Wovon ich dir abraten würde, ist die Flasche Wasser, die im Internet als Tipp kursiert. Wenn es nicht eine halbe Badewanne ist, die du auf den Hunden ausleerst, haben die paar Tropfen keinen Effekt.

Was helfen kann: beide Hunde gleichzeitig an den Hinterbeinen hochheben, bis auch die Vorderbeine nicht mehr auf dem Boden stehen. Viele Hunde lassen dann voneinander ab und ihr habt Zeit, die beiden zu sichern. Dafür brauchst du aber einen Partner und es klappt natürlich nur bei kleineren Rassen.

Auf keinen Fall solltest du die Tiere anschreien oder Gewalt anwenden. Schläge und Tritte ordnet der Hund seinem Artgenossen zu. Das steigert seine Aggression nur.

Ersthund und Zweithund zusammenführen: Das Fazit

Auch wenn ich dir hier einen Plan präsentiere, ist das keine Garantie, dass die Eingewöhnung bei dir glattläuft. Hunde sind nun mal verschieden.

Können sie sich absolut nicht leiden, solltest du die Zusammenführung abbrechen. Es gibt auch Charaktere, die lieber Einzelhund bleiben wollen. Zwinge deinen Vierbeiner nicht in eine Rolle, die er nicht erfüllen kann.

Am wichtigsten sind mir bei der Eingewöhnung Zeit und Aufmerksamkeit. Verhindere größere Konflikte, bevor sie entstehen. Deine Hunde werden sich mal in die Haare bekommen.

Aber verläuft das erste Aufeinandertreffen weitestgehend konfliktfrei, erhöht das die Chancen, dass sich die Vierbeiner gut verstehen.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert die Eingewöhnung eines Zweithundes?

Pauschal lässt sich das nicht beantworten, aber du solltest zwei bis drei Wochen Urlaub einplanen. Achte auch darüber hinaus intensiver auf die beiden, bis sie sich vollständig aneinander gewöhnt haben.

Ist ein Zweithund immer sinnvoll?

Es gibt Hunde, die als Einzelhund glücklicher sind. Du kennst deinen Hund am besten und kannst einschätzen, ob er von einem Artgenossen profitieren würde.

Auf neutralem Boden haben sich die Hunde gut verstanden, aber seit der Zweithund eingezogen ist, gibt es ständig Reibereien. Ist das normal?

Die Situation ist für beide Hunde eine Umstellung. Reibereien, sofern es nicht zu Beißereien kommt, sind da normal, sollten aber gut beobachtet und idealerweise vorab durch dich verhindert werden.

Wie lange dauert die Eingewöhnung des Zweithunds?

Die Eingewöhnung des Zweithunds kann zwar eine Herausforderung sein, aber mit Geduld, Optimismus und Hingabe kann diese Phase schneller als erwartet überwunden werden! Jeder Hund ist einzigartig und es kann zwischen 1-3 Monaten dauern, bis die Eingewöhnung abgeschlossen ist. Sei dabei stets geduldig, liebevoll und konsequent – gemeinsam könnt ihr es schaffen, ein harmonisches Zusammenleben zu erreichen. 

Was muss ich beachten wenn ein zweiter Hund einzieht?

Wenn Du planst, einen zweiten Hund ins Rudel aufzunehmen, ist es wichtig, einige wesentliche Punkte zu beachten. Achte darauf, die richtige Rasse, das Geschlecht und das Alter des neuen Hundes sorgfältig auszuwählen und investiere Zeit in die schrittweise Einführung in ihr neues Zuhause. Gib beiden Hunden genügend Aufmerksamkeit und Raum, um eine freundschaftliche und respektvolle Beziehung aufzubauen.

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