Hund alleine lassen – Wie lange ist vertretbar?

Hund alleine lassen

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nur mehr schwer“, so könnte man das bekannte Sprichwort umwandeln, wenn es darum geht einem Hund das Alleinsein beizubringen.

„Muss ich meinen Hund alleine lassen?“ Grundsätzlich nicht, aber manchmal haben wir Verpflichtungen oder Besorgungen zu erledigen und nicht immer können wir unseren Vierbeiner überall hin mitnehmen. Und insgeheim glaube ich, mein Bello genießt es auch mal seine Ruhe vor mir zu haben 🙂

Am besten beginnst du schon in jungen Jahren mit dem Training dafür. Schritt für Schritt lernst du dem Hundebaby seinen Trennungsschmerz zu überwinden und ganz entspannt deiner Rückkehr entgegenzusehen.

Wie ein Welpe lernt, alleine zu Hause zu bleiben

Wenn ein kleiner Welpe bei dir zu Hause einzieht, geht es dir vermutlich wie den meisten anderen frisch gebackenen Hundeeltern: Am liebsten würdest du das Fellknäuel überall hin mitnehmen. Schließlich kannst du dich in das junge Tier hineinversetzten, das gerade den Trennungsschmerz von den Geschwistern und der Mama durchmachen muss.

Doch dem Baby keine Grenzen zu setzen, es im Bett schlafen und auf die Toilette mitkommen zu lassen ist nicht der richtige Weg. Gleich von Beginn an soll der Vierbeiner die Grenzen kennen, die später einmal für ein harmonisches Zusammenleben sorgen. Auch wenn dich der neue Mitbewohner mit seinem treuherzigen Blick garantiert verzaubert, konsequentes Verhalten von deiner Seite macht dem Tier klar, dass du der Rudelführer bist.

Selbst wenn du dir die erste Woche nach der Ankunft des Hundes Urlaub genommen hast und rund um die Uhr für den Liebling da bist. Irgendwann kommt der Tag, da musst du wieder zurück zur Arbeit und den Hund alleine lassen.

Wie auch der bekannte Hundeprofi Martin Rütter in diesem Beitrag erklärt, liegt das Alleinebleiben nicht in der Natur der Tiere. Als Rudelmitglieder sind sie es von ihrer Geschichte her gewohnt, immer Artgenossen um sich zu haben.

In kleinen Schritten zum Ziel

Dennoch kannst du mit dem Vierbeiner schon von Kindesbeinen an trainieren, einige Zeit alleine zurechtzukommen. Wie in allen Belangen der Hundeerziehung führen auch dabei kleine Schritte zum Ziel.

Zunächst einmal geht es darum, dem Welpen klarzumachen dass er in einem anderen Raum bleiben muss wenn du ihn nicht dazu einlädst dich zu begleiten. Eine ganz wichtige Regel lege ich dir ans Herz: Mach kein Drama darum, sonst glaubt Bello es handelt sich um etwas Außergewöhnliches.

Geh in ein anderes Zimmer, schließe die Türe und komm gleich wieder zurück. Am Anfang sind es nur wenige Sekunden um dem Vierbeiner zu signalisieren dass du ohnehin sofort wieder kommst. Nach einigen Malen wird dein Liebling vermutlich nicht einmal den Kopf heben, wenn du den Raum verlässt.

Beim Training für das Alleine Bleiben solltest du jedoch die Intelligenz deines Hundes nicht unterschätzen. Sie haben bald raus, dass du die Zeitspanne kontinuierlich verlängerst. Selbst wenn du schon ohne Probleme 15 Minuten wegbleiben konntest, komm beim nächsten Mal schon nach zwei Minuten zurück. Auch beim Zurückkommen lohnt es sich, kein Aufheben darum zu machen. Schließlich soll das Alleine bleiben später ganz selbstverständlich werden.

Viel Geduld beim Training mit erwachsenen Hunden

Noch mehr Zeit als ein Welpe benötigen erwachsene Hunde, die bisher nicht gewohnt waren einige Zeit zu Hause alleine zu verbringen. Besonders viel Geduld benötigen Tierheimhunde: Wenn du ein armes Tier rettest, erfährst du oft nur wenig über seinen Vorgeschichte. Manche haben große Schwierigkeiten, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden, geschweige denn entspannt auf dem Platz zu liegen während du einkaufen oder arbeiten gehst.

Reagiert der erwachsene Bello mit Panik, wenn du zum Wohnungs- oder Autoschlüssel greifst weil er damit Alleinebleiben verbindet? Dann packst du am besten deine Handtasche so als ob du dich zur Arbeit fertigmachen würdest, geh damit in die Küche oder auf die Toilette und tauche nach zwei Minuten wieder auf. Dann verknüpft das Tier nach einiger Zeit diese so genannten Schlüsselreize nicht mehr mit etwas Negativem.

Tipps wenn dein Hund länger alleine bleiben muss

Einen kleinen Welpen lässt du besser nur zum Training für einige Minuten alleine. Erst ab einem Alter von rund fünf Monaten kannst du den Zeitraum schrittweise ausdehnen.

Spaziergang

Im Idealfall habt ihr davor einen ausgedehnten Spaziergang unternommen, wo sich Bello nach Herzenslust austoben konnte. Und hoffentlich ist er bereits stubenrein 😉

Dann ist der Vierbeiner ohnehin müde und verschläft friedlich einige Stunden. Einer der Gründe warum manche Hunde während der Abwesenheit der Besitzer ihren Hang zur Kreativität ausleben und Gegenstände zerbeißen ist die Langeweile.

Beschäftigung

In diesem Video erfährst du, wie du deinen Liebling ausreichend beschäftigen kannst.

Für größere Hunde bieten sich Markknochen an: daran haben sie nämlich richtig lange zu kauen. Auch das beliebte Spielzeug Kong bietet einen sinnvollen Zeitvertreib, wenn du es mit Leckerchen befüllst. Es gibt jedoch auch Bälle und anderes Intelligenzspielzeug, wo du Futter versteckst und damit dem Tier die Langeweile vertreibst.

Ein wichtiger Tipp dazu: Wenn Du Futter als Beschäftigungstherapie einsetzt, reduziere besser gerade bei kleinen Rassen die Mahlzeiten. Ansonsten kann es sein, dass dein Bello unter dem Strich zu viel zu fressen bekommt und Speck ansetzt.

Ein Rückzugsort gibt Sicherheit

Voraussetzung dafür, dass dein vierbeiniger Mitbewohner entspannt alleine bleibt ist, dass er an einen Rückzugsort gewohnt ist. Seine Box oder sein Körbchen sollte von Beginn an positiv besetzt sein und als Ort verstanden werden, wo sich Bello sicher fühlt. Oft überträgt sich auch deine Unruhe auf das Tier. Wenn du schon den ganzen Morgen darüber grübelst, wie sich der Vierbeiner wohl alleine zurechtfindet, nimmt er mit seinen feinen Antennen deine Stimmung wahr.

Überwachung zur Kontrolle

Wenn du dir während deiner Abwesenheit ständig darüber Gedanken machst, was Wuff zu Hause wohl gerade anstellt, ist eine Überwachungskamera vielleicht die Lösung. Sie gewährt dir jederzeit über dein Smartphone einen Blick in dein zu Hause. Du hörst, wenn dein Schatz jault und kannst beruhigt sein, wenn du siehst wie er friedlich in seinem Körbchen schläft.

Nicht länger als 6 Stunden alleinsein

Wie lange Hunde alleine blieben können, hängt vom Charakter und der Auslastung des Tieres ab. Experten raten allerdings davon ab, das Tier länger als sechs Stunden am Stück alleine zu Hause bleiben zu lassen.

Hunde mit Verlustangst als besonders knifflige Fälle

Während manche Tiere gelassen über einige Stunden alleine bleiben, sind für andere wenige Minuten ein wahres Drama. Der Grund dafür könnte in einer ausgeprägten Trennungsangst liegen. Wie bereits erwähnt, leben Hunde von Natur aus im Rudel und haben daher Schwierigkeiten, sich ohne ihre Familie zu Hause aufzuhalten.

Sollte dein Bello sofort zu Jaulen beginnen, wenn du die Türe hinter dir schließt, kann die Ursache dafür im Welpenalter liegen. Hat das Baby kaum Kontakt zu Menschen, erfolgt die Prägung auf die Hundemama und die Geschwister. Übersiedelt dieses Tier zu einem neuen Besitzer, ist die Vertrauensbasis möglicherweise von Beginn an gestört. Trennungsangst kann sich unterschiedlich äußeren: Manche Tiere bellen einfach durch, andere bauen Stress ab indem sie deine Hausschuhe zerkauen oder werden unsauber.

Verhalte dich richtig

Oft trägt der Besitzer maßgeblich zu dem unerwünschten Verhalten bei, wenn sie sich ausgiebig von dem Tier verabschieden und beim Nachhausekommen tun als ob der Hund eine Höchstleistung vollbracht hätte. Je natürlicher du mit dem Alleinebleiben umgehst, desto entspannter wird sich die Fellnase verhalten.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*